Kein Zugang zu Drahtlosnetz Digitaler Schildbürgerstreich: Stadt Weimar rückt Code für WLAN-Hotspot nicht heraus

WLAN-Hotspots sind öffentliche Zugangspunkte für Drahtlos-Netzwerke - registrierungsfrei und ohne Passwort. Die Stadt Weimar betreibt auch einen WLAN-"Hotspot" - aber mit Zugangscode, und den verrät sie nicht.

Sebastian Großert
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von Sebastian Großert

Es ist ein bisschen wie bei Asterix' Galliern und den Römern. An neun Orten in Weimar bieten die kommunalen Stadtwerke und das Telekommunikationsunternehmen Thüringer Netkom kostenloses WLAN an. Unbegrenzt und kostenfrei kann jeder und jede den drahtlosen Internetzugang nutzen - ohne Anmeldung: Einfach das WLAN "Energie-Hotspot" im Freibad, im Bauhaus-Museum oder auf dem Theaterplatz aufrufen, Nutzungsbedingungen anerkennen und online sein.

Bild-Montage: Bürgerbüro der Stadtverwaltung Weimar in der Schwanseestraße ("Haus II") und ein Screenshot des WLAN-"Hotspot Stadtverwaltung Weimar".
Bild-Montage: Bürgerbüro der Stadtverwaltung Weimar in der Schwanseestraße ("Haus 2") und ein Screenshot der Anmeldeseite des WLAN-"Hotspot Stadtverwaltung Weimar". Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Fachleute wollen ihre Digitalpolitik nicht erklären

An einer Straßenbahn ist ein Hinweis auf WLAN in dem Verkehrsmittel zu sehen
Frei zugängliches WLAN in Thüringen bieten unter anderem die Erfurter Verkehrsbetriebe in ihren Straßenbahnen an. Bildrechte: dpa

Der gallische Beitrag: Die Stadtverwaltung von Weimar, deren Büros und Ämter mit Publikumsverkehr in der Schwanseestraße und damit umgeben von den "Energie-Hotspots" liegen, leistet ausdauernd Widerstand dagegen, die Technologie dem gemeinen Bürger zur Verfügung zu stellen. Es ist ein Widerstand, dessen Hintergründe nur die IT-Fachleute der Kommune selber begründen könnten. Sie wollen aber nicht. Deswegen lässt sich nicht schlüssig erklären, warum die Stadt Weimar in ihren Dienstgebäuden in der Schwanseestraße ein WLAN namens "Hotspot Stadtverwaltung Weimar" betreibt, den Zugangscode aber nicht preisgibt.

Leidtragender dieser eigenwilligen "Digitalpolitik" ist unter anderem der Bürger, der sich im gleichnamigen Büro für Meldeangelegenheiten, amtliche Dokumente oder Kfz-Zulassungen beim Warten auf den Aufruf die Zeit mit Schneckentempo-Internet vertreiben darf: Zumindest zwei der drei deutschen Mobilfunknetze bieten dort kein LTE alias 4G, sondern nur den langsameren Standard Edge.

E-Mail mit eineinhalb Seiten Fragen am 3. Januar gesendet

MDR THÜRINGEN hat der Pressestelle der Stadt am 3. Januar 2020 eine Reihe von Fragen zum WLAN-"Hotspot" per E-Mail gestellt: Warum der Zugang zu diesem Netzwerk nur mit Code möglich sei, was es mit weiteren mutmaßlich städtischen WLAN-Netzen vor Ort auf sich habe - und ob eine Freigabe des "Hotspot" geplant sei.

Die Antwort am 31. Januar: Drei Sätze

Dann passierte ziemlich lange nichts. Auf telefonische Nachfrage wurde zwischendurch eine Verlängerung der Antwortfrist erbeten. Am 31. Januar, also vier Wochen später, antwortete die Stadtverwaltung mit diesen drei Sätzen:

Die Stadtverwaltung Weimar gibt zur Netzwerkinfrastruktur keine Auskunft. Ebenso sind Maßnahmen zur IT-Sicherheit vertraulich zu behandeln. Für den Wartebereich des Bürgerbüros ist in diesem Jahr ein öffentlicher Zugang zum Internet geplant.

