Vier Frauen posieren mit geöffneten Armen
Stepptanz-Probe im Tanzraum des Weimarer Mon Ami. Kursleiterin Helga Dieckmann (2. v.l.) tanzt mit ihren Kursteilnehmerinnen zu einem Evergreen aus den Wilden Zwanziger Jahren: Puttin' On The Ritz von Fred Astaire. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

Volkshochschule Weimar Steppen an der Volkshochschule: Helga Dieckmann tanzt sich fit

Helga Dieckmann ist stolze 89 Jahre alt. Im August feierte sie ihren runden Geburtstag. Ans Ausruhen denkt sie aber nicht. Seit mehr als dreißig Jahren gibt die Rentnerin an der Volkshochschule Weimar Fitness- und Stepptanzkurse. Zurzeit bereitet sie sich mit ihren "Stepp Ladies" auf einen Auftritt beim Weiberfasching vor. Im Training lässt sie durchblicken, dass man selbst als langjähriger Tanzprofi gelegentlich noch Lampenfieber haben kann.

von Theresa Köhler

Vier Frauen posieren mit geöffneten Armen
Stepptanz-Probe im Tanzraum des Weimarer Mon Ami. Kursleiterin Helga Dieckmann (2. v.l.) tanzt mit ihren Kursteilnehmerinnen zu einem Evergreen aus den Wilden Zwanziger Jahren: Puttin' On The Ritz von Fred Astaire. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

"Wenn du traurig bist und weißt nicht wohin? Warum gehst du nicht dorthin, wo die Mode ist? Wirf dich in Schale!" So heißt es wörtlich in dem Evergreen von Fred Astaire "Puttin' On The Ritz". Und genau das machen die Stepp Ladies im Weimarer Mon Ami. Allen voran die Kursleiterin Helga Dieckmann. Die 89-Jährige leitet seit der Wende Kurse an der Volkshochschule Weimar. Insgesamt vier Kurse, je zwei Stepptanz- und zwei Gymnastikkurse, bietet die Dozentin an. Einmal die Woche unterrichtet sie im Mon Ami, um sich und ihre Teilnehmer fit zu halten.

Fitsein umfasst mehr als nur körperliches Training. Ihr Kurs "Ganzkörperliches Gesundheitstraining" richtet sich besonders an Frauen in der zweiten Lebenshälfte. Die Teilnehmerinnen sollen durch Gymnastik- und Atemübungen neue Kraft tanken. "Das Training dient dazu, die Persönlichkeit zu stärken. Frauen sollen neuen Mut und die Lust am Leben finden. Dafür muss man neugierig sein und manchmal auch einfach neue Dinge ausprobieren." Den Stepptanz kennen viele aus klassischen Hollywood-Filmen. Doch an Anmut und Leichtigkeit hat dieser, laut Helga Dieckmann, nichts verloren. Ihr ist es wichtig, dass ihre Teilnehmer ein Gefühl für den Rhythmus bekommen. Neben vielen Grundschritten, lernen die Tänzer auch eine Reihe an Kombinationsmöglichkeiten. Ein Nebeneffekt: Die Teilnehmer trainieren damit ihre Füße und Gelenke. Außerdem können sie so ihre Ausdauer steigern.

Kassetten-Spieler, Hut und Kassette
Für den Auftritt zum Weiberfasching muss alles stimmen: Vom burschikosen Hosenanzug über die schwarze Melone bis hin zum Zwanziger Jahre Klassiker "Puttin' On The Ritz" ist alles durchgeplant. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

Von Kindheit an hat Helga Dieckmann getanzt. Sie erinnert sich, als junges Mädchen immer Radio gehört zu haben. "Aus dem schwarzen Volksempfänger kam immer dieselbe Musik. Und eines Tages kam meine ältere Schwester mit Schallplatten nach Hause. Darauf vornehmlich Jazz. Da haben wir erst einmal den Charleston getanzt." Auch als sie neulich mit ihrem Sohn im Auto saß, war sie erstaunt, wie sehr er die Musik seiner Zeit lebt: die Beatles und Rolling Stones. Lachend fügt Helga Dieckmann hinzu: "Jede Generation hat eben ihr Musik."

