LGBTIQ-Community Christopher Street Day: Bunte Demo in Weimar gegen Diskriminierung und für Sichtbarkeit

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Weimar hat am Samstag den Christopher Street Day Thüringen gefeiert. Weil im Frühjahr die eigentlich geplanten Demos in allen vier Städten wegen Corona ausfallen mussten, haben sich die vier bestehenden Thüringer CSD-Gruppen aus Erfurt, Weimar, Jena und Gera zusammengetan und feierten erstmals gemeinsam in einer Stadt. Und zwar unter dem Motto "Akzeptanz. Respekt. Vielfalt - Unser buntes Thüringen".

Zwei Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day in Weimar halten ein Transparent.
Vom Bahnhof zog die bunte Demo durch die Innenstadt von Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Nur wegen seiner Instrumente hatte der Geraer Fanfarenzug etwas Sorge. Sonst hat der Regen niemanden gestört: Mehr als 1.000 Menschen sind am Samstag mit etwas Verspätung vom Bahnhof durch die Stadt gezogen. Und laut CSD-Sprecherin Theresa Ertel ist das wichtig, weil die Community überall in Thüringen die gleichen Probleme hat: "Es gibt immer noch Diskriminierungen und Anfeindungen. So schön es ist, wenn der Landtag in Regenbogenfarben erstrahlt, das reicht einfach nicht. Wir brauchen von der Politik immer Unterstützung, nicht nur an einem Tag."

Queere Community will sichtbarer werden

Die queere Community will sichtbarer werden. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und queere Menschen jeden Alters waren in Weimar dabei. Sie kamen mit Regenbogenflaggen, bunten Kostümen oder Alltagskleidung. Es ging ihnen darum, gemeinsam zu feiern. Aber das war nicht alles: Zu den Forderungen der Demo-Teilnehmer in Weimar gehörte etwa, dass Thüringen Zentren für Menschen etabliert, die sich als LGBTIQ identifizieren. Die englische Abkürzung LGBTIQ meint Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Inter, Queer. Zudem wollen die Akteure die gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung aller Familienformen erreichen. So benachteilige das Adoptionsrecht etwa gleichgeschlechtliche Paare, sagte Ertel.

Queere Community in Thüringen feiert Christopher Street Day

Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar
Für ein buntes und offenes Thüringen: Teilnehmer der CSD-Demo versammeln sich vor dem Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar
Für ein buntes und offenes Thüringen: Teilnehmer der CSD-Demo versammeln sich vor dem Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar
Organisiert wurde die Veranstaltung von vier CSD-Gruppen aus Thüringen. Viele junge Leute waren dabei. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Drei junge Frauen mit Mund-Nasen-Schutz und umgehängten Regenbogenfahnen beim CSD in Weimar.
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Fanfarenzug Gera e.V. hat auf dem Bahnhofsvorplatz in Weimar Aufstellung genommen.
Sorgte für die Musik: Fanfarenzug aus Gera Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Zwei Teilnehmer einer Kundgebung zum Christopher Street Day in Weimar halten ein Transparent.
Gleich geht's los - unter dem Motto "Akezptanz, Respekt, Vielfalt". Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Demonstrationszug zum Christopher Street Day in Weimar
Vom Hauptbahnhof zog die bunte Demo durch die Innenstadt zum Markt und weiter. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Demonstration zum Christopher Street Day in Weimar
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Demonstration zum Christopher Street Day in Weimar
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Teilnehmer einer Demonstration zum Christopher Street Day haben sich auf dem Marktplatz in Weimar versammelt.
Auf dem Markt Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 17. Oktober 2020 | 18:00 Uhr

Fröhliche Demo und interessierte Zuschauer

Die bunte Demo mit mehreren Wagen und Musik zog fast durch die ganze Stadt. Vom Bahnhof ging es zum Goetheplatz, dann zum Markt und schließlich durch die Fußgängerzone. Immer wieder gab es kleine Zwischenstopps mit Musik und Ansprachen. Die Weimarer und die Touristen nahmen diese etwas andere Demo sehr interessiert auf. "Da kamen auch immer wieder Fragen, das freut mich sehr, denn das zeigt ja, dass die Menschen aufgeschlossen sind." erzählt Theresa Ertel.

