Geschichte Stiller Gedenktag für Opfer des Nationalsozialismus

Mit stillen Gedenkveranstaltungen erinnerte Thüringen am Mittwoch an die Opfer des Nationalsozialismus. Anlass war der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen.

Gedenken Buchenwald
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie hat Thüringen in diesem Jahr auf die traditionelle offizielle Gedenkveranstaltung im Landtag und die anschließende Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Buchenwald verzichtet. Kränze werden in diesem Jahr nur im kleinen Rahmen und ohne Publikum niedergelegt, beispielsweise in Mühlhausen, Erfurt oder Gera.

Stattdessen wurde vielerorts online an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz durch die sowjetischen Truppen am 27. Januar 1945 gedacht. So auch im Landtag bei einer Video-Gedenkveranstaltung des Landtags mit dem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und Landtags-Präsidentin Birgit Keller (Linke).

Auch in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie müsse an die Grauen der NS-Zeit erinnert werden, sagte Landtagspräsidentin Birgit Keller in einer Videobotschaft. Dieses Erinnern sei heute wichtiger denn je.

Ministerpräsident Ramelow verwies auf Ausstellung

Als Tag des Nachdenkens über uns selbst - so bezeichnete Ministerpräsident Bodo Ramelow den 27. Januar. Jenen Tag, an dem die sowjetische Armee vor 77 Jahren das KZ Auschwitz befreite. Ramelow verwies in seiner Videoansprache auf eine Fotoausstellung vor dem Landtagsgebäude. Sie zeige die Porträts von 16 Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in die Todesmaschinerie der Nazis geraten seien. Nur durch Glück oder die Solidarität von Mithäftlingen hätten sie überlebt.

Verschwörungstheorien oft antisemitisch

Parallelen zur Gegenwart zog der Direktor der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner. Viele Verschwörungserzählungen der sogenannten Querdenker und Corona-Leugner seien im Kern antisemitisch. Nach seinen Worten haben genau solche Legenden in den 20-er und 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts radikalisiert und letztendlich zum Nationalsozialismus geführt.

Landesbischof Friedrich Kramer mahnt per Video

Auch Landesbischof Friedrich Kramer hat dazu aufgerufen, Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen entgegenzutreten.

Wenn wir den Dingen nicht massiv widersprechen, breiten sie sich aus und das Gift der Judenfeindschaft wirkt einfach weiter.

Friedrich Kramer

Da in Thüringen alle offiziellen Termine am Gedenktag an die Opfer des Holocaust abgesagt wurden, soll sein Vortrag laut einer Kirchensprecherin demnächst im Internet veröffentlicht werden. Der 27. Januar - der seit 24 Jahren als bundesweiter Gedenktag an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee 1945 erinnere - sei ein Tag zum Innehalten.

Auf dass keiner seine Augen verschließe vor dem, was war und wozu der Mensch in seiner Abgründigkeit fähig bleibt.

Friedrich Kramer

Was Deutsche und was Christen einander und insbesondere Juden angetan hätten, so Kramer, "bleibt in unserer Erinnerung, auch wenn wir es vergessen möchten und versuchen, nicht darüber nachzudenken."

Am Mittwoch jährt sich die Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz im heutigen Polen 1945 durch die Rote Armee. Im Jahr 1996 hatte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum nationalen Gedenktag erklärt, seither wird er als Holocaust-Gedenktag begangen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Januar 2021 | 18:00 Uhr

1 Kommentar

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 5 Wochen




Manchmal ist der Appell an die Einsicht das einzige hilflose Mittel,
das uns bleibt, nachdem (schon wieder) längst alles zu spät
zu sein scheint . . . ?!

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