Greußen: Endgültiges Aus für Gartenhaus

von Katharina Melzer

Nun ist es entschieden: Das Gartenhaus der Familie Neubert aus Greußen muss weg. Sieben Jahre lang haben Helga und Rainer Neubert um den Bau gekämpft. Doch Gesetz ist Gesetz und dabei bleibt das Bauamt des zuständigen Kyffhäuserkreises hart.

Rainer und Helga Neubert aus Greußen im Kyffhäuserkreis sitzen vor einer Blockhütte an einem Gartentisch.
Rainer und Helga Neubert aus Greußen im Kyffhäuserkreis hatten bis zuletzt gehofft. Bildrechte: MDR / Katharina Melzer

Das muss es auch, denn der Gerichtsbeschluss vom Verwaltungsamt in Weimar dazu ist eindeutig und rechtskräftig. "Menschlich tut es mir leid, auch wenn ich das Alter der Betroffenen sehe und ich kann auch verstehen, dass man ein Gartenhäuschen im Alter haben will", sagte der Pressesprecher des Kyffhäuserkreises Heinz-Ulrich Thiele MDR THÜIRNGEN. "Aber als Vertreter des Landratsamtes muss ich auch ganz klar und deutlich sagen, dass Familie Neubert von Anfang an gewusst hat, dass diese Anlage an dieser Stelle nicht genehmigt werden kann. Auch wenn es mir Leid tut, sind wir zum Handeln verpflichtet."

Im Jahr 2003 hatte das Paar aus Greußen einen Bauantrag für sein Gartenhäuschen bei der Stadt gestellt. Der städtische Bauausschuss befürwortete den Bau. Dies war aber noch nicht die offizielle Genehmigung vom Landratsamt, die nötig gewesen wäre. Als die Absage kam, stand das Gartenhaus längst zwischen Kirschbäumen, Gartenteich und Kartoffelacker. Helga und Rainer Neubert reagierten darauf erstmal nicht. Dies ging bis 2011 gut.

Ein naturbelassener Teich in einem Garten.
Der Teich muss verfüllt werden. Bildrechte: MDR / Katharina Melzer

Durch einen Streit zwischen zwei anderen Nachbarn wurde das Bauamt des Kreises wieder auf die Anlage der Neuberts aufmerksam und ordnete den Abriss an. Da die Rentner dies nicht auf sich sitzen lassen wollten, schalteten sie einen Anwalt ein und klagten sich bis Anfang des Jahres bis zum Verwaltungsgericht in Weimar. 7.000 Euro Anwaltskosten haben sich angehäuft. Vergebens. Es gibt kein Happy End.

Die beiden wissen heute, dass sie ihre Anlage rein rechtlich niemals hätten bauen dürfen, da sich das Grundstück im Außenbereich der Stadt Greußen befindet. Einsehen wollten sie dies lange nicht. Sie hofften bis zum Schluss auf eine für sie akzeptable Lösung. "Bis wir nicht mehr sind, hätten sie das doch alles einfach dulden können und danach abreißen", schlug Frau Neubert vor. "Es hat sich doch nie jemand daran gestört."

Bäume und andere Pflanzen in einem Garten, im Hintergrund ist ein Grillplatz.
Künftig regelmäßig in den Garten zu kommen, können sich die Neuberts nicht vorstellen. Bildrechte: MDR / Katharina Melzer

Jetzt hat die Familie schon mit dem Abriss begonnen. Der Gartenteich wird verfüllt. Das Häuschen wird in seine Einzelteile zerlegt und muss dann entsorgt werden. Auch der Geräteschuppen muss weg. Wohin mit Rasenmäher, Gartensense und Co. wissen sie aktuell noch nicht. Die Gerätschaften jedes Mal von zu Hause mit in den Garten bringen kommt nicht in Frage.

Das Grundstück soll nun so angelegt werden, dass zwei Mal pro Jahr der Sohn der Neuberts mit dem Rasenmähertraktor kommen kann. Ansonsten wird nichts übrig bleiben. "Das tut uns in der Seele weh. Aber was sollen wir denn machen? Wieder zurück in den Garten zu kommen und zu wissen: Da hat das Gartenhaus gestanden, da war der Gartenteich. Das geht nicht. Das kann ich nicht", sagt Rainer Neubert traurig.

Eine technische Zeichnung des Garten-Grundrisses.
Alles war ganz genau aufgenommen worden für das Verfahren. Bildrechte: MDR / Katharina Melzer

Bis Ende des Monats muss alles weg sein. Das Landratsamt hat auch angekündigt, noch einmal zu kontrollieren. Auch andere Gartenbesitzer bangen nun um ihre Bauten. Und das nicht ganz zu Unrecht, gibt der Sprecher des Landratsamtes zu: "Wenn unsere Bauaufsicht vor Ort tätig ist, dann kann sie ja nicht mit geschlossenen Augen dort durchgehen. Wir werden also auch weitere Anlagen dort überprüfen müssen." Weitere Details gibt es dazu jedoch noch nicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 06. Juni 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 05:00 Uhr

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29 Kommentare

14.06.2018 12:01 insider 29

1.
Eines der grössten Errungenschaften der modernen Gesellschaft ist die Soziale Kompetenz. Diese haben wir richtigerweise in der Aufnahme vieler schutzbedürftiger walten lassen. Warum diese gegenüber deutschen Mitbürgern ausser Kraft gesetzt werden soll und auch noch von einigen hier befürwortet wird kann nur mit der Konsumierung falscher Medien in Bezug gebracht werden. Selbstverständlich hätte es seitens des Landratsamtes Möglichkeiten gegeben. Hat doch eine Verwaltung unweit vom Kyffhäuserkreis gezeigt wie dynamische Entwicklung geht. Hier hat man unkompliziert die Entscheidung getroffen hochwertiges Ackerland für eine Gewerbeansiedlung versiegeln zu lassen und entsprechend zu entschädigen. Auch war ich involviert in einige Entscheidungen zu Unterkünften unserer Neubürger. Da hat dann auch das Bauamt und selbst der Denkmalschutz ganz unproblematisch entschieden. Richtigerweise !!

14.06.2018 12:00 insider 28

2.
Warum das hier nicht geht ist absolut unerklärlich. Keine Terrorgefahr, keine Gefährdung des Strassenverkehrs, keine Lärmbelästigung. Welche unumstößliche Begründung gibt es für das Landratsamt seit 2003 !! keine Zustimmung zum Bauantrag zugeben obwohl die vorherige Zustimmung der Stadtverwaltung vorliegt. . Eine Umwidmung als Bauland mit den damit verbunden Steuereinnahmen hätte wohl keinem geschadet. Da das Nachbargrundstück ebenfalls Bauland ist sollte das machbar sein.
@17. Sie sind halt nur der Sohn von Juristen (Würden sie das hier auch so schreiben wenn Ihre Eltern Hausmeister wären.) Deshalb sei Ihnen ihr schlechter Sachverstand verziehen. Hier geht es nicht um die Gerichtsentscheidung sondern um das Bauamt im Kyffhäuserkreis. Wer hier einfach behauptet kein Bauantrag und pasta hat entweder deutliche Defizite in kognitiven Fähigkeiten oder ist einfach ein sozialer Krüppel.
@24: 1000% korrekt.

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