Vor 75 Jahren Befreiung von Buchenwald: Stilles Gedenken in der Krise

Am Sonnabend vor 75 Jahren ist das Konzentrationslager in Buchenwald bei Weimar befreit worden. Die geplante große Gedenkfeier im Deutschen Nationaltheater fiel aus. Dennoch gibt es ein Erinnern.

Zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald sind am eingerüsteten Rathaus in Weimar Banner aufgehängt.
An das eingerüstete Rathaus in Weimar wurden zum Gedenken an die Befreiung des KZ Buchenwald Banner gehängt. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Es ist ein Gedenken in Stille. Banner am Weimarer Marktplatz zeigen Gesichter der Häftlinge - und Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch Flaggen hängen unter anderem am historischen Rathaus. Eine Mahnung: So etwas wie Buchenwald und Mittelbau-Dora, so etwas darf nie wieder passieren. Und genau das haben unter anderem die Stiftung der Gedenkstätten, die Staatskanzlei und Überlebende formuliert.

In einer "Thüringer Erklärung", die erstmals am Sonnabend im Internet veröffentlicht wurde - und die jeder unterzeichnen kann. Stiftungsdirektor Volkhard Knigge rief "alle Menschen guten Willens" dazu auf, sich der Erklärung anzuschließen. Sie setzten damit auch ein Zeichen gegen diejenigen, die vom Nationalsozialismus als "Vogelschiss" sprechen würden oder eine Kehrtwende der Erinnerungskultur forderten.

Erinnern Blumen und Banner: So gedenkt Weimar der Befreiung Buchenwalds

Gedenk-Banner für Buchenwald in Weimar
An verschiedenen Orten in Weimar erinnern Banner an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald vor 75 Jahren. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenk-Banner für Buchenwald in Weimar
An verschiedenen Orten in Weimar erinnern Banner an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald vor 75 Jahren. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenk-Banner für Buchenwald in Weimar
So soll trotz Versammlungsverbots wegen der Corona-Pandemie an das Schicksal der KZ-Häftlinge erinnert werden. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenk-Banner für Buchenwald in Weimar
Neben den Bannern im Weimarer Stadtbild gibt es auch ein digitales Gedenken unter www.thueringer-erklaerung.de. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenk-Banner für Buchenwald in Weimar
Auf der Internetseite sind unter anderem Reden von KZ-Überlebenden zu finden. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenken Buchenwald
Schon unter der Woche haben Menschen einzeln oder zu zweit Blumen am Tor und am Zaun in Buchenwald niedergelegt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenken Buchenwald
Das Bündnis "Weimar gegen Rechts" hatte diese Form des Gedenkens angeregt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenken Buchenwald
Ein gemeinsames Erinnern ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Gedenken Buchenwald
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat jedoch angekündigt, dass die Gedenkfeier zu Befreiung Buchenwalds nachgeholt werden soll. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Digitales Gedenken an Befreiung von Buchenwald

Der Überlebende Naftali Fürst, der Präsident des Verfassungsgerichtshofes in Thüringen, Stefan Kaufmann, und Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) haben das bereits getan. Auch Reden Überlebender sind auf der Internetseite nachzulesen. Seit einigen Tagen konnten außerdem in Buchenwald wie auch Mittelbau-Dora Blumen am Lagerzaun niederlegt werden.

Die Gedenkstätten selbst sind geschlossen. Kränze wurden von offizieller Seite aus bestellt - sie wurden am Sonnabend von Mitarbeitern der Stiftung niedergelegt - ohne große Zeremonie.

Oberbürgermeister Peter Kleine und Stadtratsvorsitzender Hans-Joachim Heuzeroth unterzeichnen die Ehrenbürgerurkunden für die Überlebenden des KZ Buchenwald, Eva Fahadi-Pusztai und Ivan Invanji
Oberbürgermeister Peter Kleine und Stadtratsvorsitzender Hans-Joachim Heuzeroth bei der Unterzeichnung der Ehrenbürgerurkunden für Eva Fahadi-Pusztai und Ivan Invanji. Bildrechte: Conny Mauroner

Frühere KZ-Gefangene werden Weimars Ehrenbürger

Erstunterzeichner der Thüringer Erklärung waren unter anderem auch die Gefangenen Eva Fahadi-Pusztai und Ivan Invanji. Für beide wurden am Samstagvormittag feierlich die Ehrenbürgerurkunden der Stadt Weimar unterzeichnet. Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) hat sie wegen der Corona-Pandemie nicht persönlich überreichen können. Die Urkunden werden nun per Post verschickt.

Ramelow: Gedenkfeier soll nachgeholt werden

Kurz vor dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald hatte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow angekündigt, dass die geplante Gedenkveranstaltung dazu nachgeholt werde. Die Feier solle stattfinden, sobald die Gefahr der Corona-Pandemie gebannt sei, kündigte der Ministerpräsident in einer Mitteilung der Staatskanzlei am Karfreitag an. "Das Andenken an die Verfolgten aus ganz Europa und die Würdigung ihres Leidens und Sterbens ist und bleibt zentraler Auftrag des Landes Thüringen", so Ramelow. "Wir bleiben den Menschen verbunden, denen Buchenwald und Mittelbau-Dora zum furchtbaren Schicksal wurde."

Befreiung des KZ Buchenwald 1945

Eigentlich war in diesem Jahr in Thüringen eine große Gedenkveranstaltung mit Zeitzeugen aus aller Welt geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde sie vor allem auch zum Schutz der sehr alten Überlebenden abgesagt.

US-Streitkräfte hatten am 11. April 1945 das KZ Buchenwald bei Weimar und das bei Nordhausen gelegene KZ Mittelbau-Dora befreit. Die Nazis hielten in Buchenwald mehr als eine halbe Million Menschen aus etwa 50 Nationen gefangen. Etwa 56.000 Menschen wurden in Buchenwald und seinen Außenlagern ermordet oder sie überlebten Hunger und Krankheiten nicht. Im KZ Mittelbau-Dora wurden rund 60.000 Häftlinge dazu gezwungen, in unterirdischen Stollen Raketen zu bauen und in zahlreichen Bauprojekten für die Rüstungsindustrie zu arbeiten. Mindestens 20.000 von ihnen starben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. April 2020 | 06:00 Uhr

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