Zwei Polizeiautos und mehrere Reporter sowie ein Kamerateam stehen vor dem mit Holzbrettern verkleideten Wohnhaus des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Bornhagen im Eichsfeld
Das Wohnhaus von Björn Höcke (Archivbild). Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

Streit um Zutrittsverbot in Bornhagen Chef von Künstlergruppe darf wieder Höckes Nachbar sein

Fast zwei Monate lang war dem Chef des Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit", Philipp Ruch, der Zutritt ins eichsfeldische Bornhagen verwehrt. Das hatte das Familiengericht Heiligenstadt auf Antrag von Nora Höcke verfügt. Am Mittwoch hat das Gericht seine Entscheidung korrigiert. Denn am Ende war allen Beteiligten klar: Die behauptete Bespitzelung hat so nicht stattgefunden.

von Matthias Thüsing

Zwei Polizeiautos und mehrere Reporter sowie ein Kamerateam stehen vor dem mit Holzbrettern verkleideten Wohnhaus des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Bornhagen im Eichsfeld
Das Wohnhaus von Björn Höcke (Archivbild). Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

"Nein", sagte Björn Höcke Anfang Februar am Rande des AfD-Landesparteitags in Arnstadt. Zu dem Gerichtsprozess seiner Frau gegen den Chef des Künstler-Kollektivs "Zentrum für politische Schönheit", Philipp Ruch, wolle er sich auch nach einem Urteilsspruch nicht äußern. "Das ist eine schlimme Erfahrung, die mich und meine Familie sehr belastet hat. Dazu werde ich mich nicht äußern." Minuten zuvor hatte ihm auch der Landesparteitag sein Mitgefühl in dieser Sache ausgesprochen. Der Tenor: Was die angeblichen Künstler da mit ihrem Parteifreund Björn gemacht haben, das war nicht rechtens.

Bespitzelung 'nur' Behauptung in künstlerischem Bekennervideo

Aber war da überhaupt etwas? Der Prozess in Heiligenstadt selbst war - wie bei solchen Verfahren vor Familiengerichten üblich - nicht öffentlich. Doch die Künstlergruppe hat bereits im Dezember detailliert Auskunft darüber gegeben, wie sie ihr Spiel mit der Wahrheit, der AfD und auch den Medien getrieben hatte. Denn die Behauptung, Höcke sei zehn Monate lang observiert worden, hat nicht nur der AfD-Politiker selbst, sondern auch so mancher Redakteur nur allzu gerne geglaubt. Die in einer Art künstlerischem Bekennervideo gezeigten Beweise hingegen waren mehr als dürftig. Jeder habe bei kritischer Betrachtung der angeblichen Beweise erkennen können, dass da nichts war. 

Denn da ist zum Beispiel das Foto, das Höcke auf einer Wiese gehend zeigt, umrandet mit einer Fernglasoptik. Das Bild stammt in Wirklichkeit aus einem alten Fernsehbeitrag. Die Fernglasoptik ist in Form einer Collage darübergelegt worden.

Da ist dieser seltsam gewandte Herr auf einer anderen Wiese, ausgerüstet mit Fotoapparat und großem Teleobjektiv. Der Fell-Overall erinnert an das Fusselkostüm des Starwars-Alien Chewbacca. Wer kommt allen Ernstes auf die Idee, sich in einem solchen Aufzug in einem kleinen Dorf monatelang auf die Lauer zu legen - und das möglichst unauffällig?

Und bei dem angeblichen Richtmikrophon handelt es sich um eine an ein Gestänge montierte Plexiglasschüssel. Sieht echt aus. Aber klar erkennbar ist eben auch, dass gar kein Mikrophon montiert ist.