Christian Adolph, Leiter des Amtes für Personal, Zentrale Steuerung und Digitalisierung der Stadt Weimar per E-Mail

MDR THÜRINGEN hat die Pressestelle daraufhin kontaktiert und darauf hingewiesen, dass die drei Sätze die gestellten Fragen so gut wie überhaupt nicht beantworten. Die Stadt bekam eine weitere Woche Zeit, sich umfassender zu erklären. Diese Chance hat die Kommune verstreichen lassen.

2016/2017 forderte der Stadtrat WLAN, 2019 kam es - aber nur für Stadträte

Die Mitglieder des Weimarer Stadtrates im Plenarsaal bei der Abstimmung
WLAN nur für Stadträte: Eine Sitzung des Kommunalparlaments im Februar 2020. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Aber beim Thema WLAN in der Stadtverwaltung haben schon andere dicke Bretter bohren müssen. Die SPD im Stadtrat forderte es 2016, Piraten-Stadtrat Thomas Brückner ein Jahr später jeweils mit der Begründung, im Sinne einer digitalen Rats-Arbeit sollte es im Kommunalparlament ein drahtloses Netz geben. Brückner, der mittlerweile kein Vertreter der Piraten mehr ist, berichtet, dass es seit etwa einem Jahr tatsächlich WLAN im Ratssaal gebe - aber nur für die Stadträtinnen und Stadträte: "Die Gäste schauen in die Röhre".

Sicherer geht es kaum: Wie Stadträte WLAN nutzen können

Grünen-Stadtrat Andreas Leps berichtet, dass die IT-Fachleute der Stadtverwaltung die Herausforderung WLAN für Stadträte mit äußerster Akkuratesse bewältigt haben. "Jedes Stadtratsmitglied hat einen personengebundenen Zugang, der außerdem gerätespezifisch ist. Wenn ich also das WLAN auf dem Handy und dem Laptop nutzen will, muss ich diese Geräte getrennt anmelden. Und der Code wird auch noch geändert - wenn ich mich recht entsinne, jährlich."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 12. Februar 2020 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2020, 06:00 Uhr

17 Kommentare

MDR-Team vor 3 Tagen

Hallo Gurk,
Sie haben Recht: WLAN steht für Wireless Local Area Network (zu deutsch: drahtloses lokales Netzwerk). Im umgangssprachlichen Gebrauch hat sich aber auch WLAN-Netz bzw. WLAN-Netzwerk etabliert. Weshalb wir es auch so im Artikel geschrieben haben.

sgrossert vor 3 Tagen

Hallo Herr Hana, im Bürgerbüro sind neben dem WLAN "Hotspot" die WLAN "SVWE-Verwaltung", "Verwaltung Präsentation" sowie "SVWE Gastnetz" verfügbar. Da die Stadt sich dazu nicht äußern, bleibt mir nur die Vermutung, dass diese Netze den Mitarbeitern der Stadtverwaltung und deren konkreten Gästen vorbehalten sind. Die IT-Infrastruktur ist also getrennt. Warum dann diese Verweigerungshaltung, was den "Hotspot" angeht?

mamertens99 vor 3 Tagen

Och, mit "sicher" hat das wenig zu tun. Soweit ich sophos kenne, wenn die Bildmontage richtig ist, wird dies genutzt, kann man nur maximal 1 Jahr als Ablaufzeit setzen. Es wird einfach nur ein sehr einfaches Auth-System genutzt. Was für kurzfristige Nutzung gedacht ist, um bspw. dafür zu sorgen, dass sich 'nicht Kunden' nicht irgendwo in der Nähe des Hotspots hinstellen und die Bandbreite "klauen". Auch muss man für den Zugang einen Code aktiv einfordern. Warum die Stadt das so löst, wie im Beitrag geschrieben: kA.

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