Museum in Weimar Bau verzögert sich: "Haus der Weimarer Republik" wird deutlich teurer

Seit knapp einem Jahr ist das "Haus der Weimarer Republik" in Weimar Erinnerungsstätte für diese Epoche der deutschen Geschichte. Durch einen Neubau soll es erweitertet werden. Doch die geplante Fertigstellung verzögert sich.

Das vom Bund geförderte Museum "Haus der Weimarer Republik" wird erst 2022 vollständig fertig - eineinhalb Jahre später als ursprünglich geplant. Weil die Kosten um Millionen stiegen, mussten die Bauarbeiten des noch fehlenden Anbaus neu ausgeschrieben werden. Das bestätigten die Stadt Weimar als Bauherr und der Betreiberverein MDR THÜRINGEN auf Anfrage. Das Museum befindet sich in Weimar direkt gegenüber des Deutschen Nationaltheaters in der ehemaligen Wagenremise, die zuvor das Bauhaus-Museum beherbergte.  

Weimar: Kosten um zwei Millionen gestiegen - Bund erhöht Fördersumme

Der Geschäftsführer des Weimarer Republik-Vereins ,Stephan Zänker, sagte, die Baukosten seien aufgrund der generellen Preisentwicklung um zwei Millionen Euro auf nun 5,3 Millionen Euro gestiegen. Der Bund habe seine Förderung jedoch um diese Summe erhöht, ohne dass die Stadt Weimar als Bauherr einen höheren Eigenanteil leisten müsse. Der schwierige historische Baugrund habe den Bau zusätzlich verzögert. Aber nun sei alles auf einem guten Weg, im Herbst könnten die Arbeiten beginnen, so Zänker.

Fertigstellung des Anbaus voraussichtlich im Frühjahr 2022

Laut Stadtverwaltung soll der moderne Anbau im Frühjahr 2022 fertig sein. Der Verein übernimmt parallel den Innenausbau und auch der Außenbereich mit dem Künstlergarten soll noch weiter aufgehübscht werden. Der Vereinschef geht davon aus, dass der jetzige Zeitplan eingehalten wird, ohne einen konkreten Eröffnungstermin zu nennen. "Wir hoffen sehr den Anbau bald nutzen zu können, denn erst dann können wir auch Sonderausstellungen und regelmäßige Veranstaltungen anbieten", so Zänker. Das Haus soll künftig politische Erinnerung, Bildung und Forschung zur Demokratie vereinen.  

Ein Torbogen
Weimar: Der Zeughof entspricht noch nicht ganz dem Entwurf. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Zum Grundgesetzjubiläum: Dauerausstellung seit Juli 2019 eröffnet

Die Dauerausstellung im historischen Gebäude hat der Verein im "Haus der Weimarer Republik" bereits Ende Juli 2019 eröffnet. Der Altbau war mit Städtebaufördermitteln saniert worden, pünktlich zum 100. Geburtstag der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands. Die Parlamentarier der Weimarer Republik hatten sie 1919 im Theater gegenüber beschlossen.

Ein unbewohntes Haus
Hinteransicht des ehemaligen Bauhausmuseums, das zum "Haus der Republik" um- und ausgebaut wird. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Museum nach Corona-Schließung wieder geöffnet: Andrang überschaubar

Der Verein Weimarer Republik will mit der Ausstellung die Demokratiegeschichte aus verschiedenen Blickwinkeln modern beleuchten, bis zum Jahreswechsel kamen bereits 22.000 Besucher. Nach der Corona-Zwangspause ist sie nun wieder geöffnet. Momentan kämen täglich 80 bis 100 Besucher, obwohl Städtetouristen derzeit noch weitgehend und Schulklassen gänzlich fehlten. "Angesichts dieser Situation sind wir nicht unzufrieden, zumal wir sehr gute Rückmeldungen zur Ausstellung bekommen", sagte Vereinsgeschäftsführer Zänker.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Juli 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

Werner Original vor 4 Wochen

Ein öffentliches Bauvorhaben wird erstmal politisch und kalkulatorisch so lange schön- und runtergerechnet, bis es durch die Stadträte usw. gegangen ist. "Erstmal hamm, sprach Schramm..." Wenn der Bau einmal läuft, wird niemand mehr die politische... finanzielle Verantwortung eines Baustopps übernehmen, weil, dann kommt automatisch von der jeweiligen Opposition der Vorwurf, Steuergeld in den Sand gesetzt zu haben - und das ist noch weniger politisch attraktiv - man will ja wieder gewählt werden. Also wird bis zum bitteren Ende weitergebaut - egal, was es kostet. Eine bekannte hatte 2012 schon ein Flugticket ab BER - vor ganzen 8 Jahren - ausgefallen. Wie lange die Händler im BER ihre Mietverträge ohne Kunden zahlen mussten - keine Ahnung.
Zum anderen Beitrag gebe ich ihnen vollkommen recht. Es werden auch bei uns immer mehr als "Trafohäuschen" getarnte Häuser gebaut, wo dann tatsächlich Leute mit Kindern drin wohnen - schrecklich - aber über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Paule vor 4 Wochen

@Werner Original: Der Grund, dass kommunale Bauvorhaben ständig teurer sind, als am Anfang geplant könnte ganz wo anders liegen und viel simpler sein. Ich sage nur "Fördermittel" von Bund, Land und EU! Damit man diese in Anspruch nehmen kann, wird ein Bau ganz einfach preiswerter geplant. Wenn die Förderzusagen da sind und das Genehmigungsverfahren durch ist, stellt man dann plötzlich fest, dass es doch etwas teurer werden könnte. Lieber so, als ohne Fördermittel.

Paule vor 4 Wochen

Nichts gegen modernen Baustil und Bauhausstil, aber irgendwie können unsere Architekten nur noch irgendwelche schreckliche kalte Kubuse, mittenrein in historische Straßenzüge "pflanzen". Eine Anlehnung an das Zeughaus, bzw. eine Architektur, welche das ehemalige Zeughaus besser zur Geltung bringt war wohl nicht möglich? Jede Wette, dass auch niemand daran gedacht hat, dass die Angestellten dort ihr Fahrzeug irgendwo abstellen müssen. Warum nutzt man die jetzt noch freie Fläche nicht aus, um dort eine große mehrgeschossige Tiefgarage für die Anwohner, Besucher und Arbeitskräfte zu bauen? Darauf kann man dann eine schöne grüne Freifläche anlegen. Irgendwie alles nicht wirklich richtig und zukunftsweisend durchdacht.

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