Vertreter der Polizei Jena und der Staastanwaltschaft Gera sprechen bei einer Pressekonferenz der Polizei Jena zu Medienvertretern.
Vertreter der Polizei Jena und der Staastanwaltschaft Gera bei der Pressekonferenz. Bildrechte: dpa

Teufelstalbrücke Mordfall "Stephanie": 65-jähriger Tatverdächtiger ist vorbestraft

Er hat schon in den 1990er-Jahren Kinder sexuell missbraucht und ist vorbestraft. Seine DNA war gespeichert. Mit Hilfe neuer Computersoftware zur Spuren- und Datenanalyse und verfeinerter DNA-Untersuchungsmethoden konnte der heute 65-Jährige schließlich der Tat überführt werden.

Vertreter der Polizei Jena und der Staastanwaltschaft Gera sprechen bei einer Pressekonferenz der Polizei Jena zu Medienvertretern.
Vertreter der Polizei Jena und der Staastanwaltschaft Gera bei der Pressekonferenz. Bildrechte: dpa

Nach der Aufklärung eines Kindsmordes bei Jena haben Polizei und Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz Details zum Ermittlungserfolg bekanntgegeben. Demnach konnte der dringend tatverdächtige 65-jährige Lkw-Fahrer Hans-Joachim G. aufgrund von DNA-Spuren knapp 27 Jahre nach der Tat überführt werden. Er war am vergangenen Sonntagmorgen von einem Spezialeinsatzkommando in seiner Wohnung in Berlin festgenommen und der Thüringer Sonderkommission "Altfälle" übergeben worden. Der Mann legte ein Teilgeständnis ab - gegen ihn erging Haftbefehl.

Bei seiner Festnahme hatte sich der allein lebende Mann gewehrt. Beamte des Spezialeinsatzkommandos hatten die Holztür zur Wohnung um 8:04 Uhr aufgesägt. Daraufhin waren sie von dem mutmaßlichen Täter mit einer Eisenstange empfangen worden. Wie Andreas Gerstberger, Leiter der Soko "Altfälle", in der Pressekonferenz sagte, gab es ein kurzes Handgemenge, bei dem der 65-Jährige auch verletzt wurde. Noch in seiner Wohnung legte der Beschuldigte ein Teilgeständnis ab, er sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft in der JVA Goldlauter. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Mord zur Verdeckung einer Straftat.

Mann war bereits vorbestraft

Justizvollzugsanstalt in Goldlauter
In der Justizvollzugsanstalt in Goldlauter sitzt Hans-Joachim G. derzeit. Bildrechte: dpa

Der Mann wurde in Weimar geboren und war erst kurz vor der Wende nach Berlin gezogen. Er hat sich bereits in der DDR wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht verantworten müssen. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN war Hans-Joachim G. 1987 von einem Berliner Gericht zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden. So soll er in mehreren Fällen Schutzbefohlene missbraucht haben. Die Taten hatten sich im August 1986 abgespielt. Im Mai 1994 missbrauchte er erneut mehrere Kinder in mindestens drei Fällen. Diese Taten spielten sich im Thüringen ab. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN soll G. dabei auch mindestens zwei Kinder entführt haben. Dafür wurde er 1996 vom Landgericht Gera zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Danach kam er in ein psychatrisches Krankenhaus. Aus diesem soll er 2013 entlassen worden sein.

Keine Einzelheiten im Fall "Stephanie"

Die Vorführung des Verdächtigen beim Haftrichter im Justizzentrum in Gera. Der Verdächtige hat eine Decke über dem Kopf.
Hans-Joachim G. wurde Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Einzelheiten zum Tathergang im Fall "Stephanie" wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen auf der Pressekonferenz auf Dienstagmittag nicht nennen. Die Thüringer Soko "Altfälle" hatte in ihrer Arbeit die drei bisher ungelösten Kindstötungen "Stephanie", "Bernd" und "Ramona" miteinander verglichen, nutzte dafür auch ein neues Fallbearbeitungssystem. Spuren im Fall "Bernd" hatten die Beamten schließlich zu Hans-Joachim G. geführt und ihn als dringend Tatverdächtigen im Fall "Stephanie" ermittelt. Für die bisher ungeklärte Kindstötung von "Bernd" hat Hans-Joachim G. ein Alibi. Auch seine DNA war bereits gespeichert, konnte aber Anfang der 1990er-Jahre nicht in dem Maße ausgewertet werden wie heute.

Bereits seit Ende 2017 hatte die Soko den Mann im Visier. Kurz vor seiner Festnahme wurde er anderthalb Wochen rund um die Uhr von der Polizei observiert. "So konnten wir Arbeitsabläufe und Verhaltensweisen beobachten", sagte Andreas Gerstberger, Leiter der Soko "Altfälle". Viele kleine Puzzleteile und händisch eingegebene Daten hätten letztendlich zu dem großen Ermittlungserfolg geführt. "Stephanie wäre heute eine junge Frau in der Mitte ihres Lebens gewesen. Wir wissen jetzt seit einigen Tagen, wie ihr Schicksal stattgefunden hat", sagte Polizeidirektor Thomas Quittenbaum, Leiter der Polizeiinspektion Jena, sichtlich bewegt auf der Pressekonferenz.

Noch immer zwei Fälle ungeklärt

Die Teufelstalbrücke
Die Teufelstalbrücke: Hier wurde 1991 die Leiche von Stephanie gefunden. Bildrechte: dpa

Die damals zehnjährige Stephanie aus Weimar war 1991 tot unter der Teufelstalbrücke der Autobahn 4, knapp 20 Kilometer östlich von Jena, entdeckt worden. Der Tatverdächtige soll die Schülerin sexuelll missbraucht und die Brücke hinunter geworfen haben.

Der Fall ist der Polizei zufolge der älteste von drei ungeklärten Kindermorden in Jena und Weimar, die von der Soko "Altfälle" neu aufgerollt wurden. Diese wurde gegründet, nachdem am Fundort des getöteten Mädchens Peggy aus Franken eine DNA-Spur des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt aus Jena entdeckt worden war. Später stellte sich zwar heraus, dass es sich dabei um eine Verunreinigung bei der Spurensicherung handelte. Die Soko setzte ihre Arbeit wegen der ungeklärten Kindermorde in Thüringen aber unabhängig davon fort. Auch im Fall "Bernd" und im Fall "Ramona" ermitteln die Beamten weiter mit Hochdruck.

Die Polizei Jena hat drei Flecken auf der Weste. Seit wenigen Tagen ist einer getilgt. Wir sind wahnsinnig stolz auf das Ergebnis unserer Soko 'Altfälle'.

Polizeidirektor Thomas Quittenbaum, Leiter der Polizeiinspektion Jena

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2018, 15:11 Uhr

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29 Kommentare

08.03.2018 10:42 Martin H. 29

@Mediator
Trotzdem gehört Ihr Beitrag hier nicht her...

08.03.2018 08:39 Martin H. 28

@Mediator
Zustimmung!!!

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