Höcke selbst hat sein Zuhause via Facebook der Welt geöffnet

Das Zentrum für politische Schönheit hat zudem vor Gericht bestritten, Bilder der Familie Höcke angefertigt zu haben. Zugleich verweist die Gruppe darauf, dass es Björn Höcke selbst war, der verschiedentlich sein Grundstück, sein Wohnhaus und sein Wohnzimmer via Facebook der Welt geöffnet hatte. Insofern sei der Persönlichkeitsschutz des Privatmanns Höcke und samt seiner Familie erloschen. Insgesamt hat das Gericht am Mittwochmittag jedoch festgestellt, dass Frau Höcke von dem Treiben auf dem Nachbargrundstück gar nicht betroffen gewesen sei. Philipp Ruch darf also zurück. Seine erste Reaktion:

Herrlich ist's. Endlich wieder Höcke sehen.

Als haltlos im Verfahren entpuppte sich auch der angebliche Beweis der Höcke-Anwälte, wonach das Zentrum für politische Schönheit einen Hausfriedensbruch begangen habe: In die Verfahrensakten vor dem Familiengericht hat sich auch ein Foto gefunden, das eine Ansicht des Denkmals zeigt, fotografiert unstrittig vom Grundstück der Familie Höcke. Laut Aktenlage sei dies der Beweis dafür, dass die Truppe um Philipp Ruch nach Enthüllung des Denkmals widerrechtlich die Grundstücksgrenze übertreten habe, so die Anwälte von Nora Höcke. Tatsächlich aber handelt es sich bei dem Foto um die Ausschnittsvergrößerung einer Fernsehaufnahme von 3sat. Es stammt aus einer Sequenz, in der ein Höcke-Freund mit seinem Handy Bilder von eben diesem Denkmal macht.

All das sei in der Verhandlung in Heiligenstadt thematisiert worden, sagt Ruch. Sollte Höcke die Akten gelesen haben, müsse er das wissen. "Und er weiß eben auch, dass es keine Überwachung seines Grundstücks gegeben hat", so Ruch. "Wir haben recherchiert. Das ist legal."  Warum hat er dann zur  Vorstellung der Kunstaktion von Überwachung gesprochen? Ruch antwortet hier nicht ganz klar. "Kunst", sagt er einmal, "lebt von Zuspitzung." An anderer Stelle des Gesprächs freut er sich, dass ihm die gesamte AfD "auf den Leim gegangen ist". Björn Höcke sei einfach "nicht medienkompetent", so Ruch. 

Dazu passt eine Meldung in der Süddeutschen Zeitung aus dieser Woche. Die AfD plant - zunächst nur für die Bundestagsfraktion - den Aufbau eines eigenen Fernsehstudios, das künftig selbst produzierte Nachrichten an den Wähler bringen will. "Ungefiltert", wie der Sprecher der Bundestagsfraktion zitiert wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Februar 2018 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 17:17 Uhr

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88 Kommentare

16.02.2018 17:11 martin 88

@87 Ekkehard: Jetzt haben Sie mich aber in Verlegenheit gebracht ... Ich darf aus Ihrem Beitrag sinngemäß zitieren? "Antidemokraten schließen immer von sich auf Andere und können es nicht ertragen, dass es noch etwas Anderes neben ihrer Spur gibt."

So schwierig es für mich im Kontext Ihrer anderen Beiträge ist: Dieser Aussage stimme ich vollumfänglich zu!

16.02.2018 08:30 Ekkehard Kohfeld (Lieber Demokrat als grünes Nackedei) 87

@ Steinchen 85 Höcke ist unfähig, sich mit Humor, mit Künstlern, mit Kritik auseinanderzusetzen. Das zeigt, wie negativ (!) die "Toleranzwerte" dieses Pseudo-Elitären sind. "Dass er zum Lachen in den Keller geht, damit ihn niemand sieht" - so geht der echte "Volksmund", den Höcke anscheinend vertreten möchte.,##Woher wissen sie das liebes Steinchen kennen sie den Höcke persönlich oder berichten sie aus ihrem eigenen Umfeld,ich würde behaupten das letztere weil ihr Antidemokraten immer von euch auf andere schließt ihr könnte es nicht verstehen und vertragen das es noch etwas andere neben eurer Spur gibt vor allen Dingen etwas besseres das könnt ihr nicht vertragen.

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