Süßenborn Fliegenproblem: Anwohner sehen Ursache in Kompostanlage

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
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Eine Kompostieranlage in Süßenborn bei Weimar sorgt bei Anwohnern für Unmut. Zahllose Fliegen belagern die nähere Umgebung, die aktuellen Temperaturen und der milde Winter haben das Problem verstärkt. Der Ortsteilbürgermeister fordert mit einer Unterschriftenaktion die Stadt zum Handeln auf. Mit Gift wurden gegen die Fliegen nur mäßige Ergebnisse erzielt.

Überdachtes Gelände
Die Kompostieranlage in Süßenborn bei Weimar wird für die Anwohner zum Problem. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Im Weimarer Ortsteil Süßenborn haben die Einwohner die Nase voll. Seit Jahren schimpfen sie über eine Fliegenplage im Ort. Die Ursache sehen sie ganz klar in einer Kompostanlage, etwa 600 Meter Luftlinie entfernt. Die Stadtwirtschaft Weimar sammelt dort Biomüll und verwertet ihn zu Erde.

Ein Picknick im Grünen, gemütlich Grillen im Garten - für Süßenborner ist das gerade alles andere als ein Vergnügen. "Sofort werden wir von hässlichen schwarzen Stallfliegen belagert", berichten sie. "Lästig, eklig, kaum auszuhalten", heißt es. Tatsächlich sind es vielen Fliegen, die im Ort umherschwirren.

Weimar: Milder Winter und hohe Temperaturen begünstigen die Plage

In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Das verhehlen auch die Mitarbeiter der Stadtwirtschaft nicht. 2020 sei ein sehr ungünstiges Jahr. "Es gibt ungewöhnlich viel Ostwind, wenig Niederschläge im Frühjahr, ein milder Winter und dazu die hohen Temperaturen. Das alles spielt den Tieren in die Karten. Sie können sich gut vermehren und finden leicht den Weg nach Süßenborn", sagt Bereichsleiter Jürgen Schraps-Kotzian. Das Fliegenproblem - es taucht immer wieder mal auf. "Es gibt solche und solche Jahre", sagt auch Heiko Töpfer, der in der Anlage beschäftigt ist.

Compost
Ein Komposthaufen in der Anlage im Weimarer Stadtteil Süßenborn. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Ortsteilbürgermeister: Fliegen gewöhnt - aber nicht in diesem Ausmaß

Seit Jahren beschweren sich Bürger bei ihm, bestätigt der Süßenborner Ortsteilbürgermeister Dirk Christiani. Auch deshalb haben er und ein paar Mitstreiter eine Unterschriftenaktion initiiert. Sie wollen, dass sich die Stadt einschaltet und endlich etwas gegen das Fliegenproblem unternimmt. "Wir leben zwar auf dem Land und sind Fliegen gewöhnt, aber in diesem Ausmaß ganz sicher nicht", so Christiani.

Süßenborn: Gift gegen die Fliegenplage löst das Problem nicht

Die Stadtwirtschaft ist bemüht. Vor einigen Jahren schon hat Heiko Töpfer die Chemiekeule herausgeholt. Er hat schwarze Mülltonnen aufgestellt und sie mit einem Gift besprüht. Der Stoff lockt Fliegen an, die wiederum essen davon und fallen tot zu Boden. Wirksam, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so die Bilanz. Tausende Fliegen sterben am Gift, ebenso viele schwirren aber auch in der Luft.

Insekten
Süßenborn: Gegen die Fliegen wird Gift eingesetzt - gemessem am Gesamtproblem mit mäßigem Erfolg. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Schwalben: Vögel als natürlicher Feind der Fliegen im Gespäch

Frank Harz, Geschäftsführer der Stadtwirtschaft, will nun einen Schritt weiter gehen. Auch er will die Süßenborner entlasten. "Die Flächen, auf denen der giftige Lockstoff verteilt wird, müssen vergrößert werden." Und Harz hat eine weitere Idee: "Warum nicht auf natürlich Feinde setzen? Vielleicht bringen Schwalben die Lösung", meint Harz. Für sie sind Fliegen eine Delikatesse. Harz regt Gespräche mit dem Naturschutzbund Nabu an. Problem hierbei könnten allerdings die Krähen werden, die den Schwalben gefährlich sein können. Sie sind ebenfalls auf der Deponie zu Hause. Auch auf sie kann man nicht verzichten. Sonst beklagt Süßenborn bald eine Mäuse- oder Rattenplage.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 03. Juli 2020 | 18:05 Uhr

1 Kommentar

part vor 4 Wochen

Eine tolle Idee mit den Schwalben deren Anzahl sich seit den 70 - er Jahren bis heute von 1000 bis auf Null in machen Regionen dezimiert hat, weil Nistbedigungen zerstört wurden, Feuchtflächen fehlen oder eben die Population von Mücken als Hauptnahrung abgenommen hat, neben der Jagt auf diese Zugvögel auf dem afrikanischen Kontinent oder ungünstigen Überwinterungsmöglichkeiten dort. Solche Vorschläge lösen nicht das Problem der Anwohner, die ihrerseits gewisse Rechtsansprüche haben. Wer angehalten ist schnell billige Blumenerde zu produzieren, der sollte auch auf entsprechende technische Möglichkeiten zurück greifen und nicht warten bis sich Jäger und Gejagte natürlich angeglichen haben. Terra Preta...

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