Salzsee Uyuni Lithium-Projekt in Bolivien unerwartet gestoppt: Thüringer Firma sollte Anlage planen

Es sollte ein Millionen-Projekt werden und eine Firma aus Thüringen mittendrin: Aus einem See in Südamerika wollte ein Gemeinschaftsunternehmen den wichtigen Rohstoff Lithium fördern. Doch die bolivianische Regierung hat das Projekt nun gestoppt.

Der Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien, in dem riesige Lithiumvorkommen lagern.
Im Salzsee Uyuni werden die weltweit größten Lithium-Vorkommen vermutet. Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

Ohne den wertvollen Rohstoff würde es Handys, Herzschrittmacher und Elektroautos, wie wir sie kennen, nicht geben. Vor gut einem Jahr konnte sich Deutschland einen direkten Zugriff auf Lithium sichern: Die bolivianische Regierung suchte einen Partner für ein neues Förderprojekt am Salzsee Salar de Uyuni und entschied sich für die Bewerber aus der Bundesrepublik. Neben einer Firma aus Baden-Württemberg im deutschen Team mit dabei: das Unternehmen K-Utec aus Sondershausen. Jetzt scheint das Projekt zur Lithium-Gewinnung auf der Kippe zu stehen.

Proteste in Bolivien - Lithium-Projekt am Uyuni liegt auf Eis

Der Gouverneur des Departements Potosí erklärte laut Nachrichtenagentur ABI, die Regierung von Präsident Evo Morales habe das Projekt per Dekret gestoppt. Die Gründe dafür blieben zunächst unklar. Zuvor war es im Umkreis des Salzsees, aus dem das Metall gefördert werden sollte, zu Unruhen gekommen. Die Menschen vor Ort fühlen sich offenabr ausgebeutet. Nur drei Prozent der Gewinne sollen an die Kommune gehen. Dabei sind in anderen Fördergebieten - zum Beispiel in Argentinien - zehn Prozent üblich. Die politische Lage in Bolivien ist derzeit auch grundsätzlich angespannt. Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug vor, Demonstranten fordern den Rücktritt von Staatschef Morales.

K-Utec hofft auf Lösung bei Lithium-Gemeinschaftsunternehmen

Nach der unerwarteten Annullierung des Lithium-Projekts reagierte das betroffene Thüringer Unternehmen zurückhaltend. Heiner Marx, Vorstand bei K-Utec, sagte am Montag, er sehe weiterhin Chancen, das Vorhaben fortzuführen. Er zeigte Verständnis für die Proteste. Marx rechnet damit, dass sich die Probleme lösen lassen und sein Unternehmen doch noch den Auftrag zur Planung der Anlage erhält. K-Utec ist eine Forschungs- und Ingenieurgesellschaft mit fast 70-jähriger Erfahrung bei der Gewinnung von Salzen und Mineralien.

Förderung am Salzsee sollte 2022 beginnen

Die Anlage am Uyuni-See soll das Salzwasser aufbereiten und so den wertvollen Rohstoff Lithium gewinnen. Die neu entwickelte Fördermethode wird als umweltfreundlicher und wassersparender als bisherige beschrieben. Die Anlage steht allerdings noch nicht. Die Förderung von jährlich 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid sollte ursprünglich 2022 beginnen.

Insgesamt waren für das Joint Venture mit einer bolivianischen Staatsfirma etwa 160 Millionen Euro veranschlagt. Von deutscher Seite wurden bisher mehrere Hunderttausend Euro investiert. Die baden-württembergische Firma ACI Systems stand dabei in der Hauptverantwortung. Die Investitionen dienten zunächst als Wegbereiter für die Zusammenarbeit. K-Utec-Vorstand Marx sagte, deutsche Arbeitsplätze seien erst einmal nicht betroffen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. November 2019 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

part vor 35 Wochen

Das Ganze ist wohl eher politisch begründet. Evo Morales ist aus den jüngsten Präsidentwahlen als klarer Sieger hervorgegangen, doch sein neolieberaler Gegenpart ficht das Ergebnis an und plant wohl das venozuelanische Modell der Machterhebung, wenn auch gescheitert. Die Strippenzieher im Hintergrund dürften aber gebildeten Menschen bekannt sein. Von daher dürfte es nicht verwundern wenn die Festigung von Regierungsbildung Vorrang hat vor Kapitalinteressen wo Bolivien Erzeuger ist und nicht nur Rohstofflieferant für ausländische Profiteure.

Hans Frieder leistner vor 35 Wochen

Da wird der Preis von Lithium sicher bald spürbar in die Höhe gehen. Und wenn es öfter zu Fahrzeugbränden kommt werden auch die Versicherungen kräftig die Hand aufhalten. Wie will dann der Markt mit so Schmuckstücken ausbaufähig sein.

Mark_Anton vor 35 Wochen

Die Menschen "vor Ort" begreifen allmählich, daß der "vor ihrer Haustür" betriebene "Li-Raubbau" ihre Umwelt und damit auch ihre Lebensgrundlagen zerstört (Absenkung des Grundwasser-Spiegels, Vergiftung des Bodens durch die Abfallprodukte der LiCO3-Produktion etc.). Und all das, damit wir uns hierzulande "auf die Schulter klopfen können", wie "toll (PSEUDO-)ÖKO" wir doch mit unseren Li-Akku betriebenen "E-Vehikeln" sind. DA sollte sich z.B. bei VW-Boss Diess mal "das schlechte Öko-Gewissen" melden und nicht wegen ein paar lächerlichen µg "NOx- und CO2-Grenzwertüberschreitung", an denen definitiv NOCH NIE jemand "gestorben" ist. Ich bin immer wieder "fassungslos", wie ich zu DDR-Zeiten meine Kindheit und Jugend am Straßburger (Fucik-) Platz, umwabert u.a. von 2-Takter und W50-Diesel-Abgasen, überhaupt "überleben" konnte. Bei der heute betriebenen "Panikmache" hätte ich pro Woche mindestens "3x tot aus dem Fenster fallen müssen". Die "E-Vehikelei" löst definitiv keines dieser "Probleme".

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