Razzia LKA Thüringen sprengt Drogenring in Weimar - Spur zur Mafia

Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) hat in Weimar und Berlin einen Drogenring gesprengt. Monatelang hatten die Fahnder mit hohem Aufwand ermittelt. Es wurden kiloweise Drogen, Waffen und tausende Euro Bargeld gefunden. Die Ermittler nahmen acht Männer fest. Die Spur führt offenbar in die tschetschenische Mafia-Szene.

Ein vermummter Polizist läuft im Morgengrauen an fünf am Straßenrand geparkten Polizei-Mannschaftswagen vorbei.
Massenhaft Drogen, Bargeld und auch Waffen wurden bei mehreren Razzien sichergestellt. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Juri D. (*Name geändert) ist scheinbar ein fröhlicher junger Mann. Auf den Bildern seines Instagram-Accounts gibt er sich lachend. Auch mit der Polizei macht er seinen Spaß und stellt ein Blitzerfoto von sich online mit dem scherzhaften Satz "wegen gut aussehen geblitzt". Er posiert mit Freunden, der Familie und zeigt seinen Stolz auf seine Heimat Tschetschenien.

Doch es gibt offenbar noch die andere Seite im Leben des Juri D. Denn nach aktuellen Ermittlungen könnte er der Kopf einer seit Jahren aus Weimar operierenden Drogenbande sein. Am 17. Juni klickten bei Juri D. die Handschellen. Ein schwer bewaffnetes Spezialeinsatzkommando stürmte in Weimar ein Haus. Zur gleichen Zeit wurden ein Dutzend Wohn- und Geschäftsräume in Weimar und Berlin durchsucht. D. und sieben weitere Männer wurde vorläufig festgenommen. Vier von ihnen sitzen noch immer in Untersuchungshaft.

Foliebeutel mit Marihuana
Bereits im Februar wurden bei einer Razzia in Weimar 20 Kilogramm Marihuana gefunden. (Symbolbild) Bildrechte: Hauptzollamt Dresden

Bei der Razzia wurden viereinhalb Kilogramm Marihuana, 20 Kilogramm Ecstasy und knapp 200 Gramm Kokain gefunden. Das bestätige ein Sprecher der für Organisierte Kriminalität (OK) zuständigen Staatsanwaltschaft Gera MDR THÜRINGEN. 

Die Festnahmen Mitte Juni waren nach MDR THÜRINGEN-Recherchen aber nur der zweite Teil einer seit Monaten laufenden Operation der Ermittler des OK-Dezernates 62 des Thüringer LKA. Denn bereits im Februar hatten sie in Weimar zwei Männer festgenommen, die mutmaßlich mit dem jetzt gesprengten Drogenring im Kontakt standen. Damals wurden 120.000 Euro Bargeld und 20 Kilogramm Marihuana gefunden. Was die Fahnder aber beunruhigte, war der Fund einer Waffe bei den Tschetschenen. Bei ihr handelt es sich um eine scharfe Skorpion Maschinenpistole. Das deute auf ein hohes Maß an Gewaltbereitschaft hin, heißt es aus Polizeikreisen.

Maschinenpistole
Bei der jüngsten Razzia in Weimar wurde eine solche "Skorpion"-Maschinenpistole gefunden. Bildrechte: imago/CTK Photo

LKA gründet Arbeitsgruppe "Bauhaus"

Der 1993 im tschetschenischen Grosny geborene Juri D. soll der Kopf der Gruppe gewesen sein. Neben ihm waren offenbar weitere Tschetschenen, ein Aserbaidschaner und Deutsche in dem Drogengeschäft aktiv. Die hohe Menge an gefundenem Bargeld lässt darauf schließen, dass die Geschäfte gut gelaufen sind. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen sollen die Ermittler im vergangenen Jahr einen Tipp bekommen haben. Bei ersten Untersuchungen hatte sich dann gezeigt, dass die Drogenbande hochprofessionell und sehr verdeckt operierte. Das LKA entschied sich im November vergangenen Jahres den Fall mit vollem Nachdruck anzugehen und gründete dazu eine eigene Arbeitsgruppe mit dem für Weimar vielsagenden Decknamen "Bauhaus". Es wurden Telefone abgehört, Wohnungen und Täter von Observationsteams Tag und Nacht überwacht. 

Tschetschene ist polizeibekannt

Für die Polizei ist der Tschetschene Juri D. kein Unbekannter. Allerdings hatte sie ihn mit einer solchen Größe und guten Organisation von Drogengeschäften bisher nicht in Verbindung gebracht. Er war 2011 an einer Körperverletzung in Weimar beteiligt und hatte gegen das Waffengesetz verstoßen. Trotz seines jungen Alters scheint er aber in der tschetschenischen Mafia-Szene in Deutschland gute Verbindungen zu haben. Sein Name taucht mehrfach in den Ermittlungsunterlagen zur armenischen Mafia-Schießerei von 2014 in Erfurt auf.

Bei der wurde der Tschetschene Adam Zazkaev schwer verletzt. In den Wochen danach drohte ein Racheakt von Tschetschenen gegen die Erfurter Armenier. Juri D. hatte zu dieser Zeit Kontakt zu einem an der Schießerei beteiligten Armenier. In abgehörten Telefonaten erklärt er ihm, dass angeblich schon Killerkommandos aus Hamburg und Berlin auf dem Weg nach Erfurt wären, um an den Armeniern Rache zu nehmen. Er habe aber dafür sorgen können, dass diese sich vorerst nicht einschalteten, erklärt Juri D. seinem armenischen Freund am Telefon. Ob D. wirklich diesen Einfluss hat, bleibt bisher ungeklärt. 

Spur für Ermittler von großer Bedeutung

Klar ist dagegen, dass gegen ihn und die gesamte Gruppe weitere Ermittlungen laufen. Besonders die Drogenrouten, die enormem Bargeldsummen, die Waffen und die möglichen weiteren Hintermänner sind für die Fahnder von großem Interesse. Die tschetschenische Spur ist auch deshalb für die Polizei interessant, weil es bereits seit einigen Jahren Hinweise darauf gibt, dass die tschetschenische Mafia in Sachsen und Thüringen versucht die armenische Mafia aus den Drogen- und Autogeschäften zu verdrängen. Bereits im April 2013 wäre es in Weimar zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Tschetschenen und Armeniern mit automatischen Waffen gekommen. In Sachsen laufen seit Jahren Verfahren gegen Tschetschenische OK-Gruppen unter anderem in Dresden. Es bleibt offen, inwieweit die neuen Ermittlungen in Weimar diese Mafia-Strukturen weiter aufhellen.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. Juni 2020 | 05:00 Uhr

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