Leinefelde-Worbis Polizei greift bei Streit zwischen mutmaßlichen Mafia-Clans ein

Die Polizei ist am Donnerstagabend in Nordthüringen mit einem Großaufgebot gegen zwei rivalisierende armenische Gruppen vorgegangen. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN waren bereits am Mittag zwei armenische Clans in Streit geraten. Sie stritten wegen der vermeintlichen Entführung einer 21-jährigen Frau, die sich bei einem 26-jährigen Mann aus dem anderen Clan aufhielt. Mit bis zu 30 Autos war eine der Gruppen Donnerstagabend zum Elternhaus des angeblichen Entführers gefahren. Anwohner hatten daraufhin die Polizei informiert. Tatsächlich handelte es sich laut Polizei bei der angeblichen Entführung um die Flucht der 21-Jährigen vor einer Zwangsverheiratung. Die Familienangehörigen der Braut aus Schleswig-Holstein waren mit ihrem Alleingang nicht einverstanden und planten mit fast 100 Beteiligten eine Attacke auf den armenischen Clan im Eichsfeld.

Eine Frau wird an einer Tankstelle von Polizisten kontrolliert.
Die Polizei kontrolliert eine Frau an einer Tankstelle. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Nachdem sie in ein Haus eingedrungen waren, reagierte die Polizei mit ebenfalls fast 100 Beamten, auch vom Spezialeinsatzkommando. Zudem kam ein Hubschrauberzum Einsatz, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Sie durchsuchten zahlreiche Fahrzeuge und entdeckten unter anderem einen Säbel und einen Totschläger. Die 21-Jährige und der 26-Jährige ließen sich nicht blicken. Zwölf mutmaßlich Beteiligte wurden an einer Tankstelle in Leinefelde-Worbis vorläufig festgenommen. Die Ermittlungen dauern an. Der Einsatz wird polizeiintern als Russisch-Eurasische Organisierte Kriminalität eingestuft. Schon im Frühjahr 2018 war es in Worbis mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen diesen Clans gekommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 15. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 09:19 Uhr

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17 Kommentare

16.02.2019 13:06 martin 17

@14 staatsversagen: Knapp 100 Beamte incl. SEK und Hubschrauber im Einsatz - aber der Staat unternimmt angeblich nichts? Zuviel Schaum vor dem Mund?

@16 Silvio: Die Dunkelziffer ist bei vielen Verbrechen sehr hoch - sicher auch bei der sog. Clankriminalität. Dass die Angst von Opfern und Zeugen bei organisierter Kriminalität die Aussagebereitschaft massiv einschränkt, ist sicher auch richtig. Dass es aber zu einer Zunahme der Clankriminalität gekommen ist, wage ich zu hinterfragen. D ist wohl schon lange "Rückzugsraum" und "Geldwaschanlage" der Mafia. Und die Berichte über Erfurt weisen auf entsprechende Aktivitäten seit der Wende hin. Ich denke, dass sie jetzt nur verstärkt in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist - vielleicht auch weil die Behörden endlich in der Bekämpfung einen Schlag zugelegt haben.

16.02.2019 09:56 der_Silvio 16

Vor einigen Tagen schrieb ein Kommentator, daß diese Clans eine klitzekleine Randerscheinung seien.
Hier fehlt Eulenspiegel, warum nur?
Die Clankriminalität ist weiter auf dem Vormarsch. Und das so wenig Taten erfasst werden, dürfte wohl daran liegen, daß sehr viele Betroffene und Opfer aus Angst keine Anzeige erstatten und die Dunkelziffer sehr viel höher sein dürfte.

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