Alkoholmissbrauch Immer mehr jugendliche "Komasäufer"

47 Kinder und Jugendliche im Kyffhäuserkreis sind im vergangenen Jahr mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen. Wie der Jugendschutzbeauftragte des Kreises, Jeffrey Schulz, MDR THÜRINGEN sagte, waren das fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Die Zahlen seien in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Ein Jugendlicher sitzt in Schwerin hinter Flaschen mit Alkohol.
Im Mai wird es zum siebenten Mal eine "Aktionswoche Alkohol" in Deutschland geben. Bildrechte: dpa

Mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten will der Kreis noch stärker aufklären. So beteiligt er sich unter anderem an der bundesweiten Sucht-Präventionswoche, die am Sonntag beginnt. Im Herbst soll der sogenannte Revolution-Train im Kreis Halt machen - ein Anti-Drogen-Projekt, bei dem die Teilnehmer realitätsnah das Leben und auch das Sterben Drogensüchtiger erläutert bekommen. Das Projekt ist umstritten, weil es bewusst schockieren und vor einer Drogenkarriere abschrecken soll.

Suchthilfe berät Tausende

Insgesamt sind im vergangenen Jahr in Thüringen 15 Menschen an den Folgen von illegalem Drogenkonsum gestorben. Das sind ebenso viele wie 2017, wie das Gesundheitsministerium mit Verweis auf die offiziell vom Landeskriminalamt erfassten Fällen auf Anfrage mitteilte. Die Zahl der Drogentoten bewegt sich demnach seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau. Jährlich suchten zwischen 12.000 und 13.000 Menschen die Thüringer Suchtberatungsangebote auf. Bei den allermeisten von ihnen sei Alkohol das größte Problem, so Peter. Die Suchthilfe ist landesweit nach Angaben Peters in 22 stationären und 63 ambulanten Einrichtungen organisiert.

Zahlen steigen kontinuierlich

Komasaufen
Die direkten und indirekten Kosten alkoholbedingter Krankheiten werden pro Jahr auf 40 Milliarden Euro geschätzt.  Bildrechte: IMAGO

Nach Angaben des Landesamtes für Statistik wurden 2017 mehr als 600 Patienten im Alter von 10 bis 19 Jahren in Thüringer Kliniken behandelt. Besonders dramatisch ist der prozentuale Anstieg bei Kindern im Alter von 10 bis 14 Jahren: Von ihnen mussten im entsprechenden Zeitraum 104 wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden - im Jahr davor waren es 84.

Die wenigstens Fällen gab es der Statistik zufolge zuletzt im Jahr 2002 mit 366 Patienten im Alter von 10 bis unter 20 Jahren. Seitdem schwanken die Zahlen. Jährlich übermitteln die Krankenhäuser aber mehrere hundert Fälle.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Februar 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 15:21 Uhr

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8 Kommentare

11.02.2019 20:50 martin 8

@7 krause: Nicht jede differenzierte Betrachtungsweise ist eine Verharmlosung - vorausgesetzt das Weltbild besteht nicht nur aus "schwarz" und "weiß" .

Wer Kinder oder Jugendlichen entgegen den Vorschriften des Jugendschutzgesetzes Zugang zu Alkohol gewährt, handelt nicht strafbar - sondern lediglich ordnungswidrig und nicht jede Zugangsgewährung ist eine Ordnungswidrigkeit.

Was ich erreichen will? Einen vernünftigen Umgang mit Alkohol. Und ich glaube nicht, dass das Problem durch Verbot zu lösen ist - will Ihnen aber Ihren Glauben nicht nehmen.

11.02.2019 18:34 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 7

@ 6:
Sicherlich kann man Alkohol als "ungefährliche Droge" verharmlosen... die Frage bleibt, was man damit erreichen will. Heroin war bis Anfang der 20. Jahrhunderts "gesellschaftlich akzeptiert"; Backpulver ist nun mal noch nicht ganz so alt.
Es wird wie beim Heroin noch eine Weile dauern, bis sich die 'gesellschaftliche Akzeptanz' des Verbots von Alkohol für Jugendliche im gesellschaftlichen Bewußtsein niederschlägt; und wer weiß: vllt. wird Alkohol sogar mal ganz geächtet. Bis dahin werden noch viele, viele Menschen an dieser Droge sterben.

Wer Jugendlichen den Zugang zu Alkohol ermöglicht, macht sich damit unter Umständen schon strafbar. Um das 'bewußter' zu machen, müssen die Strafen dafür eben noch verschärft werden.

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