Coburg, neuer ICE-Bahnsteig mit Regionalexpress
Ein Regionalexpresszug nach Nürnberg bei seinem Halt in Coburg. Bildrechte: DB AG/Hannes Frank

Thüringen Regionalexpress-Linie Erfurt-Nürnberg umstritten

Eine neue Regionalexpress-Linie soll Erfurt und Nürnberg zukünftig näher zusammenrücken lassen. Möglich machen soll das die ICE-Trasse durch den Thüringer Wald. So jedenfalls sieht es eine Ausschreibung des Thüringer Verkehrsministeriums vor. Für Fahrgäste aus Erfurt ein Gewinn. Doch für Südthüringer Fahrgäste hat der Plan auch Schattenseiten.

MDR THÜRINGEN-Reporter Jonas Wölke
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von Jonas Wölke

Coburg, neuer ICE-Bahnsteig mit Regionalexpress
Ein Regionalexpresszug nach Nürnberg bei seinem Halt in Coburg. Bildrechte: DB AG/Hannes Frank

Das Thüringer Verkehrsministerium plant ab Ende 2023 eine neue direkte Regionalexpress-Linie von Erfurt nach Nürnberg. Eine entsprechende EU-weite Ausschreibung wurde in dieser Woche veröffentlicht. Damit könnte ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 eine neue Zugverbindung zwischen Thüringen und Bayern entstehen.

Nur Erfurt als Halt in Thüringen vorgesehen

Die neue Linie soll von Erfurt aus über die Schnellfahrstrecke durch den Thüringer Wald führen. Halte sind unter anderem in Coburg und Bamberg geplant. Doch außer in Erfurt sieht die Ausschreibung auf Thüringer Seite keinen Einstieg vor. Für Reisende von der Thüringer Landeshauptstadt nach Coburg soll die Fahrzeit dadurch und dank Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 190 km/h, gerade einmal 42 Minuten dauern.

Der geplante Streckenverlauf des Regionalexpresses Erfurt-Nürnberg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verbesserungen für Sonneberg überschaubar

Schon jetzt sind Sonneberg und das bayerische Coburg durch eine Regionalexpress-Linie miteinander verbunden. Diese fährt direkt weiter bis nach Nürnberg. Und das soll auch so bleiben, heißt es aus dem Sonneberger Rathaus. Die nun geplante Linie würde - täglich fünfmal - von Erfurt aus kommend, Sonneberg auslassen und direkt nach Coburg durchfahren. Somit ergäben sich weniger Direktzüge für die Sonneberger in Richtung Nürnberg. Dafür hätten Fahrgäste aus der Spielzeugstadt mit einem Umstieg in Coburg mehrmals täglich einen direkten Nahverkehrszug nach Erfurt, und damit auch eine Anbindung an den dortigen ICE-Knoten in Richtung Berlin und Dresden.

Regelmäßige ICE-Anbindung Coburgs wäre Sonnebergern lieber

Regionalexpress Coburg - Nürnberg auf der Talbrücke  Weißenbrunn
Schon jetzt verbindet ein schneller Regionalexpress Sonneberg mit Nürnberg. Hier auf der Talbrücke Weißenbrunn. Bildrechte: Deutsche Bahn AG

Doch dem Sonneberger Bürgermeister Heiko Vogt (parteilos) wäre eine zweistündliche ICE-Anbindung via Coburg deutlich lieber. "Daher unterstützen wir uneingeschränkt die Forderung zum Beispiel der IHK Coburg, dass vor einem ergänzenden Angebot von Express-Zügen zwischen Erfurt und Nürnberg prioritär der ICE-Taktverkehr in Coburg sichergestellt sein muss." Das sei für den gemeinsamen Wirtschaftsraum wichtig, so der Bürgermeister. Die in der Ausschreibung geplanten zusätzlichen Regionalzüge zwischen Erfurt, Coburg und Nürnberg auf der ICE-Trasse könnten nur eine Ergänzung sein. Bis jetzt halten in Coburg nur drei ICE-Zugpaare am Tag.

Hoffnungen für Ilm-Kreis

Im Ilm-Kreis beobachtet man währenddessen die Planungen zu dem in der Ausschreibung erwähnten Zug-Angebot hoffnungsvoll. Landrätin Petra Enders (Linke) will für einen neuen Bahnhof an der ICE-Strecke in Ilmenau-Wümbach kämpfen. "Seit es Diskussionen zum Bau der ICE-Strecke gibt, kämpfe ich dafür, dass der Regionalverkehr auf diese Strecke kommt und Bayern und Südthüringen damit enger verknüpft werden. Und so wie das Land wieder die Planungen für einen Regionalverkehr auf dieser Strecke aufnimmt, nehme ich wieder den Kampf auf für einen Haltepunkt im Ilm-Kreis." Ein Haltepunkt seien Bund und die Deutsche Bahn dem Kreis auch schuldig, denn mit dem Bau der ICE-Strecke hätte der Ilm-Kreis massive Eingriffe in die Natur und Landschaft hinnehmen müssen.

