Entwurf für die Dauerausstellung des Hauses der Weimarer Republik
Bis zur Eröffnung ist ein Blick in das Haus der Weimarer Republik nur über grafische Entwürfe möglich. Bildrechte: Haus der Weimarer Republik

Demokratie Geschichtsträchtig: Haus der Weimarer Republik wird eröffnet

Zum 100-jährigen Jubiläum ihrer Verfassung präsentiert ein neues Museum die Weimarer Republik als moderne Demokratie. Auf rund 200 Quadratmetern gibt das "Haus der Weimarer Republik" ab Mittwoch in einer neuen Dauerausstellung einen Überblick über die Anfänge der Republik 1919 bis zu ihrem Aus, als die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler 1933 die Macht übernahmen.

Entwurf für die Dauerausstellung des Hauses der Weimarer Republik
Bis zur Eröffnung ist ein Blick in das Haus der Weimarer Republik nur über grafische Entwürfe möglich. Bildrechte: Haus der Weimarer Republik

"Bonn ist nicht Weimar" lautete ein geflügeltes Wort aus den Anfängen der Bundesrepublik. Die von den Nationalsozialisten und ihren Unterstützern zerstörte erste deutsche Demokratie zwischen 1919 und 1933 diente als abschreckendes Beispiel für den zweiten Versuch nach 1945. Eine solche einseitige Sicht ergänzen soll eine neue Einrichtung in der Stadt, die der Weimarer Republik den Namen gab.

Geschichtsträchtige Eröffnung der Ausstellung im Haus der Weimarer Republik

Von Mittwoch an steht am Theaterplatz der Klassikerstadt das "Haus der Weimarer Republik - Forum für Demokratie" für Besucher offen. Es ist die bundesweit erste zentrale Erinnerungsstätte für diese Epoche der deutschen Geschichte. Die Eröffnung findet an einem geschichtsträchtigen Datum statt: Genau 100 Jahre zuvor, am 31. Juli 1919, verabschiedete die Nationalversammlung im Deutschen Nationaltheater die Weimarer Reichsverfassung, die das rechtliche Gerüst für die neue Republik bildete und große Bedeutung auch für das Grundgesetz hat.

Die Initiative zu der Erinnerungsstätte kam vom Verein "Weimarer Republik", die sie künftig auch betreibt. Sie sanierte einen klassizistischen Altbau, in dem sich früher das Bauhaus-Museum befand. Rund 3,9 Millionen Euro ließ sich die Stadt Weimar das Projekt kosten, von denen drei Millionen Euro vom Bundesinnenministerium und rund 600.000 Euro aus der Städtebauförderung kamen.

Exponate verleihen Ausstellung in Weimar Authentizität

Im Zentrum der Erinnerungsstätte steht eine Dauerausstellung, die auf gerade einmal 200 Quadratmetern Schlaglichter auf Politik und Kultur der Weimarer Zeit wirft. Ein 14-minütiger Eröffnungsfilm und viele weitere multimediale Angebote laden den Besucher ein, sich selbst ein Bild von den turbulenten und zugleich auch mit vielen Hoffnungen verbundenen 14 Jahren zu machen.

Rund 80 Originalexponate verleihen der Schau das Gewicht historischer Authentizität: Wahlplakate in den schreienden Formen des Expressionismus oder ein Bierkrug aus dem Münchner Bürgerbräukeller, einer Brutstätte des gescheiterten nationalsozialistischen Putsches von 1923, illustrieren den politischen Radikalismus, der für den schlechten Ruf der Weimarer Republik mitverantwortlich war.

Zugleich steht ein Staubsauger für den Fortschritt in der Alltagskultur, ein Mikroskop für den Aufschwung der Wissenschaft, die Friedensnobelpreisurkunde für Außenminister Gustav Stresemann für die Ansätze internationaler Verständigung. "Wir wollen Lust auf die Weimarer Republik machen", erklärt Vereins-Geschäftsführer Stephan Zänker, "ihre Geschichte ist noch nicht auserzählt".

Haus der Weimarer Republik versteht sich als Forum für Demokratie

Der Vorsitzende von "Weimarer Republik", Michael Dreyer, spitzt das Leitmotiv der Schau noch zu: "Weimar war eine funktionierende moderne Demokratie und durchaus nicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt", betont der Jenaer Politikwissenschaftler: "Sie ist durch die politischen Eliten bewusst zerstört worden."

Auch heute sei dies möglich, warnt Dreyer und erklärt damit auch die letzte Station der Ausstellung. Sie schlägt den Bogen zu heutigen Herausforderungen der Demokratie durch Soziale Medien und Künstliche Intelligenz, Klimawandel und Globalisierung. Auf einem Schwarzen Brett soll der Besucher seine eigenen "demokratischen Visionen" festhalten. Dass sich die Erinnerungsstätte nicht nur als Museum, sondern auch als "Forum für Demokratie versteht", zeigen weitergehende Pläne. Bis Ende 2020 sollen auch ein Neubau für Workshops, Wechselausstellungen und eine Forschungsstelle folgen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/KNA, maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2019, 05:00 Uhr

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