Bornhagen Chef der Künstlergruppe muss Höckes Haus fernbleiben

Im Streit um das Mahnmal im Thüringer Wohnort des AfD-Politikers Björn Höcke gib es einen Gerichtsentschluss. Demnach darf sich der künstlerische Leiter der Berliner Aktivistengruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS), Philipp Ruch, dem Wohnhaus der Familie Höcke in Bornhagen (Eichsfeld) nur noch auf 500 Meter nähern. Das bestätigte das Amtsgericht Heiligenstadt auf Anfrage am Donnerstag.

Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des Zentrums für Politische Schönheit
Philipp Ruch Bildrechte: IMAGO

Ruch sagte, dass das ZPS inzwischen eine mündliche Verhandlung bei dem Gericht beantragt habe. Eine solche hat es nach Angaben des Gerichts zuvor wegen Dringlichkeit nicht gegeben. Durch die Anordnung ist es Ruch nach eigener Aussage nicht mehr möglich, seine Wohnung zu betreten. Ruch ist Mieter des Nachbarhauses. Auch könne er nicht mehr zu seinem Kunstobjekt gelangen. Beides liege weniger als 500 Meter von Höckes Haus entfernt. Der politische Künstler kündigte an, gegen den Gerichtsbeschluss juristisch vorzugehen.

ZPS-Aktivisten hatten aus Protest gegen eine umstrittene Rede Höckes Anfang Dezember die Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals auf einem Nachbargrundstück errichtet. Frühere Angaben, die Gruppe habe den Politiker und seine Familie über Monate hinweg beobachtet, haben die Künstler mittlerweile zurückgezogen. Dagegen hatte sich die Ehefrau des Politikers gewehrt. Sie sieht ihre eigenen und die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder verletzt. 

Der Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals sorgt seit dem Aufstellen bundesweit für Aufsehen. Höcke selbst hatte das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Januar bei einem Auftritt in Dresden als "Denkmal der Schande" bezeichnet. Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag und Chef des Thüringer Landesverbandes. Der ehemalige Geschichtslehrer hatte schon mehrfach mit seinen Äußerungen für Empörung gesorgt.

Holocaust-Mahnmal bei Haus von Björn Höcke in Bornhagen eröffnet

Zwei Polizeiautos und mehrere Reporter sowie ein Kamerateam stehen vor dem mit Holzbrettern verkleideten Wohnhaus des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Bornhagen im Eichsfeld
Medienrummel und Polizeiaufgebot in Bornhagen: Der Ort im thüringischen Eichsfeld ist Schauplatz einer Kunstaktion der Gruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS). Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob
Zwei Polizeiautos und mehrere Reporter sowie ein Kamerateam stehen vor dem mit Holzbrettern verkleideten Wohnhaus des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Bornhagen im Eichsfeld
Medienrummel und Polizeiaufgebot in Bornhagen: Der Ort im thüringischen Eichsfeld ist Schauplatz einer Kunstaktion der Gruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS). Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob
Stelen aus Beton stehen als Holocaust-Mahnmal arrangiert auf dem Nachbargrundstück neben dem Haus des Thüringer AfD-Politikers und Landtagsabgeordneten Björn Höcke in Bornhagen im Eichsfeld.
Gleich neben dem Grundstück des AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke haben die Aktionskünstler eine kleinere Version des Holocaust-Mahnmals in Berlin errichtet. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa
Holocaust-Mahnmal für Björn Höcke
Die Gruppe um den Philisophen und Künstler "Morius Enden", der mit bürgerlichem Namen Philipp Ruch heißt, ist für umstrittene Iszenierungen bekannt. Bildrechte: MDR
Björn Höckes Haus und das für ihn durch die Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" gebaute Mahnmal.
Die 24 Stelen aus Beton sollen an die Ermordung der Juden während der Nazi-Zeit erinnern - und dem Rechtspopulisten Höcke zu einem "zeitgemäßen Umgang mit der deutschen Geschichte" verhelfen. Bildrechte: MDR
Zwei Polizeiautos stehen vor dem mit Holzbrettern verkleideten Wohnhaus des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Bornhagen im Eichsfeld
Die Thüringer Polizei sicherte die Eröffnung des Mahnmals vor Höckes Wohnhaus in Bornhagen ab. Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob
Eine Frau an der Haustür und eine Polizist.
Ein Beamter spricht mit einer Aktivistin der Künstlergruppe. Das ZPS hatte das Nachbarhaus im Frühjahr angemietet. Bildrechte: MDR
Journalisten werden von einer Gruppe Anwohner beleidigt und von einem Gelände gedrängt.
Am Mittwochnachmittag haben Anwohner gegen das Holocaust-Mahnmal protestiert. Bildrechte: MDR
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. November 2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14. Dezember 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2017, 17:55 Uhr

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41 Kommentare

16.12.2017 15:20 Gottlieb 41

@ Ex-Thüringerin (33, 45)
Und der Zweck heiligt die Mittel? Diese Auffassung kann man bei Fanatikern aller Sorten häufig antreffen. Mit liberaler Demokratie und Rechtsstaat und der Würde des Menschen hat das nichts zu tun, wohl aber mit totalitären Systemen. Dort müßte Höcke jetzt Selbstkritik bis zur Selbstaufgabe üben. Glücklicherweise sind wir hier noch nicht so weit. Ich stimme übrigens mit Ihrer Vorstellung von einer wünschenswerten Erinnerungskultur nicht überein. Gedenkkultur sollte Mut machen und Aufbruchstimmung erzeugen, nicht aber zu ständiger Selbstkasteiung verdammen. Was wir unseren Kindern und Enkeln, sofern noch vorhanden oder in Aussicht, antun, ist furchtbar.

16.12.2017 11:20 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 40

@ 27:
Das vierte Foto der hier verlinkten Fotoreihe zeigt für einen technisch Interessierten recht deutlich die Qualität der nachgebauten Stelen:
unsauber verputzte Kanten bei der Zusammenfügung der 'Spanplatten' (o.k. - es könnte sich auch um Vollholzplatten handeln) sowie die unsauber verputzten Vertiefungen an den Kanten der anliegenden Platten, die wohl durch Verschraubungen entstanden.

Ich schätze, das Zusammenschrauben einer Stele hat ca. 7-10 min gedauert, das Verspachteln und Bemalen weitere 10-15 min... mit ein bissl Planung und disziplinierter Ausführung fährt man das Material dafür mit zwei Kleintransporter heran. Vier Mann brauchen dann ca. drei Stunden für 24 Stelen, acht Mann ein-einhalb Stunden.

Das klappt auch durchaus mal zwischen Aufstehen und Frühstücken...

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