Nordhausen Erinnerung an die KZ-Befreiung

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora eröffnete die KZ-Gedenkstätte bei Nordhausen am Montag eine Ausstellung über die Todesmärsche von hunderttausenden KZ-Häftlingen zu Kriegsende.

Rüstungszwangsarbeit an 40 Orten

Bei einer Gedenkfeier erinnerten ehemalige Häftlinge aus Europa und Nordamerika zusammen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft an die tausenden Menschen, die in den letzten Kriegsjahren in dem Lager umkamen. Mittelbau-Dora war im August 1943 als Außenlager des KZ Buchenwald entstanden und wurde 1944 zum selbstständigen Konzentrationslager mit 39 Außenlagern in den umliegenden Orten südlich des Harzes. Insgesamt rund 60.000 Menschen mussten in den teilweise unterirdischen Anlagen für die Rüstungsproduktion arbeiten, rund 20.000 von ihnen starben.

"Wer zurückblieb, hat sein Todesurteil unterschrieben"

Die Ausstellung "Zwischen Harz und Heide. Todesmärsche im April 1945" erinnert an die Räumungstransporte zur Evakuierung des Lagers im Frühjahr 1945. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs trieben die Nationalsozialisten Hunderttausende Gefangene aus den Konzentrationslagern durch Deutschland, Österreich und Tschechien. Die SS ließ dabei vor allem frontnahe Konzentrationslager räumen, um zu verhindern, dass die Alliierten Häftlinge befreiten. Bis auf die Knochen abgemagerte Menschen schleppten sich zu Fuß voran oder wurden in überfüllte Güterwaggons gepfercht, tagelang ohne Essen und Trinken. Häftlinge, die vor Erschöpfung liegenblieben, wurden erschossen. "Wer zurückblieb, hat sein Todesurteil unterschrieben", sagt dazu Jens-Christian Wagner, ehemaliger Gedenkstättenleiter in Nordhausen und heute Geschäftsführer der niedersächsischen Gedenkstättenstiftung. Nach dem Krieg habe eine Mehrheit der Deutschen die Verbrechen verdrängt und wolle auch weiterhin davon nichts wissen. Mittelbau-Dora wurde am 11. April 1945 von der US-Armee befreit. Sie hätten nur noch wenige hundert ausgezehrte Männer vorgefunden, sagte Gedenkstättendirektor Stefan Hördler.

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1 Kommentar

14.04.2015 16:38 Gefühlsgeseiche zum Schutz der Täter 1

"Nach dem Krieg habe eine Mehrheit der Deutschen die Verbrechen verdrängt und wolle auch weiterhin davon nichts wissen." Das ist völlig richtig festgestellt. Was mir fehlt, ist immer dasselbe: WARUM ist das so, WAS hat die Politik aktiv getan, um das zu ändern/verhindern, WER hat vom Verschweigen profitiert, welche Rolle haben die KIRCHEN gespielt? Und: Was ist aus den TÄTERN geworden? Es hilft nichts, immer nur Strukturargumente zu bringen. Die Mörder hatten Gesichter und die Mtläufer auch. Zu sehen bekommen wir die Opfer - aber nie oder nur seltenst die Täter.
Die Feigheit der Medien in dieser Frage ist ein wichtiger Faktor: im PC-Sprech wird in deutschen KZs "gestorben", umgekommen", "zu Tode gekommen", "verstorben" - nur Totgeschlagen, zu Tode gefoltert, ermordet, vergast, durch Sklavenarbeit zu Tode geschunden im Namen und auf Rechnung der I.G. Farben et al.: Diese Begrifflichkeit kommt so gut wie nie zum Einsatz. Und das wäre die einzig angemessene.