Eichsfeld Baubeginn für Ortsumgehung Kallmerode

In Kallmerode hat wohl so mancher nicht mehr daran geglaubt, dass dieser Tag kommt: Am Dienstag war Baustart für eine Ortsumgehungsstraße - nach fast 30 Jahren Protest und Kampf. Denn schon seit der Wende hatten die Anwohner sich dafür eingesetzt.

Zwei Männer und eine Frau schaufeln mit je einem Spaten ein bischen Erde von einem Haufen.
Nach Jahren des Protests war nun endlich der Spatenstich für die Ortsumgehung. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Mit dem Spatenstich für den 5,5 Kilometer langen Neubau der Ortsumgehung Kallmerode geht ein jahrelanger Wunsch der Einwohner in Erfüllung. Seit der Wende und erst recht seit Fertigstellung der A38 bei Leinefelde hatte auf der Bundestraße 247, die durch den Ort führt, der Verkehr stark zugenommen. Offizielle Zahlen sprechen von 9.000 Fahrzeugen täglich, die Einwohner haben in eigenen Messungen bis zu 15.000 Fahrzeuge täglich gemessen, davon mehr als 2.000 LKW. Für die Einwohner so oder so unerträglich. 

Viele Versprechungen, aber nichts passierte

Versprechungen der CDU-geführten Landesregierung in den 1990er Jahren machten es im Grunde noch schlimmer. Denn es passierte nichts. Dabei liegen die Häuser rechts und links der etwa 800 Meter langen Ortsdurchfahrt meist nur einen Meter von der Fahrbahn entfernt. Eine Renovierung der Fassaden, wie anderswo im Eichsfeld, lohnte angesichts der Verschmutzung und Feinstaubbelastung durch den Verkehr einfach nicht. Mit mindestens 20 großflächigen Plakaten wurde vor allem die jahrelang regierende CDU beschimpft. CDU Landrat Werner Henning bat einige Male um Mäßigung - ohne Erfolg.

Eine Frau in grauer Jacke und mit dunkelblonden langen Haaren - die Thüringer Ministerin für Landwirtschaft und Infrastruktur, Birgit Keller - spricht an einem Podium in ein Mikrofon.
Die Thüringer Infrastruktur-Ministerin Birgit Keller (Die Linke) kannte das Problem in Kallmeroda gut. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Thüringens Verkehrsministerin Birgit Keller sagte am Dienstag beim feierlichen Spatenstich, sie kenne als frühere Landrätin des Kreises Nordhausen das Problem mit der dort verlaufdenden B243. Doch in Kallmerode kam noch mehr dazu: Die Kallmeröder sahen wie andernorts im Eichsfeld, etwa in Worbis, Niederorschel oder Heiligenstadt vermeintlich nicht so nötige Ortumfahrungen in Angriff genommen wurden.

Hinter vorgehaltener Hand hieß es auch heute noch beim feierlichen Spatenstich, wenn sich die Kallmeröder nicht so aufregen würden, hätten sie längst ihre Ortsumfahrung. Auch Leinefeldes damaliger Bürgermeister Gerd Reinhardt sagte 2009 auf einer Veranstaltung in Birkungen, hätte sich Kallmerode von Leinefelde eingemeinden lassen, gäbe es die Ortsumfahrung längst. Diese Machtlosigkeit brachte jedoch nur noch wütendere Plakattexte hervor.

Auch Anwohner und Landbesitzer verhinderten Umgehung

Doch auch das ist wahr: eine Umfahrung rechts oder links des Ortes, unter anderem auch dicht am Friedhof vorbei, wurde von den nicht an der Durchfahrtstraße gelegenen Anwohnern und Landbesitzern verhindert. Eine denkbare Trasse hätte zudem mitten durch die Altlastdeponie bei Beinrode geführt.

Ein mittelalter Mann - Torsten Städler, der Bürgermeister von Kallmerode - hält einen Spaten mit einer Schleife in den Händen und lacht in die Kamera, daneben stehen einige Personen.
Torsten Städler, der Bürgermeister von Kallmerode, freut sich deutlich sichtbar darüber, dass es nun endlich losgeht. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Nun führt die Trasse weiter um den Ort herum. 35 Leitungen wurden für den jetzt beginnenden Bau an andere Stelle verlegt. Eine Wasserleitung wurde gar 36 Meter in die Tiefe verlegt, weil dort ein 30 Meter tiefer Taleinschnitt entsteht. Diese Planung gab es schon 2009. Im Dezember 2009 verkündete das damalige Landesstraßenbauamt Leinefelde: Es gibt Baurecht. Sogar der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer persönlich verkündete die frohe Botschaft 2009. Auch Leinefeldes Bürgermeister Reinhardt zog bald darauf eine Klage gegen die Umgehungsstraße zurück. Aber alle sollten sich täuschen. Baurecht ja, aber kein Geld dafür in Sicht. Was natürlich zu erneutem Protest führte.

Bis 2022 soll die "Never Ending Story" ein Ende finden

Zehn Jahre sind inzwischen vergangen. Im Jahr 2018 wurde die Ortsumfahrung als ÖPP-Projekt, also in öffentlich privater Partnerschaft ausgeschrieben. Indes gab es aber nur ein Angebot und das war nicht wirtschaftlich. Nun baut die bundeseigene Fernstraßen-Baugesellschaft DEGES selbst. Doch wie es heißt, sucht man noch Baufirmen, denn die haben Hochkonjunktur. 30 Millionen Euro soll nun die neue Ortsumgehung kosten, verkündete am Dienstag der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Steffen Bilger. Es seien andere Zeiten als noch vor zehn Jahren, so der Staatssekretär. Geld für Investitionen ist da: 9,2 Mrd. Euro gibt der Bund in diesem Jahr für Verkehrsprojekte aus, allein 270 Millionen in Thüringen.

Ein Baustellenschild für die Ortsumgehung Kallmerode steht neben einem Bagger, daneben stehen einige Menschen.
Bis 2022 soll hier alles fertig sein, verspricht das Baustellenschild. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Vier Brücken müssen auf der 5,5 km langen Trassenführung gebaut werden. Begonnen wird nun zuerst mit den Brückenbauten. Der Streckenbau soll erst ab Ende 2020 erfolgen und eine Fertigstellung sei für 2022 geplant, so DEGES-Projektleiterin Andrea Prangen. In den vergangenen Monaten wurden bereits vorgezogene landschaftspflegerische Maßnahmen umgesetzt.  Auch Maßnahmen zum Artenschutz und die notwendigen archäologischen Untersuchungen seien abgeschlossen so Prangen.

Die B247n, wie die Neubaustrecke heißt, soll bis Mitte der 20er Jahre von der A38 bei Leinefelde über Mühlhausen und Bad Langensalza nach Erfurt führen. Diese Teilstücke sind in Planung hieß es heute. Seit einigen Tagen läuft die ÖPP-Ausschreibung  für die Strecke Dingelstädt-Mühlhausen. Nur bei Bad Langensalza ist die Ortsumfahrung schon fertig. 

 Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. Oktober 2019 | 18:15 Uhr

1 Kommentar

Nik123 vor 51 Wochen

Hauptsache man vergisst den Unstrut Hainich Kreis nicht... Dieser Landkreis hätte es nötiger gehabt mit einem Baustart 2019!
Allein in Großengottern (wie lange kämpft dieser Ort für seine Umgehung... Ohne Erfolg) eine Bundesstraße die sich in 2 Einbahnstraßen teilt... Einfach traurig für ein Autoland wie Deutschland

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