Kunstprojekt In Weimar wird die Mauer wieder aufgebaut

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Mit der Installation "Horizonte" soll das Jubiläum des Mauerfalls vor 30 Jahren thematisiert werden. Die Betonteile stammen aus den 80er Jahren. Sie wurden am Vormittag vorsichtig von einem Kran vor das Deutsche Nationaltheater gestellt. Ab morgen wird dann die Leipziger Künstlerin Christina Wildgrube die Mauer bemalen. Außerdem soll es jeden Tag um 15 Uhr ein zum Thema passendes Programm geben.

Auf dem Theaterplatz in Weimar stellt ein Kran Beton-Winkelelemente auf
DNT-Intendant Hasko Weber (links) erläutert gemeinsam mit seinen Projektpartnern die Installation der Mauer in Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Montagmorgen wurde der Theaterplatz abgesperrt, ein Kran und ein LKW mit so genannten Winkelstützelementen rückten an. Die Teile stammen aus Zeulenroda von der Firma BB Beton und Bauwaren. Ausgedacht hat sich das Projekt das Deutsche Nationaltheater und will damit an den Mauerfall vor 30 Jahren erinnern. Conrad Henke von der BB war zunächst skeptisch. "Erstmal wussten wir nicht, ob wir als Firma ausgerechnet mit diesem Thema in Verbindung stehen wollten. Aber dann haben wir das Konzept gelesen und fanden das super".

Die Mauer besteht aus 17 einzelnen Betonelementen aus den 80er Jahren. Bisher waren sie auf dem Firmengelände verbaut. Nach einer groben Reinigung haben sie den Weg nach Weimar angetreten, wo sie jetzt eben auf dem Theaterplatz aufgestellt wurden. 3,20 Meter hoch und knapp 20 Meter breit ist die neue Mauer geworden. DNT-Intendant Hasko Weber ist schon gespannt auf die Reaktionen der Weimarer: " Es wird sicher welche geben, die das ganz furchtbar finden und andere, die begeistert sind, dass man auf diese Art und Weise an die Geschichte erinnert und zu diesem Thema ins Gespräch kommt."

Riesiges Kunstwerk entsteht

Die Leipziger Künstlerin Christina Wildgrube wird die Mauer jetzt in den nächsten Tagen gestalten. Sie wurde zum Tag des Mauerfalls gerade eingeschult. Für sie war es ein spannender Prozess, sich mit dem Inhalt des Projekts "Horizonte", aber auch mit dem Material und der Größe der Fläche auseinander zu setzen: "Ich habe mich entschieden, die Mauer zu bemalen. Mit einem Pinsel. Jeden Tag wird das Bild ein wenig wachsen und am Ende wird das gesamte Kunstwerk nur einen Tag zu sehen sein. Das ist schon aufregend."

Denn am 9. November wird die Mauer wieder entfernt. Gegen eine Spende von mindestens 500 Euro kann man dann die einzelnen Elemente erwerben. Hasko Weber hat schon die ersten Interessenten. Der Erlös kommt der Bürgerstiftung Weimar zugute. Die will das Geld verwenden, um Kinder aus sozial schwachen Familien zu unterstützen.

Jeden Tag besonderes Programm

Bis dahin allerdings wird rund um die Mauer noch einiges passieren. Jeden Tag gegen 15 Uhr wird der Theaterplatz vom DNT "bespielt". Am 4. November beispielsweise werden Auszüge aus Reden zu hören sein, die am 4.11.1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin gehalten wurden. Außerdem wird es ein Federballtournier über die Mauer geben. Das gesamte Programm kann man auch auf dem Theaterplatz nachlesen. Und dort kann man auch mit der Künstlerin und mit dem Ensemble des Deutschen Nationaltheaters ins Gespräch kommen.

Etwas Gutes aus der Geschichte machen

Denn eins ist für Generalintendant Weber an diesem Projekt besonders wichtig: "Die Mauer an der innerdeutschen Grenze stand symbolisch weltweit für eine kategorische Trennung auf allen Ebenen. In unserem Kunstprojekt wandelt eine Mauer innerhalb von zehn Tagen ihren Charakter und wird zum Zeichen von Gemeinsamkeit: Menschen aus den verschiedensten Bereichen der Stadtgesellschaft werden gemeinsam etwas Gutes aus der Geschichte machen. Ganz konkret. Im Hier und Jetzt. Mit einem positiven Ziel“. Und sowohl die Stadt Weimar als auch die Klassikstiftung haben bereits zugesichert, dass die Mauer-Elemente nach Ende des Projekts eine Zeitlang im öffentlichen Raum ausgestellt werden können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 28. Oktober 2019 | 16:10 Uhr

5 Kommentare

weimarerer vor 36 Wochen

Ich frage mich, was an dieser kostspieligen Aktion so toll ist. Einfach nur Müll, mehr fällt mir dazu nicht ein.
Hat sich die Dame schon mal mit dem Gedanken beschäftigt, warum es eigentlich eine Mauer gab?

Fakt vor 36 Wochen

Wenn man sein Leben selbst in die Hand nimmt, sich auch engagiert und nicht darauf wartet, dass der Staat einem alles mundgerecht serviert und einem alle Entscheidungen abnimmt, heißt das nicht, dass man Scheuklappen trägt - eher das Gegenteil ist der Fall. Sie scheinen noch etwas Zeit zu brauchen, um in der Realität anzukommen.

Frido_Freimann vor 36 Wochen

Was noch besser wäre:
Wenn manche ach so guten und zufriedenen Menschen aus dem goldenen Westen, die ihnen jahrzehnte lang übergestülpten Scheuklappen endlich mal abwerfen würden.

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