Jugendliche seien "naiv und gierig" Ex-Landrat Münchberg reizt Jugend im Weimarer Land

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Nachdem ein Antrag auf die Einrichtung eines Jugendparlamentes für den Kreis Weimarer Land abgelehnt wurde, schlagen Aussagen des ehemaligen Landrats Hans-Helmut Münchberg hohe Wellen. Der parteilose Politiker bezeichnete Jugendliche unter anderem pauschal als "naiv und gierig".

Der Kreistag im Weimarer Land hat einem Kinder- und Jugendparlament eine Absage erteilt. Ein entsprechender Antrag ist in der jüngsten Sitzung mit der Mehrheit der Stimmen von der Tagsordnung genommen worden. Eine Rede von Ex-Landrat Hans-Helmut Münchberg (parteilos) zum Thema schlägt nun aber große Wellen.

Jugendliche sind naiv und gierig. Sie geben ohne Vernunft Geld aus.

Hans-Helmut Münchberg Kreistagsitzung Weimarer Land

"Politischer Kindesmissbrauch"

Die Worte des Ex-Landrates waren mehr als deutlich. Münchberg sitzt für die Bürgerinitiativen im Weimarer Land als normales Mitglied im Kreistag. Als solches nutzte er sein Rederecht. Dem Thema Jugendparlament erklärte er eine eindeutige Absage. Münchberg sprach von "politischen Kindesmissbrauch und der Gefahr, dass solch ein Gremium von extremistischen Jugendorganisationen oder ambitionierten Eltern vereinnahmt werden könnte". Wie könnten 46 junge Menschen die gesamte Kreisjugend repräsentieren, fragte er.

Hans-Helmut Münchberg, 2013
Hans-Helmut Münchberg. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Antrag gestrichen: Kein Jugendparlament im Kreis Weimarer Land

Das und andere Aussagen riefen Kopfschütteln hervor, auch unter den Zuschauern der öffentlichen Sitzung. Max Reschke von den Bündisgrünen war ebenfalls empört. "Ich bin sprachlos!", so Reschke in seiner Gegenrede. Ein gewähltes Gremium aus Einzelnen - so sei es nun einmal in einer repräsentativen Demokratie. Dennoch: am Ende wurde der Antrag von der Tagesordnung genommen. Auch CDU und AfD konnten sich nicht für ein Kinder- und Jugendparlament erwärmen.

Jusos protestieren

Dieser Abend wird nicht im Sande verlaufen, versprechen nun die Jusos im Kreis. In Bad Berka haben die Sozialdemokraten am Freitagmorgen eine Guerilla-Aktion initiiert. Sie haben Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums überrascht. Unter dem Motto "Wir sind sauer", verteilten die Jusos Flyer. Außerdem klärten sie die Jugendlichen über Mitbestimmungsrechte und das vorerst gescheiterte Kinder-und Jugendparlament auf. Vorn dran die Kreisvorsitzende Desiree Benner, die sagt: "Wir lassen nicht zu, dass man Jugendliche zu Unrecht und pauschal verurteilt."

Jugendliche Zielgruppe von politischer Bildung

Der Chef der Landeszentrale für politische Bildung in Erfurt kann sich zur Münchberg-Rede nicht äußern, schließlich war er nicht dabei. Aber grundsätzlich sagt Franz-Josef Schlichting, ist demokratisches politisches Engagement von Kindern und Jugendlichen zu begrüßen. Sie werden zunehmend zur Zielgruppe der politischen Bildung, sagt Schlichting. Sicherlich könne man zu Kinder- und Jugendparlamenten auch kritische Anmerkungen haben, aber er rate zu Großzügigkeit und Gelassenheit.

Jugendparlamente nur mit beratendem Charakter

Letztlich haben Kinder- und Jugendparlamente ohnehin nur beratend-empfehlenden Charakter, so Schlichting. Entsprechende Anregungen oder Beschlüsse können und werden sowieso noch einmal durch gewählte repräsentative Gremien reflektiert und bewertet, so der Leiter der Landeszentrale. "Mitunter bedarf es der Jugend, um Erwachsene für politische Herausforderungen zu sensibilisieren und zu motivieren. Politisches Engagement von Kindern und Jugendlichen muss nicht perfekt und professionell sein, umgekehrt garantiert der Erwachsenenstatus aber auch nicht automatisch selbiges", so Schlichting.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 19. Juni 2020 | 16:30 Uhr

63 Kommentare

martin vor 29 Wochen

@lobedaer: Aber selbstverständlich habe ich Argumente. Ich hatte sie nicht wiederholt, weil die Atheistin mit dieser Argumentation zum x-ten Mal um die Ecke gekommen ist.

Das Jugendstrafrecht spricht Jugendlichen überhaupt keine Reife ab, für das Verhalten Verantwortung zu übernehmen - schon allein an dem Punkt betreibt die Atheistin Propaganda. Oder wie würden Sie einen Strafrahmen von bis zu 10 Jahren Knast nennen? Wenn man unbedingt will, kann man von einer schrittweisen, entwicklungsabhängigen Steigerung der Verantwortungsübernahme sprechen. Allerdings legt das Jugendstrafrecht seinen Schwerpunkt auf Erziehung(sversuche), weil zu Recht davon ausgegangen wird, dass eine positive Einflussnahme bei einer Vielzahl von Straftätern doch noch möglich ist.

Das Vergleichbare zur schrittweisen Übernahme wären im parlamentarischen Umfeld die Kinder- und Jugendparlamente, die keine Entscheidungsbefugnis haben.

So wenig in der Kürze der hier zur Verfügung stehenden Zeichen.

ralf meier vor 29 Wochen

@MDR-Team: Guten Tag, und also bitte: ich zitiere aus dem Tagesschau Artikel 21.03.2018: Was ist Rasissmus ?

Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz definiert Rassismus als "die Überzeugung, dass ein Beweggrund wie .... Religion, .... die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt". Ich weiß, wir sind OT, aber bitte veröffentlichen Sie noch diese Information, bevor hier eine völlige Desorientierung zum Thema Rassismus stattfindet. Ich verspreche auch, das das dann mein letzter Klärungsversuch sein wird

mfg ralf meier







Ekkehard Kohfeld vor 29 Wochen

"Die Jugend verhält sich nur so wie es ihr vorgelebt wird."

Und wer lebt ihnen das an erster Stelle vor,vielleicht mal die Eltern fragen,
was für ein Eigentor.☹️☹️☹️

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