Drei Männer stehen in Rennanzügen vor einem Tourenwagen und halten einen großen Teddybären in der Hand.
Und ist auch noch so wenig Platz im Auto, der Teddybär muss mit. Jens Schlöffel, Jens Schindler und Kai Müller aus Weimar vor ihrem umgebauten Opel Frontera. Bildrechte: MDR/ Privat

"Baltic Sea Circle" Weimarer bei Abenteuer-Rallye rund um die Ostsee

Sie haben ein Ziel, 16 Tage Zeit, 7.500 Kilometer vor sich und dürfen weder Navi noch GPS benutzen. Jens Schlöffel, Jens Schindler und Kai Müller aus Weimar nehmen an der Abenteuer-Rallye "Baltic Sea Circle" teil. Das Auto ist klein, der Kofferraum voll, aber Riesen-Teddy "Wünschi" muss dennoch mit an Bord.

von Conny Mauroner

Drei Männer stehen in Rennanzügen vor einem Tourenwagen und halten einen großen Teddybären in der Hand.
Und ist auch noch so wenig Platz im Auto, der Teddybär muss mit. Jens Schlöffel, Jens Schindler und Kai Müller aus Weimar vor ihrem umgebauten Opel Frontera. Bildrechte: MDR/ Privat

7.500 Kilometer, zehn Länder und das in 16 Tagen. Die Rallye "Baltic Sea Circle" hat es in sich. Es ist eine Abenteuertour für den guten Zweck. Sie führt von Hamburg rund um die Ostsee über Dänemark, Schweden, zum Nordkap, Russland, Litauen und zurück. Mit dabei sind in diesem Sommer auch drei Thüringer Teams. Die "Couchdealer" aus Erfurt, ein Team aus Südthüringen und drei Männer aus Weimar und Apolda. Die Drei nennen sich "Irgendwas ist immer". Denn das, so sagt Initiator Jens Schlöffel, war stets der Fall. "Irgendwas war immer" - die Vorbereitungen liefen nicht immer glatt, aber am Ende passte alles.

Die Tour-Idee hatte Jens Schlöffel schon länger. Im September weihte er seine Kumpels ein. Jens Schindler und Kai Müller waren von Anfang an begeistert. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" Zwei Wochen Urlaub und ein Budget von 3.000 Euro pro Kopf waren die Voraussetzung. Und natürlich brauchte es ein Auto. Allerdings stellten die Rallye-Veranstalter eindeutige Bedingungen.

Kein Navi und möglichst alt

Das Auto musste älter als 20 Jahre alt sein. Es durfte nicht viel gekostet haben und keinesfalls hochmodern ausgestattet sein: Auf der Tour sind Navi, GPS und andere Hilfsmittel verboten. Lediglich Landkarten zeigen den Weg. So fiel die Wahl der Weimarer auf einen alten Opel Frontera. Mit Baujahr 1992, 1.500 Euro Anschaffungspreis, 125 PS und 2,4 Liter Hubraum erfüllte er die Kriterien für eine Rallye-Teilnahme.

Mehr als 100 Stunden Arbeit steckten die drei Männer ins Auto. Kai und Jens bauten einen Dachgepäckträger, verstärkten den Unterboden und richteten sich innen ein. Der "andere Jens" ist der Schrauber der Truppe. Er nahm den Opel komplett auseinander und wechselte Teile aus. Sollte das Auto unterwegs einmal liegen bleiben, wird er sich die Hände schmutzig machen. Viele Ersatzteile hat Jens nicht dabei. "Es wäre eh das falsche, was ich mitnehmen würde. Ein paar Schläuche, ein paar Kabel und Schellen – das reicht", sagt er. Außerdem ist nicht viel Platz im Auto. Drei erwachsene Männer, drei große Taschen mit Klamotten für Temperaturen zwischen 3 und 30 Grad, sowie Kanister und Wasservorräte - Kofferraum samt Dachbox sind voll. Außerdem müssen drei Zelte mit. "Wir verbringen den ganzen Tag im engen Auto, da brauchen wir wenigstens in der Nacht unsere Privatsphäre", schätzt Mitfahrer Kai ein. "Noch sind wir enge Freunde, mal sehen, ob wir es bleiben", fügt Jens grinsend hinzu.

Punkte nicht fürs Schnellfahren

Der Tourenplan der Baltic Sea Circle.
Der Tourenplan der "Baltic Sea Circle". Bildrechte: MDR/ Privat

Gespannt sind die drei auf das sogenannte Road Book. Auf der Tour kommt es nicht auf Schnelligkeit an. Sieger wird das Team mit den meisten Punkten. Und die erhält, wer möglichst Aufgaben aus dem Road Book erfüllt. Das können die verrücktesten Dinge sein. "In den vergangenen Jahren mussten die Fahrer beispielsweise ein Foto mit einer Ziege auf dem Fahrersitz machen, oder aber in einer ausgewählten russischen Kneipe ein Passwort sagen."

Die Teilnehmer sind gespannt, was sich die Veranstalter diesmal ausgedacht haben. Punkte gibt es auch für die mediale Präsenz. Die Teams sollen und dürfen für sich werben. Die meisten von ihnen haben Instagram oder Facebook-Accounts. "Irgendwas ist immer" hat sogar einen Youtube-Kanal. Dafür zuständig ist Mitfahrer Kai. Er ist der IT-Experte an Bord und kümmert sich auch um die Drohne, die mitgenommen wird.

Rasen für den guten Zweck

Die Rallye verfolgt auch einen Charity Zweck. Nur wer im Vorfeld mindestens 750 Euro für eine gemeinnützige Organisation gesammelt hat, darf teilnehmen. Über diese Summe ist das Weimarer Team dank zahlreicher Sponsoren längst hinaus. Rund 2.100 Euro sind bereits auf dem Konto und "es dürfen gern mehr sein", sagt Jens Schlöffel. Das Geld wird gespendet. Spenden für den Wünschewagen "Wir sind schnell auf den Wünschewagen Thüringen gekommen – eine tolle Idee, ein tolles Projekt", schwärmt Schöffel. Der Wagen erfüllt sterbenskranken Menschen letzte Herzenswünsche. Auch das Kinderhaus Weimar profitiert. Sozial benachteiligte Kinder werden dort betreut.

An Bord des Opel Frontera sitzt außerdem ein vierter Passagier. Der 1,20 Meter große Teddybär "Wünschi" muss mit. "Auch wenn er viel Platz einnimmt", sagt Jens Schlöffel. Wünschi wird an jedem Ort fotografiert und am Ende der Reise versteigert. Auch dieses Geld kommt den gemeinnützigen Organisationen zu Gute. Das Auto ist gepackt. Es kann los gehen. Am 15. Juni um 12 Uhr ist Start. "Irgendwas ist immer" hat Startnummer 175.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 14. Juni 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 14:51 Uhr

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