Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Teilnehmerinnen des Gottesdienstes bei der Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Religion "Maria 2.0" in Thüringen: Frauen fordern Veränderung in der Kirche

Die katholische Frauenbewegung "Maria 2.0" ist auch in Thüringen angekommen: Zur Frauenwallfahrt auf dem Kerbschen Berg trugen zahlreiche Frauen weiße Tücher zum Zeichen für eine offene und gleichberechtigte Kirche.

von Karin Bühner

Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Teilnehmerinnen des Gottesdienstes bei der Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Was wäre, wenn bei der nächsten Frauenwallfahrt im katholischen Eichsfeld eine Bischöfin zu den Gläubigen predigt? Oder: Bei der Männerwallfahrt eine geweihte Frau den Segen erteilt? Tatsächlich könnten sich das zahlreiche Katholikinnen vorstellen, wie eine Umfrage von MDR THÜRINGEN ergab.

Eine offene katholische Kirche, gleichberechtigt für Mann und Frau, das war zum ersten Mal Thema einer Frauenwallfahrt. Und das Thema kam gut an. "Längst überfällig", so die Meinung vieler. Andere wiederum warnten vor zu hohen Erwartungen.

Bistums-Referentin Annegret Rhode ist zuversichtlich: Von der Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt gehe ein Zeichen aus, dass sich Kirche wandeln müsse. Die Frauenwallfahrt im Eichsfeld gab am Sonntag den Anstoß , in ganz Thüringen über die Kirche der Zukunft zu diskutieren. Die katholische Kirche müsse nun belegen, "warum Frauen von den Weiheämtern ausgeschlossen werden", so Annegret Rhode.

Dabei sei das Bistum Erfurt bereits gesprächsbereit. Miteinander Christsein sei hier selbstverständlich, so Rhode. Doch diese Botschaft müsse auch in Rom ankommen.

Religion Weiße Tücher als Zeichen bei Frauenwallfahrt im Eichsfeld

Rund 1.800 Frauen haben an der Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg teilgenommen. Viele trugen weiße Tücher - das Symbol der kirchlichen Frauenbewegung Maria 2.0.

Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Fahnenträgerinnen ziehen in den Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt ein. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Fahnenträgerinnen ziehen in den Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt ein. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Der Gottesdienst fand unterhalb der Marienkirche auf dem Kerbschen Berg statt. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Viele Teilnehmerinnen trugen weiße Tücher als Zeichen ihrer Sympathie mit der Fraueninitiative "Maria 2.0", die Veränderungen in der römisch-katholischen Kirche fordert. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Gesang beim Gottesdienst. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Ulrich Neymeyr, Bischof des Bistums Erfurt, bei seiner Predigt. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Frauen bei den Fürbitten ... Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
... und bei der Gabenbereitung. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Der Weihbischof des Bistums Erfurt, Reinhard Hauke, im Gespräch mit Teilnehmerinnen der Wallfahrt. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
Frauenwallfahrt zum früheren Franziskanerkloster auf dem Kerbschen Berg bei Dingelstädt im Eichsfeld.
Picknick nach dem Gottesdienst. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus
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Bischof sieht noch "Luft nach oben"

"Es ist noch Luft nach oben" - so lautete die Antwort des Erfurter Bischofs Ulrich Neymeyr auf die neuen Töne der katholischen Frauen. Der Bischof sagte MDR THÜRINGEN, dass Frauen vielfältig in der Kirche mitarbeiten, aber längst noch nicht alles erreicht sei. Neymeyr kann sich Frauen im Priesteramt vorstellen. Zudem sprach er sich dafür aus, verheiratete Diakone oder Gemeindereferenten zu Priestern zu weihen. Den Gottesdienst deshalb zu bestreiken, das sei nicht der richtige Weg, so der Bischof.

In seiner Predigt zur Frauenwallfahrt ermunterte er die Frauen, zu reden, die richtigen Worte zu finden. Er setzt sich für einen besseren Umgang der Menschen untereinander ein.

Kein Streik in katholischen Kirchen Thüringens

Einen Streik in den katholischen Kirchen Thüringens wie in Münster können sich die Katholikinnen hierzulande nicht vorstellen. Damit würden die Frauen den Zielen nicht näherkommen, so Annegret Rhode. Diskutieren sei jedoch wichtig. Denn die Frauenbewegung sei längst nicht überall in Thüringer Gemeinden bekannt.

Unter dem Motto "Maria 2.0" war sie in Münster entstanden. Die gläubigen Frauen, die vielfach ehrenamtlich tätig sind, wollen damit gegen Machtstrukturen in der Kirche und die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger protestieren. In einer Online-Petition an Papst Franziskus fordern die Frauen von "Maria 2.0" Zugang zu allen Ämtern der Kirche und die Aufhebung der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester (Zölibat).

Die großen katholischen Frauenverbände KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) und kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) bezeichneten den Kirchenstreik als wichtiges Signal und appellierten an die Deutsche Bischofskonferenz, das nicht länger zu ignorieren.

Was es mit "Maria 2.0" auf sich hat

Maria 2.0, auch Kirchenstreik genannt, ist eine von Frauen in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ausgehende Initiative. Sie initiierte unter anderem Aktionswochen in Süddeutschland. Zum Zeichen für Maria 2.0 tragen die Frauen weiße Kleidungsstücke, Tücher, Blüten und Kerzen. In mindestens 50 Orten fanden bereits Aktionen im Rahmen von Maria 2.0 statt.

Ausgangspunkt der Initiative war ein Lesekreis in der Pfarrei Heilig Kreuz in Münster. In einer Online-Petition mit einem offenen Brief an Papst Franziskus fordern die Teilnehmerinnen Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Aufhebung des Pflichtzölibats. Auch der Umgang mit den Opfern der Missbrauchsfälle wird kritisiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 02. Juni 2019 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juni 2019, 15:59 Uhr

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5 Kommentare

04.06.2019 11:25 Dietmar Mann 5

Die Aussage von Frau Kötter, bei der sog. Aktion "Maria 2.0" gehe es nicht um einen Boykott von Gottesdiensten, ist nachweislich unzutreffend ! Genau darum ging es den Verantwortlichen, wenn dazu aufgerufen wurde (Zitat): "Wir bleiben draußen". Was ist es denn Anderes als ein Boykott von Gottesdiensten, wenn zu "eigenen" (?) Gottesdiensten aufgerufen wurde? Wenn Aktivisten nach dem Wortgottesdienst die Kirche bewußt verlassen und damit der Eucharistie bewußt fernbleiben? Mit anderen Worten: Maria, die Mutter Jesu wird von dieser Aktion (die sich besser "Reformation 2.0" nennen sollte) für eigene Wunschvorstellungen instrumentatisiert und verzweckt, indem Christen die Begegnung mit ihrem Sohn (in der heiligen Eucharistie) boykottieren mögen!

03.06.2019 23:03 part 4

Nun da die Kirche nicht mehr so sehr als Institution zum Machterhalt von bestimmten Gesellschaftsformen benötigt wird, wird deutlich wie rückständig und partiarchal der Aberglaube einst dazu diente Machtstrukturen in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten, obwohl die Botschaft aus unzähligen Überliferungen vom Hörensagen und Abschriften ursprünglich vielleicht ein ganz andere war. Es braucht auch kein Eigentum von Kirchenfürsten nicht mehr vererbt zu werden, einst ein Grung für das Zölibat. Die Kirchen dürfen heute behalten was das Ihre ist und bekommen zusätzlich Entschädigungen für einstige Enteignungen bis zum Sanktnimmerleinstag.

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