Von schrillen Drag-Queens über Punks bis hin zu Jugendlichen in Alltagskleidung reichte das Spektrum der Beteiligten. Überhaupt, so erzählt Theresa Ertel, ist die queere Community ziemlich jung. Umso wichtiger wäre Aufklärung, so Ertel, damit die Jugendlichen sich nicht verstecken müssen. "In jedem Mathebuch gehen in der Textaufgabe Herr und Frau Müller einkaufen. Warum können nicht auch da mal gleichgeschlechtliche Paare auftauchen?"

CSD-Sprecherin Theresa Ertel am Christopher Street Day in Weimar
CSD-Sprecherin Theresa Ertel Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Fröhlich war die Demo, es gab Musik und keine Zwischenfälle. An die Corona-Regeln haben sich auch alle gehalten, während der gesamten Demo bestand eine Masken-Pflicht.

Erinnerung an Schikanen in New York vor fünf Jahrzehnten

Die jährlichen CSD-Paraden sollen an Ereignisse in New York 1969 erinnern. In der Christopher Street in Manhattan wehrten sich damals Besucher der Schwulenbar "Stonewall Inn" gegen willkürliche Kontrollen und Schikanen.

CSD 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 17.10.2020 19:00Uhr 01:57 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 17. Oktober 2020 | 18:00 Uhr

25 Kommentare

Harka2 vor 5 Wochen

es wäre mir völlig neu, dass die Kirche in der DDR Menschen mit anderer sexueller Orientierung überall mit offenen Armen empfangen hätte. Da kenne ich reichlich Gegenbeispiele und habe Pfarrer erlebt, die noch zutiefst im Mittelalter anzusiedeln sind. Bei der Konfirmation einer Nicht drohte der Pfarrer allen Ernstes mit dem Höllenfeuer all jenen, die in seiner Kirche Fotos machen würden. Nun mache ich mir wegen der Hölle eh keine Sorgen, da für mich als Pastafari eh jemand anderes zuständig ist.
Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass er bei sexuellen Orientierungen wesentlich aufgeklärter gewesen sein sollte.

Erfurter192 vor 5 Wochen

@Der Matthias: Natürlich hätten die Teilnehmer der Berliner Anti-Hygiene-Demos auch einen Schutz tragen müssen. Da stimme ich Ihnen völlig zu. Allerdings hat man sich doch gerade dort über die Ignoranz aufgeregt, während man es -vor allem in der öffentlichen Berichterstattung- bei dem CSD-Zug eben nicht tut. Das kritisiere ich. Und nichts anderes habe ich geschrieben. Und tun Sie doch bitte zwischen den Zeilen nicht so, als ob ich mit den Anti-Hygiene-Leuten sympathisiere. Das tue ich ausdrücklich nicht.

Der Matthias vor 5 Wochen

@ Erfurter192

"Das sollte mal eine andere Demo der "Bösen" gewesen sein, da hätte man sich das Maul über Maskenverweigerer zerrissen. Also: immer schön bei der Wahrheit bleiben und gleiche Maßstäbe an alle anlegen."

Wenn man das mit den "gleichen Maßstäben" für sich aufrichtig meinen würde bzw. konsequent angewandt hätte, dann hätten allerdings die Teilnehmer der Berliner Anti-Hygiene-Demos vor Wochen auch MNS tragen müssen. Ach, nee, ich vergaß . . . genau dagegen richteten sich diese Demos ja u.a.! Insofern ist der Hinweis auf die "gleichen Maßstäbe" in diesem Fall fadenscheinig und unaufrichtig, weil frühere Demos eh nie die Absicht hatten, sich an eben diese Maßstäbe zu halten und diese sogar ganz bewusst (!) ignorierten. Aber von den Teilnehmer des CSD wird das jetzt wie selbstverständlich erwartet!? Soviel dann mal zum Thema Wahrheit und Ehrlichkeit!

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