Umstrittenes Geheimdokument Zeitung macht Kali-Fusionsvertrag öffentlich

Nach mehr als 20 Jahren Geheimhaltung hat die Tageszeitung "Thüringer Allgemeine" eine Kopie des Kali-Fusionsvertrags erhalten und Details daraus veröffentlicht. Das 62-Seiten-Dokument und seine Anhänge haben die Eingliederung der Mitteldeutschen Kali AG in den westdeutschen Bergbaukonzern Kali und Salz geregelt - eine der umstrittensten Privatisierungen der Treuhandanstalt überhaupt.

"Die hässliche Fratze des Kapitalismus"

K+S erhielt damals 51 Prozent der Aktien, die Treuhand 49 Prozent. Für die Zusagen des Vertrages flossen Steuergelder im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Er besiegelte außerdem die Schließung der Kali-Grube in Bischofferode. Ende 1993 verloren dort 750 Kumpel ihre Arbeit. Die Schließung allein kostete die Steuerzahler rund 180 Millionen Euro.

Das Werk im Eichsfeld sollte stillgelegt werden, um eine Überproduktion in Deutschland zu verhindern. Kritiker argwöhnten jedoch, dass das Werk im Interesse der westdeutschen Industrie geopfert wurde, obwohl es allein gute Marktchancen gehabt hätte. Als im Juli 1993 der Treuhandausschuss des Bundestages der Kali-Fusion zustimmte, beschlossen einige Kumpel eine verzweifelte Maßnahme: Sie traten in einen unbefristeten Hungerstreik. Damit erzielten die Kali-Kumpel deutschlandweit Aufmerksamkeit. Ministerpräsident Bernhard Vogel sagte damals, am Beispiel Bischofferode habe sich die "hässliche Fratze des Kapitalismus gezeigt". Doch die Schließung des Kali-Werks war zu diesem Zeitpunkt längst notariell beurkundet - im geheimen Fusionsvertrag.


Die Bergleute konnten das Aus ihrer Grube letztendlich nicht verhindern. Acht von neun Thüringer Gruben wurden nach 1990 geschlossen. Lediglich in Unterbreizbach blieb ein Kali-Werk. Auch dieses gehört zu Kali und Salz.

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2014, 14:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

11.03.2014 08:05 FDH 3

@1. uli: Wenn ich mir rückblickend das Wahlverhalten der östlichen Neubürger anschaue, müsste der Westen eigentlich "Wiedergutmachung" verlangen. Wer hat denn so was wie die Kohl-CDU fleissig gewählt? Wieviele oder besser: wiewenige Abgeordnete aus den neuen Bundesländern sassen denn jahrelang im Parlament? Wer hat denn jedes protestierende Engagement garnicht erst entwickelt? Wer hätte es denn machen sollen, wenn nicht die Betroffenen selbst? Mal wieder der "Staat", nehme ich an...

10.03.2014 09:13 fcbrwe 2

Die Mentalität der Sieger über die Besiegten......