Nachgefragt Alleinerziehende nach zehn Wochen Corona

Im März hatten wir begonnen, Geschichten zu erzählen von Menschen und ihrem Alltag mit Corona. Eine davon war Maria Böttcher aus Weimar. Sie ist Arzthelferin und lebt allein mit ihren beiden Kindern. Jetzt, fast zehn Wochen später, haben wir sie nochmal besucht, um zu schauen, was sich geändert hat.

Eine Frau kocht
Inzwischen ist Maria entspannter als zu Beginn der Corona-Pandemie. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Maria, was hat Corona inzwischen mit eurem Leben gemacht?

Der Alltag von mir und meinen beiden Kindern war schon immer sehr vollgepackt. Neben Arbeit, Schule, Familie und Haushalt sind wir immer gern viel unterwegs, draußen in der Natur, machen Ausflüge und genießen Feste und Veranstaltungen in Weimar und der Umgebung. Das fehlt uns natürlich.

Wie verkraften das die Kinder?

Mein großes Kind ist noch selbständiger und erwachsener geworden, als sie es sowieso schon war –obwohl wir so zusammengerückt sind, obwohl ich mir besonders viel Zeit für sie nehme.

Homeoffice mit Kindern
Zwei Kinder gleichzeitig zu betreuen, ist schwierig. (Symbolbild) Bildrechte: Ute Grabowsky/Photothek.net

Sie ist eine noch erstaunlichere, eigenständigere Persönlichkeit geworden. Mit Fragen, mit Meinungen, mit neuen Sichtweisen. Zusätzlich zum Geburtstag ist nun auch die Jugendweihe ausgefallen. Meine Große nimmt es gelassen: besser so, als krank zu werden. Der Mikrokosmos Schule, in dem sie sich sonst bewegt, ist nun seit 11 Wochen unerreichbar. Sie lernt meist selbständig: wenn der Koller doch kommt, dann bittet sie mich, bei ihr zu sitzen und wir rechnen miteinander lachend um die Wette Kreisumfänge und Trapezoberflächen aus und vergleichen zum Schluss.

Hat sich ihre Haltung zum Unterricht verändert in der Zeit?

Sie sieht sich Dokumentationen an, Videos mit Anleitungen auf Youtube, sie recherchiert die Aufgaben, die per Email und in der Cloud ankommen, gerne auf vielen Kanälen. Und stellt gleichzeitig das früher noch allgemeingültige "Ihr werdet nicht immer einen Taschenrechner dabeihaben!" in Frage. Grundsätzlich passt das so nicht mehr – man hat ja sogar einen Weltatlas, ein Lexikon, Wörterbücher in der Tasche, alles ist so schnell und einfach aufzurufen. Mal sehen, was das für die Schule nach Corona bedeutet.

Und wie ist das bei ihrem kleinen Bruder?

Er ist ja von Beginn an in der Notbetreuung, hat da zwischendurch sehr viel mehr Probleme mit dem Erledigen der Schulaufgaben gehabt. Die Erzieher dort waren "nicht für die Hausaufgabenbetreuung zuständig" – Motivation und Disziplin, sich alleine mit Schulzeug rumzuschlagen, während die anderen spielen durften, fehlte. Wenn ich ihn dann abgeholt habe, war nicht mehr viel Zeit und Energie übrig, um noch konzentriert Mathe und Deutsch zu erledigen. So blieb nur das Wochenende. Statt die stressige Woche zu verdauen hieß das, 4 - 5 Stunden Rechnen und Schreiben. Die Situation wurde aber sofort besser, nachdem ich der Direktorin der Schule unsere Situation beschrieben habe.

Das heißt konkret?

40 Stunden Arbeitswoche, Haushalt, Einkäufe natürlich auch für unsere Oma, dazu zwei Kinder zu Hause beschulen - inzwischen haben die Kinder Lernzeiten, und wir müssen nur noch wenig, manchmal sogar gar nichts zu Hause nacharbeiten und können die Freizeit zum Kuscheln, Spielen und Lachen nutzen. Ich arbeite weiter den ganzen Tag mit Patienten. Nach 12 Wochen, in denen ich durchschnittlich acht Stunden täglich mit Mund-Nasen-Schutz Blut abnehme und EKGs schreibe, fehlt mir ein wenig die Geduld, auch dem zehnten Patienten wieder in aller Seelenruhe zu erklären, dass er bitte seine Maske aufbehalten soll, während ich ihm so nahe bin - dass es dabei auch um mich und meine Gesundheit geht, um die Gesundheit meiner Kinder.

Was macht einem da besonders Angst?

Was ist, wenn ich krank werde? Was passiert, wenn wir in Quarantäne müssen? Und noch viel schlimmer: was passiert mit meinen Kindern, sollte ich ins Krankenhaus müssen? Ich wurde bis heute nie getestet, auch nicht auf Antikörper - neugierig wäre ich schon. Das große Kind hat Angst vor den Kawasaki-Syndrom-ähnlichen Symptomen, die bei Kindern auftreten können.