Musik und Tanz liegt ihr im Blut und begleitet sie bereits ihr ganzes Leben lang. Die gebürtige Nordrhein-Westfälin ging in Bochum auf eine Kunstschule. Doch 1944 bricht ein Bomben-Inferno über Essen aus. Ihre Schule muss evakuiert werden. Ihre Familie verliert ihr Zuhause. Dieckmann und ihre Angehörigen ziehen nach Weimar. Sie wurde Tänzerin am Deutschen Nationaltheater. Dort verliebt sie sich nicht nur in Weimar und sein Theater, sondern auch in ihren Mann. Noch genau erinnert sich Helga Dieckmann an die Kriegszeit. Für sie ist Weimar mehr als nur Klassik. Deshalb plant sie, Vorträge an Weimarer Schulen zu halten. In diesen soll es sich vor allem um Kunstgeschichte drehen. Aber auch persönliche Erlebnisse der ehemaligen Solotänzerin sollen in den Workshop einfließen. "Den Schülern soll bewusst werden, was Deutschland und besonders Weimar", dabei zeigt sie mit dem Finger in Richtung des Konzentrationslagers Buchenwald, "im Zweiten Weltkrieg durchlebt hat." Nicht nur für die Bildung an Weimarer Schulen setzt sich Helga Dieckmann ein. Die Rentnerin engagiert sich außerdem noch ehrenamtlich im Frauenzentrum Weimar. Letztes Jahr wurde sie sogar mit dem Ehrenzertifikat des Landesfrauenrates Thüringen für ihre ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet.

Kassette
Die Tänzerin ist stolz auf ihre "Stepp Ladies" und feuert sie stets an, ihr Bestes zu geben. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

Zurzeit probt die Dozentin mit Claudia Borste, Eleonore Bleicher und Petra Müller-Rönick für einen Auftritt zum Weiberfasching. Müller-Rönick ist selbst Dozentin an der Volkshochschule Weimar. Dort bietet sie Nähkurse an. Seit wann, weiß sie schon gar nicht mehr. "Es muss um die Jahrhundertwende gewesen sein", sagt sie und fügt mit einem Lachen hinzu: "Eigentlich müsste man einmal die Jahre zählen, die ich schon hier bin. Dann könnten Helga und ich vielleicht Jubiläum feiern."
Müller-Rönick war übrigens auch diejenige, die den Auftritt beim Fasching einfädelte. Einen Namen für die Tanzgruppe hat sie sich auch schon überlegt: die Stepp-Ladies. Aufgeregt sind alle, die Dozentin aber besonders. Für den Tanz-Profi ist es der erste Auftritt vor einer Faschingsgesellschaft. Dennoch ist sie zuversichtlich, mit der Choreografie beim Publikum zu punkten: "Am Ende wird das Publikum applaudieren. Dann werden wir nach vorne laufen und uns bedanken - die rechte Hand dabei zum Herzen legen. Und danach heißt es Abmarsch zur Bar."

Eine Frau lacht
Auch in den Semesterferien trifft Helga Dieckmann ihre Kursteilnehmer. Mit ihnen wandert sie dann durch das Weimarer Land, besucht Museen oder verabredet sich zum Essen. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Februar 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 15:57 Uhr

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1 Kommentar

21.02.2019 14:00 Volkshochschule Weimar 1

Das ist ein toller Artikel - vielen Dank. Wir sind sehr stolz auf Frau Dieckmann - wie auch auf alle anderen engagierten Dozierenden wie Frau Müller-Rönnick! Sich und seine Talente einbringen und anderen etwas beibringen bereichert nicht nur die anderen, sondern auch einen selbst - und daraus entsteht dann zum Beispiel Faschingsspaß! Herrlich!

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