Trockenheit in den Böden Reicht der Regen für Wald und Landwirtschaft?

Endlich Regen, werden sich Thüringer Gärtner, Landwirte und Waldbesitzer in diesen Tagen gedacht haben. Denn langanhaltenden Landregen gab es zuletzt kaum. Um die Dürre der letzten Jahre auszugleichen, bräuchte es aber sehr viel mehr.

Im strömenden Regen stehen zwei Menschen auf einem Spargelfeld.
Spargelstechen bei strömendem Regen. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Der Niederschlag der vergangenen Tage und Wochen hat nur geringfügig etwas gegen die Trockenheit in Thüringens Wäldern genutzt. Es bräuchte mehrere Wochen bis Monate überdurchschnittlichen Niederschlag, um die tieferen Bodenschichten zu erreichen, sagt Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Nach den vergangenen zwei regenarmen Jahren könne dies sogar noch sehr viel länger dauern.

Thüringer Becken und Holzland zu trocken

Thüringens Wälder leiden seit den Dürrejahren 2018 und 2019 massiv. Der Regen der vergangenen Tage sei zwar "immer nützlich", sagt Horst Sproßmann von Thüringens Forstanstalt, die die staatlichen Wälder bewirtschaftet. Doch gerade im Thüringer Becken und im östlichen Thüringen habe der Regen der vergangenen 14 Tage nicht maßgeblich zu einer Verbesserung geführt, bestätigt auch er. Dafür müsste der "berühmte Landregen" noch länger anhalten. "Dann wären auch die Waldbesitzer zufriedener", sagt Sproßmann.

Andreas Marx rechnet vor, warum es über mehrere Monate oder sogar Jahre konstant und reichhaltig regnen müsste: Die oberen Bodenschichten - bis zu 25 Zentimeter Tiefe - könnten rund 90 Liter Wasser pro Quadratmeter aufnehmen. Im gesamten Juni kommen in Thüringen im Schnitt rund 50 Liter/Quadratmeter Niederschlag herunter.

Ein richtiger Regentag, wie wir ihn zuletzt wieder häufiger erlebt haben, bringe rund zehn Liter Regen. "Es ist viel weniger, als man meint", sagt Marx. Davon fließe dann eventuell nur die Hälfte in den Oberboden. In den metertiefen Wurzelregionen der Bäume komme jedoch nichts an. Außerdem müsste der Niederschlag laut Marx vor allem im Winter fallen. Da im Sommer viel verdunstet, sei er dann für die Böden wichtiger und nützlicher als in der warmen Jahreszeit.

Dürre und trockene Böden sind nicht überall ein Problem. In Thüringen gibt es teilweise große regionale Unterschiede. Während das Thüringer Becken zu den sehr trockenen Regionen Deutschlands zählt, sind die Wasserspeicher im Thüringer Wald, Schiefergebirge oder Südharz gegenwärtig gut gefüllt, sagt Spoßmann. Das zeigten die 15 Waldmessstationen, die Thüringenforst betreibt.

Außerdem spiele die Bodenbeschaffenheit eine wesentliche Rolle, sagt Marx. Bei Böden mit hohem Tonanteil sei die Situation nicht ganz so schwierig wie bei sandigen Böden.

Bodenarten in der Übersicht
Bodenart Wasser- und Nährstoffhaushalt weitere Eigenschaften Möglichkeiten der Verbesserung
Sandboden

(leichter Boden, rieselt durch die Hände)
speichert Wasser nur schlecht, trocknet schnell aus; Nährstoffe werden leicht ausgewaschen; überschüssiges Wasser wird gut abgeleitet gute Durchlüftung, Wurzeln können sich leicht ausbreiten; erwärmt sich schnell und kühlt auch schnell ab; lässt sich leicht bearbeiten organischen Dünger und Kompost für die Nährstoffversorgung einarbeiten
Lehmboden

(mittelschwerer Boden)
gutes Speichervermögen, zugleich gute Abgabe von Wasser und Nährstoffen an die Wurzeln gute Durchlüftung und Durchwurzelung, lässt sich mit geringem Aufwand bearbeiten Nährstoffversorgung (je nach Zusammensetzung) durch Düngen verbessern; regelmäßiges Auflockern
Tonboden (schwerer Boden, lässt sich mit den Händen formen) hohes Speichervermögen, aber "Festhalten" von Feuchtigkeit und Nährstoffen möglich; Wasser kann sich an den Wurzeln stauen neigt zum Verdichten und lässt sich schwer bearbeiten; schlechte Durchlüftung, Wurzelwachstum erschwert; langsame Erwärmung und Abkühlung häufiges, tiefes Auflockern; Sand einbringen und mit anderen mineralischen Stoffen wie Blähschiefer die Struktur verbessern

Landwirte: Regen zur richtigen Zeit

Anders als die Wälder profitiert die Landwirtschaft vom Regen der letzten Zeit durchaus. Kulturen, die wenige Zentimeter im Boden eingepflanzt werden, könnten das Niederschlagswasser nutzen, sagt Marx. Der Thüringer Bauernverband hat von einigen betroffenen Landwirten bereits erfreuliche Nachrichten vernommen. "Die Lage hat sich durch den Regen entspannt", sagt Axel Horn vom Bauernverband. Der Vorteil sei, dass es einerseits nicht so heiß sei und andererseits der Niederschlag als Landregen und nicht als Starkregen herunterkomme.

Bis zuletzt hatten die Landwirte noch von massiven Problemen berichtet und Ernteeinbußen befürchtet. Beim Wintergetreide sei dies auch eingetreten. Im April habe es gefühlt überhaupt nicht geregnet, sagt Horn. "So etwas habe ich auch noch nicht erlebt." Tatsächlich zeichneten Messstationen in Thüringen im April teilweise nur zehn bis 20 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen in diesem Monat auf. Jetzt aber falle der Regen "zur richtigen Zeit".

Trockener Kartoffel-Acker  (einzelne Kartoffeln liegen auf trockenem Boden)
Trockener Kartoffel-Acker Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs

Gewitter und Starkregen am Wochenende

Nach Tagen mit Landregen und milden Temperaturen steht Thüringen nun ein Wetterumschwung bevor. Laut Aussichten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) steigen die Temperaturen am Samstag örtlich bis auf 30 Grad. Außerdem werden heftige Gewitter zum Teil mit Starkregen und Hagel erwartet. Auch der Sonntag bringt vielerorts Schwüle und Unwetter bei Temperaturen bis zu 26 Grad.

Für Landwirtschaft und Wälder ist der erwartete Starkregen problematisch. Anders als bei Landregen sickere Starkregen nicht in den Boden ein, sagt Forstmann Horst Sproßmann. Vom Niederschlag profitieren Bäume und Felder damit kaum. Schlimmstenfalls drohen Sturzfluten und Überschwemmungen - obwohl der Boden noch nicht wassergesättigt ist.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 18.06.2020 14:39Uhr 02:07 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-dauerregen-thueringen-trockenheit-vorbei-100.html

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 13. Juni 2020 | 07:50 Uhr

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