Bildung Waldorfschule Weimar wehrt sich gegen Auflagen des Schulamts

Zuerst ging es um Gewaltvorwürfe an der Waldorfschule Weimar, dann um deren Aufarbeitung. Die Struktur des Trägervereins steht auf dem Prüfstand, das Bildungsministerium fordert eine Beteiligung von Schülern und Eltern, wie sie das Thüringer Schulgesetz vorsieht. Eine schulaufsichtliche Prüfung dazu läuft noch, der Trägerverein geht inzwischen anwaltlich gegen die Forderungen des Schulamtes vor. Und kritische Vereinsmitglieder werden rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung ausgeschlossen.

Das Gebäude der Freien Waldorfschule Weimar im Stadtteil Oberweimar.
Das Gebäude der Freien Waldorfschule Weimar im Stadtteil Oberweimar. Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Von einer "besorgniserregenden Entwicklung" spricht das Thüringer Bildungsministerium. Und dabei bezieht es sich keineswegs auf die Gewaltvorwürfe an der Freien Waldorfschule Weimar, denn damit beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft. Das Ministerium will, dass die Schule sich ans Thüringer Schulgesetz hält. Deshalb wurde eine "ultimative Frist" gesetzt: Bis 19. März sollen vom Trägerverein die Mindestanforderungen in Bezug auf die Mitwirkung von Schülern und Eltern umgesetzt werden. Im Einzelnen sind das:

  • ein geeignetes Konzept zur Eltern- und Schülerbeteiligung vorzulegen
  • ein mit Eltern- und Schülervertretern nachweislich abgestimmtes Gewaltpräventionskonzept vorzulegen
  • einen Konstituierungstermin für die Eltern-Schüler-Lehrer-Konferenz der Schule zu benennen

Seit etwa einem Jahr läuft inzwischen eine schulaufsichtliche Prüfung. Dabei wird auch geprüft, ob der Trägerverein überhaupt befähigt ist, eine Schule zu betreiben. Im Rahmen dieser Prüfung hat das zuständige Schulamt dem Trägerverein verschiedene Fristen gesetzt, sich mit Problemen der Struktur, der Transparenz und auch der Aufarbeitung der Gewaltvorwürfe zu befassen. Dagegen geht der Trägerverein laut Ministerium mittlerweile anwaltlich vor.

Für uns drängt sich mehr und mehr der Eindruck auf, als wäre der Verein an einer Lösung, die dem Schulgesetz entspricht, immer weniger interessiert. An den Grundanforderungen des Schulgesetzes aber führt auch für freie Schulen kein Weg vorbei.

Felix Knothe Sprecher Thüringer Bildungsministerium

Große Sorgen auch im Landtag

Die CDU-Fraktion hat beantragt, das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Bildungsausschusses zu setzen. Auch Astrid Rothe-Beinlich von den Grünen zeigt sich besorgt: "Wir sind in großer Sorge um die Situation an der Waldorfschule Weimar." Die Gewaltvorwürfe müssten "vollständig aufgeklärt" werden. "Schwierig ist, dass an der Schule offenbar immer noch ein Klima der Angst herrscht. Uns wurde berichtet, dass betroffenen Schüler*innen, die die Vorfälle öffentlich machen oder aufarbeiten wollten, der Schulvertrag gekündigt wurde."

Kritische Mitglieder des Trägervereins, die sich intern für Aufklärung und Aufarbeitung stark machen, sollen aus dem Verein geworfen werden. Das darf so nicht weitergehen, wenn diese Schule eine Zukunft haben soll.

Astrid Rothe-Beinlich

Rothe-Beinlich bezieht sich damit auf den Fall des Weimarers Michael Hasenbeck. Der hatte eine Mitgliederliste des Vereins eingeklagt. Nachdem ihm die Liste trotzdem verweigert wurde, bemühte er eine Gerichtsvollzieherin. Doch der Vorstand schloss Hasenbeck kurzerhand aus dem Verein aus. Mit der Begründung, dass Hasenbeck kein Vereinsmitglied mehr ist, wurde die Liste der Gerichtsvollzieherin nicht ausgehändigt.

Schule wird vom Land anteilig finanziert

Das Land Thüringen finanziert die Waldorfschule Weimar wie alle Freien Schulen im Freistaat. An diese Finanzierung sind bestimmte Bedingungen geknüpft. Deshalb auch die schulaufsichtliche Prüfung. Falls der vom Schulamt gesetzte Termin ergebnislos verstreicht, kann das Amt das Verfahren der schulaufsichtlichen Prüfung an das Bildungsministerium abgeben. Das müsste dann prüfen, ob die Erfüllung der Vorgaben zur Errichtung und zum Betreiben einer Ersatzschule noch gegeben sind.

Dazu sagt Astrid Rothe-Beinlich: "Für mich stellt sich jedoch immer mehr die Frage, ob diese Voraussetzungen angesichts des konflikthaften und wenig transparenten Agierens seitens des Trägervereins und angesichts der Vorwürfe, die im Raum stehen, tatsächlich gegeben sind."

Am 24. Februar gibt es eine Mitgliederversammlung des Trägervereins. Ob diese Themen dort besprochen werden, ist nicht bekannt. Auf Anfragen von MDR THÜRINGEN hat der Vorstand nicht geantwortet. Da außer dem Vorstand auch niemand weiß, wer überhaupt Mitglied im Trägerverein ist, ist eine Kommunikation zwischen den Mitgliedern ohne Wissen der Schule derzeit nämlich nicht möglich.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Februar 2021 | 16:00 Uhr

36 Kommentare

martin vor 1 Wochen

@ule: Das Strafrecht kann nur einen Teil leisten - nämlich bezogen auf konkrete Taten individuell Handelnder. Darüber hinaus ist aber auch zu klären, ob es ein Organisationsversagen oder gar Schlimmeres seitens des Schulträgers gab / gibt.

martin vor 1 Wochen

@ule: Ein ehemaliger Mentor von mir würde jetzt sagen: "Ein Blick ins Gesetz hilft weiter."
§ 20 Abs. 1 Thüringer Schulgesetz lautet:
"Die Vollzeitschulpflicht kann an den staatlichen Schulen der Schularten Grundschule, Regelschule, Gemeinschaftsschule, Gesamtschule, Gymnasium und Förderschulen sowie durch den Besuch einer diesen Schularten entsprechenden Ersatzschule erfüllt werden."

Harka2 vor 1 Wochen

Aber ja doch. Das steht in ihren eigenen Beiträgen zu dem Thema und ich kenne einige der betroffenen Personen auch persönlich. Wenn sie mehr wissen wollen, wissen sie, wie sie mich erreichen können.

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