Volkhard Knigge spricht bei einer Gedenkstunde
In einem aktuellen Spiegel-Artikel wird Kritik am Führungsstil von Gedenkstätten-Leiter Volkhard Knigge laut. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Buchenwald Kritik an Führungsstil von Gedenkstätten-Leiter - Knigge wehrt sich

Die Arbeitsatmosphäre in der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora soll unter der Leitung von Volkhard Knigge schwer leiden. Laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" üben Mitarbeiter massive Kritik an seinem Führungsstil. Knigge selbst nennt die Vorwürfe haltlos und vermutet eine gezielte Medienkampagne - im Zusammenhang mit der Entlassung des früheren Chefs der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

Volkhard Knigge spricht bei einer Gedenkstunde
In einem aktuellen Spiegel-Artikel wird Kritik am Führungsstil von Gedenkstätten-Leiter Volkhard Knigge laut. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Von einem "Klima der Angst" ist die Rede, von Besprechungen "im Stile stalinistischer Militärtribunale". Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel transportiert schwere Vorwürfe gegen Volkhard Knigge, den langjährigen Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Die harsche Kritik von Mitarbeitern an ihrem Chef soll während einer Organisationberatung zur Sprache gekommen sein, schreibt der Spiegel. Mit 30 von 50 Angestellten seien Einzelgespräche geführt worden, um interne Arbeitsprozesse zu verbessern. In der Präsentation der Ergebnisse - vorgestellt bereits im Dezember 2016 - hätten Kollegen ihrem Chef "Gutsbesitzermentalität" und eine Regentschaft mit "Kontrolle und Angst" vorgeworfen. Eine Angestellte führe seit Monaten ein Mobbing-Tagebuch.

Leiter der Buchenwald-Stiftung wehrt sich gegen Vorwürfe

Nach der Veröffentlichung im Spiegel wehrt sich Knigge mit einer persönlichen Erklärung gegen die Vorwürfe. Er nannte sie völlig haltlos, in seiner Zeit als Direktor habe ihm noch niemand Mobbing vorgeworfen. Der Bericht des Nachrichtenmagazins sei eine Medienkampagne und beruhe "in großen Teilen auf reiner Kolportage", verschleiere Quellen und verzerre deren Stellungnahmen tendenziös. "Ich fühle mich meinem engagierten, hochmotivierten Team eng verbunden und werde es in jeder Hinsicht weiter unterstützen."

Unterstützung erhält Knigge von Unternehmensberater Dieter Haselbach, der die Strukturen der Gedenkstätte unter die Lupe genommen und die Mitarbeitergespräche geführt hatte. In einer Stellungnahme schreibt er, dass die vom Spiegel zitierten Äußerungen von Mitarbeitern "keineswegs Ergebnisse der Organisationsuntersuchung" gewesen seien und nicht dem Zustand der Stiftung entsprächen. Gleichzeitig habe er bei den Angestellten eine "extrem hohe Motivation und Identifikation mit ihrer Arbeit" festgestellt, so Haselbach. Auch der Historiker Norbert Frei steht an der Seite des Gedenkstättenleiters: "Das Führungsverhalten von Herrn Knigge war zu keinem Zeitpunkt ein Thema", teilte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Kuratoriums und Teilnehmer der Stiftungsratssitzungen, dem Spiegel in einer E-Mail mit.

Stefan Hördler äußert sich nach Entlassung

Die einzige namentlich genannte Quelle für die Anschuldigungen des Nachrichtenmagazins ist Stefan Hördler. "Viele Kollegen haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren", zitiert der Spiegel den Historiker. Hördler war seit 2015 Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Im Mai 2019 wurde er ohne öffentliche Angabe von Gründen fristlos entlassen - gegen den Rauswurf wehrt er sich. Das Arbeitsgericht Erfurt erklärte mittlerweile zwei Abmahnungen gegen ihn aus formalen Gründen für ungültig, sie seien missverständlich formuliert und müssten aus Hördlers Personalakte gestrichen werden.

Zusammenhang zu arbeitsrechtlicher Auseinandersetzung?

Stiftungsleiter Knigge sagte jetzt, dass er einen Zusammenhang zwischen dieser Personalie und der nun veröffentlichten Kritik an seinem Führungsstil vermute. Dem Spiegel-Autor schrieb er dazu: "Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass auf der Basis angeblicher Befunde einer Organisationsberatung mit des Spiegel Einfluss auf einen laufenden arbeitsrechtlichen Prozess genommen werden soll." Welche Rolle Hördlers Entlassung tatsächlich spielt und welches Arbeitsklima in der Gedenkstätte herrscht, dazu wird es möglicherweise Anfang November neue Erkenntnisse geben. Dann soll vor einer anderen Kammer des Erfurter Arbeitsgerichts eine Kündigungsschutzklage Hördlers gegen den Stiftungsrat der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verhandelt werden.

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat den gesetzlichen Auftrag, die früheren Konzentrationslager als Orte der Trauer und der Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen zu bewahren. Sie soll die Gedenkstätten "in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich" machen und die Bildung darüber fördern. Dazu organisiert die Stiftung Ausstellungen und Veranstaltungen, ist für Besucherbetreuung und Jugendarbeit zuständig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Oktober 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 09:25 Uhr

7 Kommentare

hansilein vor 8 Wochen

....in dem Laden stimmt doch so und so einiges nicht ! Warum werden z.B. von den geöffneten Stollen im Steinbruch der Gedenkstätte Buchenwald keine Fotos veröffentlicht ? Hier wird wieder was vertuscht und die breite Öffentlichkeit versucht für dumm zu verkaufen !

winfried vor 8 Wochen

Im Artikel ist von Einzelgesprächen die Rede.
Da ich schon mehrfach "Einzelgespräche" als Einlader, und als Eingeladener, hinter mir habe, drängen sich mir nachstehende Fragen auf:
>>Einzelgespräche<<
Unter 4 Augen oder mehr (Augen) ? ... wenn Ja, auf wessen Seite ?
>>Bisher Gespräche mit 30 von 50 AN<<
Wird mit den übrigen 20 noch gesprochen ?

ralf meier vor 8 Wochen

Da lese ich: 'Unterstützung erhält Knigge von Unternehmensberater Dieter Haselbach, der die Strukturen der Gedenkstätte unter die Lupe genommen und die Mitarbeitergespräche geführt hatte.' Nun ja, dafür wurde Herr Haselbach ja auch bezahlt. Letzteres könnte auch erklären, warum ausgerechnet das Führungsverhalten von Herrn Knigge als Leiter der Gedenkstätte
zu keinem Zeitpunkt ein Thema war.

Ich habe das Gefühl, hier wurde der falsche entlassen

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