Bornhagen Künstler stellen "NPD-Wahlplakate" mit Höcke-Konterfei auf

Die Berliner Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hat den AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke weiter im Visier. Am Ortseingang von Bornhagen haben die Aktionskünstler am Mittwoch zwei Mal drei Meter große "NPD-Wahlplakate" aufgestellt, die für einen NPD-Kandidaten Landolf Ladig werben.

Morius Enden im Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals der Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit neben Björn Höckes (AfD) Wohnhaus in Bornhagen
Morius Enden von der Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" Bildrechte: MDR / Thomas Kalusa

Auf dem Plakat ist neben diesem Namen das Gesicht von Björn Höcke zu sehen. Damit solle zwischen dem Pseudonym Ladig und Höcke eine Verbindung geschaffen werden, wie der Künstlerische Leiter, Philipp Ruch, MDR THÜRINGEN sagte. Höcke wird verdächtigt, unter diesem Namen Artikel in NPD-Zeitschriften veröffentlicht zu haben.

Parallel zu den "Wahlplakaten" suchen die Aktionskünstler nach "gerichtlich verwertbaren Beweisen", dass Landolf Ladig und Björn Höcke dieselbe Person sind. Belohnungen zwischen 250 und 5.000 Euro wurden ausgelobt und entsprechende Flugblätter verteilt. Hintergrund der Aktion ist laut ZPS auch der Bundesparteitag der AfD am kommenden Wochenende in Hannover. Dort stehen die Vorstandswahlen an, bei denen Höcke möglicherweise kandidieren will.

Laut Polizeisprecherin Fränze Töpfer haben Polizisten, die seit Tagen vor Ort in Bornhagen sind, den Sachverhalt bereits aufgenommen und an die zuständigen Ordnungsbehörden im Landkreis Eichsfeld weitergeleitet. Die Plakate seien zunächst umgedreht worden. Am Nachmittag sind sie komplett entfernt worden.

Ein hoher Metallzaun vor einer verfallenen Scheune.
An diesem Bauzaun am Rande von Bornhagen hingen die beiden Plakate. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Mitglieder des ZPS hatten in den vergangenen Tagen bereits eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals vor Höckes Haus in Bornhagen aufgebaut. Direkt vor dem Grundstück des Thüringer AfD-Landeschefs in Bornhagen im Eichsfeld wurden 24 Betonstelen errichtet. Höcke selbst hatte das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Januar bei einem Auftritt in Dresden als "Denkmal der Schande" bezeichnet.

Jüdische Landesgemeinde sieht Mahnmal zwiespältig

Reinhard Schramm
Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen begrüßt grundsätzlich die Kunstaktion der Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS), Björn Höcke eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals neben sein Haus zu stellen. Allerdings lehne er die konkrete Form der Kunstaktion in ihrer Gesamtheit ab, sagte der Vorsitzende Reinhard Schramm dem MDR-Kulturmagazin artour.

Schramm sagte weiter, man müsse den AfD-Politiker entzaubern: "Wir müssen ihn als das sehen, was er ist: eine Gefahr für die Demokratie." Mit ihrer Aktion hätten die Künstler Höckes Würde zwar nicht beleidigt. Man müsse energisch und mit allen Argumenten, die es gebe, gegen ihn vorgehen, so Schramm. Allerdings ginge das ZPS an der Stelle zu weit, an der Personen von so einer Aktion betroffen seien, die selbst keine Schuld hätten. Für Höckes Familie ginge die Welt nicht unter, aber er finde es dennoch nicht nötig, sagte Schramm. Die Familie des AfD-Landeschefs sollte nicht beobachtet werden.

Die Aktionskünstler wollten jedoch, dass Staat und Verfassungsschutz Stärke zeigten und den AfD-Politiker kontrollierten, so Schramm weiter. "Weil die Richtung, in die er geht, ist eine gefährliche Richtung" und die Künstler symbolisierten eigentlich nur: So ein Mann müsse im Auge behalten werden.

Schramm will keinen Höcke-Kniefall

Der Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals der Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit neben Björn Höckes (AfD) Wohnhaus in Bornhagen
Die Betonstelen in Bornhagen waren von Unbekannten beschädigt worden. Bildrechte: MDR / Thomas Kalusa

Besonders die ursprüngliche Idee des ZPS, Höcke solle vor der Mahnmal-Nachbildung einen Kniefall machen, stört den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. So wie Höcke bisher das Ansehen der Opfer des Holocaust aus seiner Sicht beleidigt habe, sagte Schramm, wäre das eine Geste, die er von Höcke nicht wolle. "Die Analogie, die sich da auftut zu Brandt, der aktiv gegen den Faschismus gekämpft hat, der in der Emigration seine Heimat damals verloren hat, den heute mit Herrn Höcke zu vergleichen, das geht mir nicht in den Kopf." Die Aktionskünstler sind zwischenzeitlich von ihrer Forderung nach einem Kniefall Höckes zurückgetreten.

Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag und Chef des Thüringer Landesverbandes. Der ehemalige Geschichtslehrer hatte schon mehrfach mit seinen Äußerungen für Empörung gesorgt. So soll er 2011 und 2012 nationalsozialistisches Gedankengut unter dem Namen Landolf Ladig in NPD-Zeitschriften veröffentlicht haben. Abschließende Beweise dafür gibt es nicht, Höcke selbst hat eine Urheberschaft der Texte mehrfach abgestritten. 2014 forderte Höcke in einer internen Mail die Abschaffung des Paragrafen zur Holocaustleugnung.

Quelle: MDR THÜRINGEN / artour

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2017, 20:53 Uhr

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146 Kommentare

01.12.2017 21:05 Petra Stein 146

@Janes, 142
was es bringen würde? Auf jeden Fall Klarheit für die AfD-Wählerschaft, so oder so. Daher sollte doch auch BH einer Untersuchung willig zustimmen?

Übrigens gab es wohl 2015 schon mal eine eingehende Beschäftigung mit der Frage, auch von Seiten unterschiedlicher Redaktionen, die allerdings alle die gleiche Quelle mit immer demselben Textvergleich heranzogen. Es könnte immer noch irgendwo einen anderen ähnlichen Verfasser geben (oder auch ein weiteres Pseudonym). Die AfD nimmt übrigens die Identität von LL und BH an, als Begründung für ihr Parteiausschlussverfahren. Im besten Fall für BH ist LL ein Plagiator. Dann könnte er aber dagegen vorgehen.

01.12.2017 20:37 Werner Kampmann 145

„Künstler stellen "NPD-Wahlplakate" mit Höcke-Konterfei auf“

Ist wohl nicht politisch korrekt?
Nahe liegend ist es allemal!

Der Udolf Pasörs von der NPD sieht selbst keinen großen Unterschied seiner NPD zur rechtspopulistischen AfD. In einer von Panorama veröffentlichten Sequenz lamentiert er über Höcke, der ihn und die NPD kopiere. Während er für seine Positionen aber verurteilt werde, fische Höcke "irgendwo am rechten Rand ab". (Gemein aber auch!)
„Spiegel“ vom 1.9.2016, unter der treffenden Headline „Adolf reloaded“ zu finden.

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