Nilgänse
Nilgänse fühlen sich zunehmend wohler in Thüringen. Inzwischen sollen über 300 Brutpaare an den Gewässern aktiv sein. Bildrechte: IMAGO

Vogelkundler Nilgänse in Thüringen auf dem Vormarsch

Vogelkundler schlagen Alarm: Die Nilgänse fühlen sich an Thüringer Gewässern zunehmend wohler. Die einst aus Zoos ausgebüxten Tieren bedrängen heimische Arten. Deshalb wird nun darüber debattiert, was zu tun ist.

von Peter Sommer

Nilgänse
Nilgänse fühlen sich zunehmend wohler in Thüringen. Inzwischen sollen über 300 Brutpaare an den Gewässern aktiv sein. Bildrechte: IMAGO

In Thüringen breiten sich Nilgänse immer mehr aus. Ihr ursprünglicher Lebensraum sind die Savannensümpfe und Flussläufe Ostafrikas. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Tiere aber in Deutschland "massiv vermehrt", sagte Stefan Frick, Vorstandsmitglied der Vereins Thüringer Ornithologen. In Thüringen gehe man inzwischen von 350 bis 400 Brutvogelpaaren aus. Nester seien beispielsweise an den Stauseen und Kiesgruben im Norden Erfurts entdeckt worden, sowie an Gewässern im Landkreis Sömmerda, im Naturschutzgebiet "Frießnitzer See" bei Weida oder auch im Werratal in Südthüringen.

Aus Zoos und Volièren ausgebüxt

zwei Nilgänse (Alopochen aegyptiaca) fliegt über den Maschsee
Nilgänse gehören zu den "invasiven Arten", die andere Artgenossen beim Kampf um Nahrung und Nistplätze vertreiben. Bildrechte: dpa

Dabei sind die Nilgänse nicht etwa aus südlichen Gefilden eingewandert. Sie gehören zu den so genannten "Neozoen" - also Tieren, die unter Mitwirkung des Menschen in einen bislang fremden Lebensraum gelangt sind und dort eine neue Population gegründet haben. Nach Erkenntnissen der Ornithologen entkamen einzelneTiere in den 70er- und 80er-Jahren aus Zoos und privaten Wasservogelhaltungen - vor allem in den Niederlanden. Die Nilgänse vermehrten sich zügig und verbreiteten sich zunächst entlang des Rheins. In Thüringen sei vor allem in den letzten zehn Jahren ein Anstieg der Population zu beobachten.

Mit Sorge erfüllt Ornithologen dabei das aggressive Verhalten. Nilgänse gehören zu den "invasiven Arten", die andere Artgenossen beim Kampf um Nahrung und Nistplätze vertreiben. Dabei machen sie nach Angaben der Vogelkundler auch vor Greifern wie Rotmilanen und Mäusebussarden nicht Halt. Immer häufiger wird deshalb die Erlaubnis zum Abschuss der Nilgänse gefordert.

Jagd auf Nilgänse umstritten

Für derartige Forderungen ist der Thüringer Jagdverband offen. In einigen Thüringer Nachbarländern werden die Gänse bereits bejagt, konkret in Sachsen, Hessen und Bayern. Zum Schutz anderer, heimischer Wandervogel-Arten müssten Nilgänse auf die Liste der "jagdbaren Arten" gesetzt werden, forderte der Geschäftsführer des Jagdverbandes, Frank Herrmann. Wenig Begeisterung finden derlei Pläne beim Umweltministerium. Nach eigenen vorliegenden Erkenntnissen stufe das Ministerium das Bedrohungspotential für heimische Tierarten "eher gering" ein, sagte ein Ministeriumssprecher. Allerdings habe man im vergangenen Jahr ein dreijähriges "Monitoring-" Programm auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, genauere Zahlen und Statistiken zu bekommen. Darin sollen auch die Nilgänse erfasst werden. Erste Ergebnisse seien Mitte dieses Jahres zu erwarten.

Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des Thüringer Bundes für Umwelt und Naturschutz, BUND, sagte, grundsätzlich sei gegen ein "Bejagen" der Nilgänse nichts einzuwenden. Wichtigstes Argument dafür sei die teils aggressive Ausbreitung der Tiere - zu Lasten einheimischer Arten. Wie sinnvoll ein bewusstes Dezimieren des Nilgänse-Bestands sei, stehe allerdings auf einem anderen Blatt. Das Verhältnis von Aufwand und Nutzen sei zu hinterfragen, so Vogel. Denn: die Liste der nicht-heimischen Arten hierzulande sei mittlerweile "ziemlich lang".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Januar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2019, 06:00 Uhr

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19 Kommentare

13.01.2019 17:25 Theodor Dienert 19

Vielleicht sollten wir erst mal die "Deutsche Umwelthilfe" bejagen....,ähhh...befragen...???

13.01.2019 10:18 Kritiker 18

Also jetzt dagegen zu meckern ist aber absolut tierfeindlich … Wir schaffen das!
Satire aus!

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