Bereits in den 1990er Jahren gab es Planungen, einen Regionalbahnhof in Ilmenau zu errichten. Damals noch mit dem Ziel Interregio-Züge dort halten zu lassen. Doch das Thüringer Verkehrsministerium teilte auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit, das auch weiterhin keine Überlegungen bestehen, diese alten Planungen umzusetzen.

Bahnhof wäre Standortvorteil für TU Ilmenau

Die Bürgermeisterin der Stadt Ilmenau und Kreistagsvorsitzende des Ilm-Kreises, Beate Misch (CDU), betont die enorme Bedeutung, die ein Haltepunkt für die Stadt hätte. "Eine solche Regionalexpress-Linie mit einem Haltepunkt in Ilmenau-Wümbach würde einen Standortvorteil für die TU Ilmenau im Wettbewerb mit technischen Hochschulen in Süddeutschland bedeuten. Aus diesem Grund fordern wir die ernsthafte Prüfung eines entsprechenden Haltes." Das für einen solchen Haltepunkt in Ilmenau bislang die Infrastruktur fehle und erst noch ein ÖPNV-Angebot geschaffen werden müsse, stehe dabei außer Frage so Misch weiter.

Blick auf das Bahnunterwerk Ilmenau-Wolfsberg aus der Luft in Blickrichtung Süden im November 2015
Blick auf den Betriebsbahnhof Ilmenau-Wolfsberg aus der Luft in Blickrichtung Süden im November 2015. Hier sollte nach ursprünglichen Planungen für die Schnellfahrstrecke ein Haltepunkt mit Bahnsteigen entstehen. Bildrechte: DB AG/Hannes Frank

Fahrgastverbände uneins über Nutzen für Fahrgäste

Fahrgastverbände sind sich uneins über den Nutzen der geplanten Regionalexpress-Verbindung für die Fahrgäste. So erklärt Falko Stolp, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Erfurt, der Fernverkehr auf der Schnellfahrstrecke sei ein Erfolg. Die Fahrgastzahlen stiegen an. Jede neue Linie sei daher ein richtiger Schritt. Und durch die geplante Regionalexpress-Verbindung von Erfurt nach Nürnberg könnten Fahrgäste in Zukunft noch schneller in Bayern sein und ein Umstieg entfalle. Ganz anders sieht es der Thüringer Vorsitzende des Fahrgastverbandes 'Pro Bahn', Olaf Behr. Er sieht die geplante Linie über die Schnellfahrstrecke kritisch: "Regionalverkehr über eine reine Fernverkehrsstrecke fahren zu lassen, bei der die Erschließung innerhalb Thüringens gleich Null ist, halte ich für den falschen Einsatz von Steuergeldern." Hier zahle der Freistaat mit seinen Regionalisierungsmitteln eine gute Anbindung Coburgs.

Regionalisierungsmittel Regionalisierungsmittel sind Gelder, mit denen der Bund den Nahverkehr der Bundesländer jährlich bezuschusst. Die Länder selbst sollen damit ihren Schienenpersonennahverkehr je nach Bedarf bestellen. Damit können die Länder entscheiden, auf welchen Strecken und in welchem Umfang den Bürgern Zugverbindungen angeboten werden. Quelle: Allianz pro Schiene

Neue Linie Gefahr für Regionalstrecken?

Regionalzug "Franken-Thüringen-Express" (Bamberg-Leipzig) in Jena.
Eine neue Regionalexpress-Linie könnte Fahrgäste anderer Linien "absaugen", so Olaf Behr, Sprecher von Pro Bahn in Thüringen. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Olaf Behr spricht sogar von einer möglichen "Kannibalisierung des Nahverkehrs". Seine Befürchtung: Durch eine neue Regionalexpress-Linie könnten bisherige Regionalstrecken in Thüringen das Nachsehen haben. So könnte die geplante Verbindung Fahrgäste beispielsweise von den Regionalstrecken zwischen Saalfeld und Nürnberg und zwischen Erfurt und Würzburg "absaugen". Auch den seit Jahren diskutierten Lückenschluss zwischen Eisfeld und Coburg über die Werratalbahn sieht er durch die ausgeschriebene Linie in Gefahr. Deshalb hofft er, dass die Pläne nicht weiter verfolgt werden.

