Gedenkgottesdienst für den ermordeten Pfarrer Paul Schneider in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald
Die Gedenkveranstaltung fand vor dem sogenannten Bunker, in dem Schneider jahrelang eingesperrt war, statt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

KZ-Gedenkstätte Buchenwald 200 Menschen erinnern an "Prediger von Buchenwald" Paul Schneider

Pfarrer Paul Schneider, der "Prediger von Buchenwald“, starb am 18. Juli 1939 in dem KZ bei Weimar nach monatelangen furchtbaren Misshandlungen durch die SS. Am Donnerstag gab es aus Anlass seines 80. Todestages einen Ökumenischen Gedenkgottesdienst auf dem Appellplatz in der Gedenkstätte Buchenwald, an dem etwa 200 Menschen teilnahmen. Pröpstin Friederike Spengler forderte dazu auf, sich den Mut von Schneider zum Vorbild zu nehmen, "wenn Mitmenschlichkeit und Menschenwürde in Gefahr sind."

Gedenkgottesdienst für den ermordeten Pfarrer Paul Schneider in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald
Die Gedenkveranstaltung fand vor dem sogenannten Bunker, in dem Schneider jahrelang eingesperrt war, statt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Der am 29. August 1897 geborene Paul Schneider hatte nach seinem freiwilligen Einsatz im Ersten Weltkrieg Anfang der zwanziger Jahre Theologie studiert und war seit 1926 Pfarrer im Hunsrück.

Konfrontationskurs zu den Nazis

Der evangelische Pfarrer Paul Schneider in einer zeitgenössischen Aufnahme.
Der evangelische Pfarrer Paul Schneider. Bildrechte: dpa

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme schloss er sich mit seiner Gemeinde der Bekennenden Kirche an. Diese setzte sich gegen die seit 1933 betriebene Gleichschaltung der Deutschen Evangelischen Kirche zur Wehr und wandte sich insbesondere gegen die "Deutschen Christen", eine vor allem in Thüringen starke, rassistisch und antisemitisch orientierte Strömung im deutschen Protestantismus. Anfang 1937 schloss Schneider deren Mitglieder vom Sakramentenempfang in seiner Gemeinde aus. Im Juli 1937 wurde er deshalb aus dem Rheinland ausgewiesen und erhielt Redeverbot.

Ohne Urteil ins Konzentrationslager

Als er diese Ausweisung nicht akzeptierte, wurde der sechsfache Familienvater in "Schutzhaft" genommen und in das KZ Buchenwald eingeliefert. Verurteilt wurde er nie. Auch im KZ blieb er seinen Überzeugungen treu: Er weigerte sich, die Hakenkreuzfahne zu grüßen. Daraufhin kam Paul Schneider in das Lagergefängnis, den sogenannten Bunker.

Der "Prediger von Buchenwald"

Bis zu seinem Tod trotzte er schwerster Folter durch die SS. Noch vom Zellenfester aus ermutigte er seine Mitgefangenen auf dem Appellplatz des Lagers. Dafür bekam er später den Ehrennamen "Prediger von Buchenwald". Der Lagerarzt griff im Juli 1939 zur Giftspritze und tötete ihn mit einer Überdosis Strophanthin.

In einer Zelle des Arrestzellenbaus des ehemaligen KZ Buchenwald brennen Kerzen zum Gedenken an den hier eingesperrten und später ermordeten Pfarrer Paul Schneider.
In dieser Zelle war Schneider eingesperrt, von hier aus ermutigte er seine Mitgefangenen durch Predigten und Bibelsprüche. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Juli 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2019, 22:15 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

19.07.2019 10:55 Grosser, Klaus 2

Auf dem Gebiet der heutigen Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gab es viele "Deutsche Christen", die nach dem 8. Mai 1945 nicht plötzlich anders dachten und handelten. Die EKM hat noch nicht ihre eigene Geschichte aufgearbeitet.

Der Märtyrertod von Paul Schneider soll für uns nicht nur Mahnung, sondern vor allem Verpflichtung sein.
Die Frage ist doch, wie gehen wir heute mit dem in der Mitte der Gesellschaft angekommenen Rassismus, Antisemitismus und der Religionsfeindlichkeit um?
Gehen wir gegen den wiederaufkommenden Faschismus in unserer Gesellschaft vor?

19.07.2019 02:18 nur noch Schweigen 1

Gibt es wenigstens eine Straße oder Schule in Weimar und umliegenden Orten, die nach diesem aufrechten Mann benannt wurde? Wenn nicht, sollte dies schnellstens nachgeholt werden. Gläubige und Nicht-Gläubige sind diesem "Rufer in dunkler Zeit" verpflichtet.

[MDR THÜRINGEN: Die Straße in Weimar gibt es schon. ]

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen