Gefällte Bäume in einem Waldstück
Spuren des Borkenkäfers Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

Kaputte Wälder nach Sturm "Friederike" Forstämter im Wettlauf mit dem Borkenkäfer

Durch das Sturmtief Friederike sind in den Wäldern von Thüringen zahlreiche Bäume umgefallen. Das Holz muss dringend raus, denn es bietet dem Borkenkäfer ideale Voraussetzungen, um sich zu vermehren. Doch durch die Aufräumarbeiten ist so viel Holz auf dem Markt, dass die Preise in den Keller rutschen.

von Sebastian Jakob

Gefällte Bäume in einem Waldstück
Spuren des Borkenkäfers Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

Die Fichten liegen wie Mikado-Stäbe übereinander. Das Sturmtief Friederike hat im Januar europaweit schwere Schäden angerichtet. Besonders betroffen: das Forstamt Leinefelde im Eichsfeld. Rund 120.000 Festmeter Schadholz muss Ralf Goldmann zusammen mit seinen Kollegen aus dem Wald holen. Doppelt so viel, wie sie sonst im ganzen Jahr ernten. Die Zeit drängt. Denn die Windwurf-Flächen sind für den Borkenkäfer ein gefundenes Fressen.

"Durch das milde und trockene Wetter kann sich der Borkenkäfer extrem gut vermehren. Das bereitet uns große Sorge." Der stellvertretende Forstamtsleiter Goldmann untersucht die Rinde einer umgestürzten Fichte. Schätzungen zufolge sind thüringenweit 200.000 Festmeter Holz von dem Schädling befallen. Tendenz steigend. Denn durch die Sturmschäden sind die Bäume besonders anfällig.

Pflanzenschutzmittel sind geplant

Gefällte Bäume in einem Waldstück
Hier wird das Holz zwischengelagert. Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

Eigentlich sind Pflanzenschutzmittel bei Thüringenforst letztes Mittel. Förster Goldmann ist sich aber sicher, dass sie in diesem Jahr zum Einsatz kommen werden. "Anders ist es gar nicht zu schaffen. Wir brauchen mindestens bis September, um die Sturmschäden in unserem Forstamt aufzuräumen."

Andere Forstämter wollen schon Ende des Monats Juli fertig sein, waren aber auch weniger betroffen. Doch die Aufräumarbeiten führen zu einem Problem: Durch die große Menge an geerntetem Fichtenholz ist der Markt übersättigt. Die Folge: niedrige Verkaufspreise.

Enormer Preisverfall

Gefällte Bäume in einem Waldstück
Fast aufgeräumte Freifläche im Forstgebiet Leinefelde. Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

"Vor dem Sturm hat eine gute Fichte etwa 90 Euro pro Festmeter gebracht. Jetzt sind die Preise um zehn bis 15 Euro zurückgegangen", erklärt Horst Sproßmann, Pressesprecher bei Thüringenforst.  Insgesamt geht er von 850.000 Festmeter Schadholz aus: 650.000 Festmeter, die dem Sturm zum Opfer gefallen sind, sowie mindestens 200.000 Festmeter, die vom Borkenkäfer befallen sind. Sollte sich die Zahl noch erhöhen, könnten auch die Preise weiter fallen.

Damit nicht noch mehr Holz in Umlauf kommt, werden bis mindestens September keine gesunden Bäume gefällt. Dann sind vor allem Laubbäume dran, denn die haben dem Sturm getrotzt und sind derzeit sehr gefragt.

"Dann kommt ein schöner Mischwald hin"

Harvester bearbeitet in einem Wald Holz
Harvester im Einsatz. Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob

Förster Goldmann beobachtet zufrieden die Aufräumarbeiten. Der sogenannte Harvester entastet und zerkleinert die umgefallenen Bäume. Die Maschine ersetzt die Arbeitskraft von zehn Waldarbeitern. Wenn die Windwurf-Fläche richtig aufgeräumt ist, wird sie aufgeforstet. Das heißt, neue Bäume werden gepflanzt. "Dann kommt hier aber ein schöner Mischwald hin." Denn die Kombination aus Nadel- und Laubbäumen sei viel widerstandfähiger als reine Fichten-Wälder und trotzen auch mal einem so heftigen Sturm wie Friederike einer war.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 02. Juli 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2018, 20:35 Uhr

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