Symptome erinnern an Kawasaki-Syndrom Seit Ende April sorgen immer wieder Berichte über schwere Entzündungen bei Kindern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, für Ängste. Denn die Symptome zeigten Ähnlichkeiten mit denen des Kawasaki-Syndroms, also einer schweren Entzündungsreaktion. Ob das Coronavirus jedoch tatsächlich in einem Zusammenhang mit dem Kawasaki-Syndrom steht, ist noch unklar.

Was hilft gegen diese Sorgen?

Mit einer Sorge- und einer Bankvollmacht für die beste Freundin, die hoffentlich ausreichen, ein paar Tage zu überbrücken, konnte ich wieder besser schlafen. Und wir haben uns schon ganz früh entschieden, wem wir im Bezug auf diese Situation vertrauen, schon lange vor all den Verschwörungstheorien, damit sind wir gut gefahren. Ganz entziehen können wir uns dem, was gerade vor sich geht, nicht. Ich schwanke zwischen Angst und Resignation: Angst vor der zweiten Welle und den damit verbundenen Opfern. Resignation, wenn der Hochrisikopatient dreimal in der Praxis steht, weil es ihm zu Hause einfach langweilig ist.

Was hat das alles mit eurer Familie gemacht?

Wir sind zusammengerückt. Noch näher, als vorher schon. Wir haben uns lustige Masken bedrucken lassen. Wir haben unser nahes Umfeld durch ausgedehnte Spaziergänge noch besser kennengelernt und haben große Pläne für danach: auf die Leuchtenburg, zum Falkner, und nach München zu den Lamas und den Hängebauchschweinen, in Zoos und ins Schwimmbad - die Liste ist lang. Wir wissen genau, dass all das wieder möglich sein wird.

Was ist euer Credo in dieser Zeit?

Wir wollen kein Risiko eingehen: weder für uns, noch für unsere Liebsten. Und ich würde es ja auch mit auf Arbeit nehmen - die Folgen möchte ich mir nicht ausmalen. Dafür bin ich keine Arzthelferin geworden, ich will niemanden in eine Gefahr bringen, die sich man immer noch nicht komplett abschätzen kann. Solange es keine Therapie gibt, solange man sich nicht schützen kann und solange die Menschen, die es besser wissen, Maßnahmen empfehlen, werden wir uns auch daran halten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 29. April 2020 | 20:15 Uhr

2 Kommentare

Werner Original vor 6 Wochen

Warum steht "SPD" und "Kandidatin" nicht im Artikel? Die Weimarer und Umgebung kennen die doch - das muss auffallen, und mit einem Verdacht der Manipulation mit Verarschungsversuch auffliegen + Belustigung. Logische Folge, dass der nächste Artikel ebenfalls mit einem Vorab-Verdacht be-dacht wird, und die Leute vorher suchen, wer und was ihnen wiedermal, und zum x-ten Mal von den freien & unabhängigen Medien untergejubelt werden soll - das ist eben aus der Erfahrung mit dem Schild und Schwert der Partei- & Staatsführung, oder so wie Früher, voll berechtigt - das Öffnen eines "Neuen Fensters" im Browser reicht völlig - ganzganz leichte Übung. Wenn sich jetzt die Autorin angegriffen fühlt - dann ist das ein falscher Denkfehler von ihr - sie muss das so machen, um ihren Job zu behalten. Der Auftrag kommt von ganzganzoben, Stufe für Stufe weitergereicht aus der Kanzlerinnen-Partei-Staats-und-Medien-Führung, direkt aus dem Kaiser-Wilhelm-Netzwerk - und immer verzwickter wird´s auch noch....

Werner Original vor 6 Wochen

"Und wir haben uns schon ganz früh entschieden, wem wir im Bezug auf diese Situation vertrauen, schon lange vor all den Verschwörungstheorien, damit sind wir gut gefahren." Offensichtlich keine ganz leichte Übung mehr, so eine brav-regierungstreue Meinung wie von der "Aktuellen Kamera", aus einem ganz einfachen und Privat-Haushalt, zur Bildung der öffentlichen Meinung zu finden. Außer, man kennt als Journalist zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute von der richtigen (eigenen?) Partei - und die Frauenquote mit einer alleinerziehenden Frau Mutti ist damit auch zur vollsten Zufriedenheit erfüllt - Plan mit 200% sogar übererfüllt. "SPD Weimar... Personenliste der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten umfasst 42 Bürgerinnen und Bürger Weimars.. 10. Maria Böttcher..." Selbstverständlich mit massig Bildern bei Google, dass sie eine total unauffällige Privatperson**in ist, oder so. Jede Partei hat ihre Agenda - auch mit bissel Seitenhieb gegen den/die Ober-VTer mit Häuptling Ramelow.

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