Der Adel in Thüringen Kein Ruhestand für Oberhaupt von Sachsen-Weimar-Eisenach

Er hat als Oberhaupt des einstigen Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach Verantwortung, die er eigenen Aussagen zufolge nicht einfach "wie Licht ausknipsen" kann. Auch deshalb ist Prinz Michael-Benedikt meist rund um die Uhr für den Freistaat Thüringen erreichbar.

von Juliane Maier-Lorenz

Seine Ururgroßtante war einst die Gemahlin von Wilhelm I., dem ersten deutschen Kaiser. Sein Großvater, Wilhelm Ernst (1876-1923), war der letzte regierende Großherzog. Er selbst ist seit 1988 Chef des Hauses Sachsen-Weimar und Eisenach: Michael-Benedikt Prinz von Sachsen-Weimar-Eisenach. Mit knapp 72 Jahren ist er immer noch ein vielbeschäftigter Mann, Ruhestand ist eher ein Fremdwort für ihn. Mit Thüringen, dem Land seiner Vorfahren, ist er noch heute sehr verbunden, auch wenn er nicht mehr hier lebt. 34 Generationen seiner Familie lebten in Weimar und sind hier begraben, auch er wird eines Tages hier ruhen.

Die Novemberrevolution 1918 besiegelte das Ende der deutschen Monarchie. Doch Adel und adelige Herkunft lassen sich auch 100 Jahre danach nicht einfach so ablegen. "Adel heißt, vor allem jede Menge Verpflichtungen, aber keine Ansprüche zu haben", weiß Oberhaupt Prinz Michael, der die DDR das erste Mal 1972 mit einem englischen Pass besuchte und sich tief beeindruckt von den Orten des einstigen Herzogtums zeigte: "Weimar hatte schon immer seine eigene Magie, Weimar infiziert einen." Mit dem Freistaat verbindet ihn viel, er verbringt 50 Prozent seiner Zeit hier. Er ist Mitglied im Stiftungsrat der Klassik Stiftung Weimar und der Wartburgstiftung, besitzt Wald und Haus in Thüringen. Seine Tochter, Prinzessin Leonie, hat er 1987 in Weimar taufen lassen. Die restliche Zeit verbringt er in seinem Haus in Mannheim und auf Reisen. Auch dort ist er für Thüringen erreichbar und der Freistaat in Mannheim präsent. Bilder seiner Vorfahren und der Wartburg zieren die Wände seines Hauses dort.

Rund um die Uhr für Thüringen erreichbar

"Man hat als Oberhaupt des Hauses eine Verantwortung, die kann man nicht anknipsen wie Licht. Ich bin fast immer rund um die Uhr erreichbar für die Klassik- und Wartburgstiftung", sagt Michael Prinz. Wird er heute, eigenen Aussagen zufolge, mit offenen Armen im Freistaat empfangen, war das nicht immer so. Besonders unter der Regierung Bernhard Vogels kam es zu Diskussionen, wie man mit den nach dem Krieg enteigneten Kunst- und Kulturgütern aus dem Haus verfährt. Es ging um Millionenwerte. Was wird zurückgegeben und was wird Privatbesitz? Was wird entschädigt und was bleibt öffentlich? Welche Mitspracherechte gibt es beim einstigen Weimarer Besitz?

Das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach 31 Städte und 594 Gemeinden zählten einst zum Großherzogtum, das aus den drei historischen Hauptteilen Weimarer, Eisenacher und Neustädter Kreis bestand. Hauptstadt war Weimar. Zuletzt wurde es regiert von Großherzog Wilhem Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach. Dieser dankte am Abend des 9. November als erster thüringischer Landesherr ab.

Im Juni dieses Jahres wurde das ehemalige Fürstenhaus von einem harten Schicksalsschlag heimgesucht: Georg-Constantin Prinz von Sachsen-Weimar-Eisenach kam Mitte Juni bei einem Reitunfall nahe London ums Leben. Der Unternehmer lebte in England, sollte Nachfolger von Michael Prinz werden. "Georg-Constantin hatte sich erst 2018 endgültig für Weimar entschieden, wollte ein Haus kaufen und sich noch mehr hier einbringen", weiß der 71-Jährige. Seine Tochter Prinzessin Leonie ist jetzt kommisarische Nachfolgerin. Die 31-Jährige lebt in Berlin und arbeitet dort als Journalistin. Bereits vor dem Tod von Georg-Constantin stand fest, dass sie die Nachfolge in beiden Stiftungen antreten wird. "Sie arbeitet sich langsam ein, knüpft Kontakte".

Wird aber kein männlicher Nachfolger geboren oder heiratet Leonie nicht einen Adeligen, so ist das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach Geschichte. Die letzten Wettiner wären dann die Coburger. "Aber, wir haben keine Monarchie mehr. Das sind alles nur noch gesellschaftliche Fragen und keine, die die Welt bewegen. Es sind Erinnerungen an die Vergangenheit und wer für die Verantwortung der Geschichte steht", gibt sich das Oberhaupt gelassen.

Eine Karte zeigt die Verteilung der Herzog- und Fürstentümer in Thüringen von 1826 bis 1918.
Die Karte zeigt die Herzog- und Fürstentümer im Jahr 1918 im Gebiet des zukünftigen Freistaates Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Abdankung des Adels in Thüringen 1918 Unmittelbar nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde am 9. November 1918 in Deutschland die Republik ausgerufen. Das Ende der Monarchie war besiegelt. Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. dankte am 30. November ab. Thüringen war territorial zersplittert, hier drängten sich acht Monarchien auf kleinsten Raum: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg sowie die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt sowie Schwarzburg-Sondershausen, das Fürstentum Reuß ältere (Greiz) und jüngere Linie (Gera).

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Kulturnacht | 18. November 2018 | 22:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 13:50 Uhr

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9 Kommentare

22.11.2018 05:57 part 9

Rückkaufsrechte des Adels zu einen Drittel des Bodenwertes, da fällt mir die Meldung aus der TA vom
22.11.2018 auf die Füsse: >>Die Entwicklung ist besorgniserregend: Finanzinvestoren greifen nach Ackerland in Thüringen<<

20.11.2018 12:33 Rumsdibums 8

Das Wort Adel impliziert das jemand durch Abstammung zu etwas besserem wird.
Wie passt das in die Politische Korrektheit?
Bzw. in welches System würde so etwas überhaupt passen?

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