Wissenschaftliche Untersuchungen Grabungen im Steinbruch von Buchenwald beendet

Der Mythos von verstecktem Nazi-Gold oder gar dem Bernsteinzimmer in Buchenwald hat sich nicht bewahrheitet. Die in den letzten drei Wochen bei Grabungen entdeckten Bunker waren leer. Hinweise auf weitere Hohlräume gäbe es nicht, sagte Grabungsleiterin Karin Sczech vom Thüringer Landesamt für Archäologie und Denkmalschutz (TLAD) am Donnerstag in Weimar. Schatzsucher hätten damit keinen Grund mehr, illegal auf dem Steinbruchgelände zu schürfen.

Der Direktor der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Prof. Dr. Volkhard Knigge
Volkhard Knigge Bildrechte: MDR/Holger John

Bei den Arbeiten im Steinbruch sind insgesamt drei unvollendete Luftschutzbunker entdeckt worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach seien diese von Häftlingen für die Wachmannschaften der Waffen-SS angelegt worden, sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge. In den Stollen wurden Waffen- und Munitionsfragmente, Eisengegenstände, Werkzeuge und Loren entdeckt. Diese Fundstücke sollen nun restauriert und analysiert werden.

Fragmente von Gewehren und Granaten in ehemaligem KZ Buchenwald entdeckt

Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Buchenwald ist bei Grabungen ein dritter Stollen entdeckt worden. Er scheint leer zu sein, doch in der Nähe stießen die Wissenschaftler auf alte Waffenteile.

Mann mit Helm und Arbeitskleidung im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Bei den Grabungen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Buchenwald ist ein dritter Stollen entdeckt worden.  Bildrechte: MDR/Holger John
Mann mit Helm und Arbeitskleidung im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Bei den Grabungen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Buchenwald ist ein dritter Stollen entdeckt worden.  Bildrechte: MDR/Holger John
Bagger steht im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Nach Informationen von MDR THÜRINGEN befindet er sich rund drei Meter von dem zuletzt gefunden Stollen entfernt. Bildrechte: MDR/Holger John
Blick und dunklen Stollen im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Dem ersten Anschein nach scheint aber auch dieser dritte Stollen, wie schon die beiden zuvor gefundenen, leer zu sein. Bildrechte: MDR/Holger John
Mann sitzt neben Bagger im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Ans Tageslicht befördert wurden bei den Grabungen einige Metallteile. Bildrechte: MDR/Holger John
Bagger wuchtet großes Metallteil aus Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Der Bagger arbeitete sich Stück für Stück vor, bis er den Stollen erreichte. Bildrechte: MDR/Holger John
Alte Waffenteile liegen im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Ans Tageslicht befördert wurden bei den Grabungen einige alte Waffenteile. Bildrechte: MDR/Holger John
Drei Männer mit Arbeitshelm stehen im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Ziel der Grabung ist es, weitere Erkenntnisse über bauliche Anlagen des NS-Konzentrationslagers Buchenwald zu gewinnen Bildrechte: MDR/Holger John
Der MDR hat in zweijährigen Recherchen Indizien zusammengeführt, die im Herbst 2018 dem wissenschaftlichen Kuratorium der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zur Bewertung vorgelegt wurden, verbunden mit dem Anliegen, die mögliche Existenz weiterer Stollen zu klären.
Ein Arbeiter zeigt eine kleine Metallplakette, die bei den Grabungen zum Vorschein kam. Bildrechte: MDR/Holger John
Bagger wuchtet großes Metallteil aus Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Die Verantwortung für die Grabungen liegt beim Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Bildrechte: MDR/Holger John
Mann mit Arbeitshandschuhen zeigt altes Metallschild im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Immer wieder stoßen die Arbeiter auf kleine Metallstücke im Steinbruch. Bildrechte: MDR/Holger John
Mann mit Helm und Arbeitskleidung im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Ein Arbeiter mit Sicherheitshelm wirft einen Blick in den dritten Stollen, der am 10. Oktober entdeckt wurde. Bildrechte: MDR/Holger John
Mann mit Helm und Arbeitskleidung im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Die Grabungen sollen Klarheit bringen über Mutmaßungen und Gerüchte über die bislang verborgenen Stollen auf dem Gelände des einstigen KZ Buchenwald. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger legt den Eingang zu einem Stollen im ehemaligen KZ Buchenwald frei.
Dokumente der US-Streitkräfte und Berichte von Zeitzeugen ließen vermuten, dass es neben den bekannten Stollen weitere im Steinbruch gibt. Bildrechte: MDR/Holger John
Baggerführer in der Kanzel.
Per Bagger wurde der dritte gefundene Stollen weiter freigelegt. Bildrechte: MDR/Holger John
Gefundene alte Metallteile liegen auf einem Haufen.
Verschiedene alte Waffenteile kamen zum Vorschein. Bildrechte: MDR/Holger John
Blick in den freigelegten leeren Stollen.
Große Entdeckungen wurden in den freigelegten Stollen nicht gemacht. Bildrechte: MDR/Holger John
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Kein Nazi-Gold in Buchenwald

Historisch sei das Projekt in jedem Fall sehr wertvoll gewesen ergänze der Chef des Landesamtes Sven Ostritz. Man habe das Bild der letzten Kriegstage vervollständigen können. MDR THÜRINGEN-Funkhausdirektor Boris Lochthofen bezeichnete die Grabung als journalistischen Rechercheerfolg, auch wenn vielleicht nicht alle Fragen bis ins Letzte beantwortet seien. Er kündigte drei Filme an, die für Arte und den MDR produziert würden.

Spekulationen um Nazi-Gold in Buchenwald waren seit Anfang der 1990er-Jahre immer wieder laut geworden und hatten auch illegale Schätzgräber angelockt. Genährt wurden deren Hoffnungen vor allem dadurch, dass Ende April 1945 nach der Befreiung des Lagers bereits zwei Stollen von der US-Armee geöffnet wurden. Dabei sollen Tonnen an Gold und Silber entdeckt und anschließend in die USA und nach England gebracht worden sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/epd/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Oktober 2019 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 20:41 Uhr

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