Waldumbau in Thüringen Zwei Millionen Eicheln: Forstbaumschule züchtet Bäume für den Wald der Zukunft

von Thomas Kalusa

Stürme, Trockenheit und Schädlinge haben die Wälder in Thüringen schwer geschädigt. Forstleuten ist schon seit Jahrzehnten klar, dass die immer wärmeren Temperaturen einen Waldumbau nötig machen. Weg von den Fichten in Monokulturen, hin zu stabileren Mischwäldern. Doch dass sich die Fichte nach nur einem Hitzesommer nun fast flächendeckend verabschiedet hat, macht die Sache dringender denn je.

Dankbar, dass es die Baumschule noch gibt

Baumsetzlinge in der Forstbaumschule Breitenworbis
In langen Reihen stehen Baumsetzlinge auf den Feldern der Forstbaumschule in Breitenworbis. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Die staatseigene Forstbaumschule in Breitenworbis stand ebenfalls schon manches Mal vor dem Aus. In Sachsen-Anhalt, Hessen oder auch in Mecklenburg Vorpommern gibt es längst keine Staatlichen Baumschulen mehr. Nun ist man im Thüringer Landwirtschaftsministerium und beim staatlichen ThüringenForst dankbar, dass es die Thüringer Forstbaumschule noch gibt, und man für den anstehenden Waldumbau nicht allein auf private Baumschulen angewiesen ist. Auf 35 Hektar Fläche werden bei Breitenworbis im Eichsfeld seit 1964 aus Zapfen Nadelbäume, aus Bucheckern Buchen und aus Eicheln Eichen.

Leinefeldes Forstamtsleiter Kohlstedt vor einer Anpflanzung von Weißtannen in der Forstbaumschule Breitenworbis
Leinefeldes Forstamtsleiter Kohlstedt vor einer Anpflanzung von Weißtannen in der Forstbaumschule Breitenworbis Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Nun ist diese Arbeit wichtiger denn je, sagt der zuständige Forstamtsleiter Elger Kohlstedt, dessen Vater schon die Baumschule leitete. Kohlstedt sagt, schon seit Jahren pflanze man besonderes wärmeliebende Bäume an. Statt der Fichte die Weißtanne, die tiefer wurzelt, und statt der Buche die Eiche, die sich auch auf Kahlschlägen entwickeln kann. Auch Nussbaumarten und Ebereschen sollen helfen.

Die Douglasie, die oft als standortfremd geschmäht wird, gehört nach Meinung der Forstleute auch auf jeden Fall hierher. Sie habe Stürme wie Kyrill, Torsten, Kirsten und Frederike überstanden und dank ihrer tiefen Wurzeln auch die Trockenheit.

Immerhin haben die Eichen genug Samen produziert

Eichensetzlinge in der Forstbaumschule Breitenworbis
Eichensetzlinge Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Der nun anstehende Waldumbau, der schneller nötig ist als jeder Experte vermutet hat, ist aber eine Herausforderung. Das Jahr 2018 war für den Wald eigentlich "durchgehend" schlecht, sagt Elger Kohlstedt. Das einzig Gute war, dass die Eichen ein sogenanntes Mastjahr hatten und massenhaft Eicheln produziert haben.

Zwei Millionen Eicheln aus allen Regionen Thüringens hat man in Breitenworbis zusammengetragen und mit Herkunftsregistrierung in langen Reihen angepflanzt. Sie könnten dem neuen Wald eine wichtige Stütze sein. Noch sind die Stecklinge klein, aber schon im nächsten Jahr im Herbst, so Kohlstedt, könnten sie in ihren Herkunftsgebieten angepflanzt werden.

Bestandsaufnahme der Schäden notwendig

Zunächst aber muss eine Bestandsaufnahme erfolgen. Thüringens Forstministerin Birgit Keller hat dazu am Montag ihre volle Unterstützung zugesagt. Der 30 Millionen Euro umfassende Haushalt von ThüringenForst wird dazu um 4,5 Millionen Euro aufgestockt.

Nun müsse man auch die Leute für die Bestandsaufnahme finden. Nötig seien etwa 100 Leute, die die Wälder sichten sollen. Dazu braucht es auch "echte" Waldarbeiter, denn in den Wäldern kracht es derzeit. Unvermittelt fallen trockene Äste zu Boden. Um den Wald wieder sicher zu machen, müssen mindestens entlang der Wege trockene Bäume gefällt werden.

Auch die Forstbaumschule soll mehr Personal kriegen, wurde nun mit der Ministerin vereinbart. Ziel soll es sein, jedes Jahr mindestens zwei Millionen Pflanzen auszubringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 06. August 2019 | 05:41 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 12:24 Uhr

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4 Kommentare

07.08.2019 14:33 Eulenspiegel 4

„Zwei Millionen Eicheln: Forstbaumschule züchtet Bäume für den Wald der Zukunft“
Also ich finde es ganz toll das diese Forstbaumschule der ganzen Klimakatastrophe ein positives Zeichen entgegensetzt. So ist es richtig! An die nächsten Generationen denken und Verantwortung übernehmen.

06.08.2019 13:54 Sr.Raul 3

Das stimmt so nicht, @2 (Knut). Bei zu dichtem Bestand kommt es logischer Weise zu einem Konkurrenzdruck zwischen den einzelnen Gehölzen hinsichtlich der Baumversorgung, des Lichts (Assimilation/Photosynthese) und Entwicklung des Habitus. Ein solitär stehender Baum kann sich besser versorgen, besser Assimilieren und besser seinen arttypischen Habitus entwickeln.

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