Verkehrsministerium skeptisch, ob Regionalexpress-Linie kommt

Das Thüringer Verkehrsministerium selbst teilt MDR THÜRINGEN auf Anfrage mit: Streckeneinsparungen im Regionalverkehr seien jetzt und auch zukünftig nicht geplant. Die in der Ausschreibung erwähnte Regionalexpress-Linie solle auch nur dann starten, wenn Coburg keinen regelmäßigen Zwei-Stunden-Takt mit dem Fernverkehr in Richtung Erfurt bekomme. Aus diesem Grund geht das Ministerium auch nicht davon aus, dass der Freistaat sich an der Finanzierung, der in der Ausschreibung des Regionalbahn-Netzes Franken- Südthüringen enthaltenen Linie zwischen Erfurt und Coburg beteiligt.

Strecken des Regionalbahn-Netzes Franken-Südthüringen - Nürnberg – Erlangen – Bamberg – Lichtenfels – Coburg
- Lichtenfels – Kronach – Saalfeld
- Bamberg – Schweinfurt – Würzburg
- Bamberg – Coburg – Sonneberg (via Schnellfahrstrecke VDE 8)
- Coburg – Erfurt als Eventualposition (via Schnellfahrstrecke VDE 8)
Quelle: Bayrische Eisenbahngesellschaft (BEG)

Ungewöhnliche Bonuszahlungen für Betreiber

Doch egal, ob die in der Ausschreibung als "Eventualposition" verzeichnete Linie zwischen Erfurt und Nürnberg kommt, den Gewinner der Ausschreibung erwarten ungewöhnliche Geldgeschenke. So kann der zukünftige Betreiber des Netzes Franken-Südthüringen eine einmalige Startprämie von 250.000 Euro bekommen, wenn er nachweist, dass er zum Betriebsstart im Dezember 2023 genug Personal akquiriert und ausgebildet hat. Schafft der Betreiber das nicht, geht er - was den Bonus betrifft - leer aus. Und die Auftraggeber stellen in Aussicht, die Ausbildung zu unterstützen. Für jeden Auszubildenden zum Lokführer wollen Bayern und Thüringen dem Betreiber 100.000 Euro zahlen. Vorgesehen ist diese Förderung allerdings nur für maximal zehn Auszubildende in zwei Jahren.

Bonus als Reaktion auf Personalmangel in Eisenbahnbranche

Diese Bonuszahlungen seien eine Reaktion auf den in der Eisenbahnbranche wachsenden Personalmangel, heißt es von der bei der Ausschreibung federführenden Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Insbesondere bei Lokführern habe man sich deswegen für eine Ausbildungsprämie und eine Mindestausbildungsquote entschieden, heißt es weiter. Falko Stolp vom Verkehrsclub Deutschland begrüßt diese Bonuszahlungen: Sie seien ein legitimes Mittel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ausschreibungen, in denen nur das günstigste Angebot das Rennen mache ,seien nicht mehr zeitgemäß.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 10. August 2019 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2019, 05:00 Uhr

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20 Kommentare

13.08.2019 19:04 Biggi 20

Sicherlich ist es richtig, nicht zu viele Haltepunkte auf einer ICE-Trasse zuzulassen. Doch wenn wir mehr und vor allem auch junge Leute dazu bringen wollen mit dem Zug zu fahren, ist ein Haltepunkt in Ilmenau dringend notwendig. Die beschriebenen knapp 60 Minuten sind kein Witz, leider Realität. Eine Integration in die "langsame ICE-Verbindung" wäre schon gut. Der hält in Sachsen Anhalt auch abwechselnd in Bitterfeld! Und Lu.Wittenberg. Das sollte doch in Thüringen auch endlich machbar sein.

11.08.2019 17:39 Rasselbock 19

@18: Es gibt bis heute keinen Entwidmungsbeschluss des EBA zur offiziellen Entwidmumg Eisfeld/Coburg. Es wurde auf Geheiss des CSU geführten Verkehrsministeriums eine Art Pseudoentwidmung angeordnet und über CSU Kanäle der Fachplanungsvorbehalt aufgegeben. Damit wurde die "Bebauung" als rechtmässig hingestellt. Diese CSU ist ein einziger politischer Filzhaufen, Bayern eben. Ähnliche Fissematentchen werden derzeit an der nicht entwidmeten Trasse Blankenstein/ Marxgrün versucht. Ein Mineralwasserunternehmer, Höllensprudel lässt grüssen, mit ein paar Häuslebauern etc führen derzeit Kämpfe mit Umweltverträglichkeitsprüfungen Grabenkämpfe den Lückenschluss auf Kosten der Umwelt und Anwohner zu verhindern wegen möglicher "Wertverluste" an ihren Grundstücken. Folge: mehrere hunderttausende Tonnen Holz für die Zellstofffabrik müssen zu Lasten vieler Leute auf der Strasse erfolgen. Ramelow will beide Lückenschlüsse, CDU/CSU versuchen die Verhinderung. So sieht es aus.

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