Frühförderung Vorschulkinder mit Entwicklungsstörungen sollen besser in die Schule starten

Sozialverbände in Thüringen wollen wegen Corona ausgefallene Förderstunden für benachteiligte Vorschulkinder nachholen. Die Arbeiterwohlfahrt und die Lebenshilfe appellieren an Sozialämter, ausgelaufene Bescheide zu verlängern. Awo-Bereichsleiterin Kathleen Müller sagt, die zweimonatige Schließzeit von Kindergärten und Förderstellen habe sich bei vielen Kindern nachteilig ausgewirkt.

Ein Mädchen sitzt an einem kleinen Tisch und malt
Leni ist sechs Jahre alt und kommt regelmäßig in die Frühförderstelle des Lebenshilfewerks Weimar/Apolda. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter-Kallwitz

Aufmerksamkeit, Konzentration und sprachliche Fähigkeiten hätten sich bei vielen Kindern verschlechtert, weil ihre Eltern sie trotz Lernmaterial und Anleitung per Telefon nicht fördern konnten. Diese Kinder hätten Probleme damit, Regeln einzuhalten, mit Messer und Gabel zu essen oder den Stift richtig zu halten. Deshalb müssten Vorschulkinder mit Auffälligkeiten die coronabedingt ausgefallenen Förderstunden nachholen dürfen, so Müller. Sie fordert, dass ausgelaufene Bescheide der Sozialämter über Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und heilpädagogische Förderung verlängert werden.

Viele Förderstunden fallen derzeit aus

Die Leitung der Frühförderstelle des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda beklagt, dass die Heilpädagogen noch nicht in allen Kindergärten im Weimarer Land wieder Kinder mit Auffälligkeiten betreuen können. Leiterin Carola Schreck sagte dem MDR, dass viele der rund 150 Kinder nicht in die Frühförderstelle kommen und auch zu Hause nicht die nötige Therapie bei Sprach- und Lernproblemen oder Verhaltensauffälligkeiten bekommen können. Eltern hätten entweder Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus oder schafften es wegen ihrer Arbeitszeiten nicht, die Kinder zur Förderstunde zu bringen. Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden und Heilpädagogen sehen dadurch die Kinder mit Behinderungen zusätzlich benachteiligt in ihrer Entwicklung im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen.

Kreuze auf einem Blatt mit Figuren
Anhand eines solchen Arbeitsblattes üben die Kinder, richtig zu sprechen. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter-Kallwitz

Dirk Rühling vom Thüringer Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht besonderen Förderbedarf bei Kindern mit Migrationshintergrund, deren Eltern zu Hause schlecht oder gar nicht Deutsch sprechen. Er regt an, das Unterrichtstempo und die Lehrpläne in der Grundschule an den schwächeren Schülern auszurichten. Nicht ihre Defizite, sondern die Stärken sollten Pädagogen im Blick haben.

Antrag auf Förderung stellen die Eltern

Eltern von Kindern mit Behinderung stellen einen Antrag auf Frühförderung bei der Kommune. Die Mitarbeiter prüfen den Förder- und Behandlungsplan des Arztes sowie die Empfehlungen eines Heilpädagogen der Frühförderstelle und beobachten das Kind. Das Kind kann dann zwischen drei und zwölf Monate lang Frühförderung erhalten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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