Tradition und Weltkulturerbe Weniger Zuschauer bei Prozession zum Palmsonntag in Heiligenstadt

Tausende Zuschauer haben erneut die Prozession zum Palmsonntag in Heiligenstadt begleitet. Mit rund 4.000 Besuchern waren es laut Polizei jedoch etwa nur halb so viele wie im Vorjahr. Gläubige Christen erinnern mit dem Zug zum Beginn der Karwoche an das Leiden und Sterben Jesu. Sechs lebensgroße, mehrere Zentner schwere Skulpturen werden dabei traditionell durch die Stadt getragen. Sie zeigen unter anderem Jesus am Kreuz und im Grab.

Prozession zum Palmsonntag in Heiligenstadt
In Heiligenstadt gilt es als Ehre, eine der Skulpturen während der Prozession tragen zu dürfen - so wie David Schiller (33), der beim Transport des Grabes hilft. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Die Teilnahme sei stets wetterabhängig, sagte der Eichsfelder Propst Hartmut Gremler MDR THÜRINGEN. Ein einziges Mal in der rund 400-jährigen Geschichte musste der Leidenszug nachweislich ausfallen - wegen Glatteises. Trotz des kalten Regens waren dennoch Christen aus ganz Deutschland in das katholisch geprägte Heiligenstadt gekommen, um die einzigartige Atmosphäre zu erleben. Die Straßen waren erfüllt von Gebeten und dem Gesang religiöser Lieder. Laut Gremler hat der Zug als eine der bedeutensten Passionsprozessionen Deutschlands nichts an Anziehungskraft eingebüßt. Sie sei nicht nur für Katholiken ein Begriff. Auch evangelische Christen reihen sich laut Gremler in den Umzug ein. In seinen Ursprüngen reicht der religiöse Umzug vermutlich bis in das Mittelalter zurück und wurde von den Jesuiten ab dem 16. Jahrhundert erweitert. Die Palmsonntagsprozession gehört seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. April 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2019, 16:22 Uhr

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5 Kommentare

16.04.2019 17:25 Horst Steinle 5

Das Mittelalter läßt grüßen. Man kann es nicht nachvollziehen, dass es immer noch so etwas gibt.

15.04.2019 13:41 Realist2014 4

@Nr. 3: Die Katholiken müssen Ihren Atheismus ja auch aushalten. Das ist in einer pluralistischen Demokratie so. Übrigens gibt es diese Prozession schon seit Jahrhunderten und wurde auch in der SED-Diktatur weiterhin durchgeführt. Wenn Sie alle Traditionen, Feste, Bräuche und Kulturgüter mit religiösen Hintergrund/Ursprung abschaffen wollten, bliebe von der europäischen Kultur und unseren vielen schönen Traditionen und Festen fast nichts mehr übrig. Dann müssten Sie zudem auch konsequenterweise fast sämtliche Bilder der großen Meister aus den Museen nehmen und verbrennen. Das wäre dann das Ende des europäischen Abendlands.

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