Im Manniske-Krankenhaus in Bad Frankenhausen hängt neben einer Tür ein Wegweiser.
Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Sanierungspläne für DRK Klinik DRK-Klinik Bad Frankenhausen soll auf Notaufnahme reduziert werden

Ende Dezember 2018 wollte die DRK-Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg das Manniske-Krankenhaus in Bad Frankenhausen eigentlich schließen. Dann zog das Unternehmen die Notbremse und meldete Insolvenz an. Am Donnerstag wurden die 220 Beschäftigten über die neuen Pläne informiert: Die Klinik wird schon in Kürze auf eine Art regionale Notaufnahme eingedampft. Das angeschlossene Krankenhaus ist 20 Kilometer entfernt.

von Loréne Gensel

Im Manniske-Krankenhaus in Bad Frankenhausen hängt neben einer Tür ein Wegweiser.
Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Vielleicht hatten sich die Mitarbeiter im Manniske-Krankenhaus in Bad Frankenhausen auf dieses Jubiläum ja gefreut: Im April hätte man 25 Jahre Zugehörigkeit zum DRK feiern können. 1994 hatte der Landkreis – damals noch mit Behördensitz in Artern – den Klinikbetrieb übergeben. Doch nach Feiern dürfte den OP-Schwestern, Pflegern und Ärzten im Moment nicht der Sinn stehen. Das Aus für das Traditionshaus mit 220-jähriger Geschichte ist so gut wie besiegelt. Nach den zurück genommenen Schließungsplänen vom November 2018 sorgt jetzt das Insolvenzverfahren dafür, dass "An der Wipper 2" - so die Adresse - in Kürze fast alle Stationen verwaist sein werden.

Vom Krankenhaus bleibt nur noch die Notaufnahme

Das Wirtschaftsberatungsunternehmen WMC Healthcare hat für die insolvente DRK Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg ein Sanierungskonzept ausgearbeitet, in dem das Haus in Bad Frankenhausen die zentrale Rolle spielt. Details erfuhren die 220 Beschäftigten am Donnerstag auf einer Mitarbeiterversammlung: Danach wird es das Krankenhaus bald nur noch als Notaufnahme geben - mit zehn Notbetten und jeweils einem diensthabenden Arzt rund um die Uhr. Alle anderen Stationen werden geschlossen oder verlegt. Die Palliativ-Station zieht nach Informationen von MDR THÜRINGEN schon Anfang März nach Sömmerda um.

Aufnahme in den Kliniken Sömmerda und Sondershausen

Die beiden DRK-Krankenhäuser in Sömmerda und Sondershausen werden künftig alle Patienten aufnehmen, die die Rettungswagen nach Bad Frankenhausen bringen. Sie teilen sich die Aufgaben der Stationen, die im Manniske-Krankenhaus schon geschlossen wurden oder noch geschlossen werden: Sömmerda wird als Standort für Intensivmedizin ausgebaut. Dort wird eine 24-Stunden-Bereitschaft für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abgesichert und die Kardiologie gestärkt, die Unfallchirurgie und die Orthopädie neu geordnet.
In Sondershausen wollen die Sanierer die Frauenklinik stärken, die Chirurgie des Bauchraumes (Viszeralchirurgie) sowie die Orthopädie ausbauen. Man will vor allem das Profil in der Behandlung von Verletzungen und Brüchen bei älteren Menschen schärfen.

Stellenabbau vor allem in Bad Frankenhausen

Das Manniske-Krankenhaus von außen in Bad Frankenhausen.
Das Manniske Krankenhaus Bad Frankenhausen soll "Portalklinik" werden Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Im Zuge dieser Sanierung ist bis 2020 der Abbau von 200 Vollzeitstellen geplant, 170 davon noch in diesem Jahr. 120 dieser Stellen entfallen auf Klinikpersonal, 50 auf Beschäftigte in anderen Bereichen. Mit 130 Stellen soll der Großteil davon in Bad Frankenhausen wegfallen. Auch die anderen drei DRK-Kliniken in Sömmerda, Sondershausen und Luckenwalde sind betroffen – aber in deutlich geringerem Maße.

Von Bad Frankenhausen aus sind es 20 Kilometer bis ins DRK-Krankenhaus Sondershausen und  36 Kilometer bis nach Sömmerda. Die Krankenhaus-Sanierer argumentieren in ihrem Konzept: Auch dann wird kein Einwohner des Kyffhäuserkreises mehr als 30 Minuten zum nächsten Krankenhaus fahren müssen. Und mit der Notaufnahme im Bad Frankenhausen können besonders im Osten des Kyffhäuserkreises auch weiterhin die vorgeschriebenen Rettungszeiten eingehalten werden. Anstelle der stationären Behandlung sieht das Konzept von WMC Healthcare vor, die ambulante Versorgung in Bad Frankenhausen zu stärken.

In der Praxis heißt das:  Im schon vorhandenen Medizinischen Versorgungszentrum sollen noch mehr Leistungen angeboten und weitere Ärzte angesiedelt werden. Deren Aufgabe wird es sein, dafür zu sorgen, dass sich Patienten aus Bad Frankenhausen und Umgebung bei einer nötigen stationären Aufnahme nicht für Erfurt oder Sangerhausen entscheiden. Sondern für Sonderhausen oder Sömmerda.

2023 sollen die Gewinne wieder vorzeigbar sein

Im Zukunftskonzept von WMC Healthcare wird klar gesagt, dass die Notaufnahme in Bad Frankenhausen allein nicht wirtschaftlich arbeiten wird. Dort ist von einem Kompromiss für Politik und Bevölkerung die Rede, den diese Lösung darstelle. Den Kyffhäuserkreis dürfte diese Lösung nicht beruhigen. Eine "Portalklinik" - wie es in der Fachsprache heißt, also eine Klinik, die Patienten nur aufnimmt und dann weiter verlegt - ist nicht das, was die lokale Politik für Bad Frankenhausen anstrebt.

Die möglichen Investoren, die in der derzeit laufenden Bewerberrunde für die DRK-Krankenhausgesellschaft mit ihren vier Häusern geboten haben, müssen dieses Sanierungskonzept nicht umsetzen. Aber es stellt den Fahrplan dar für die Zeit, bis ein neuer Investor und Träger alle Fäden in der Hand hat. Das kann noch viele Monate dauern.

Die Kosten für die Restrukturierung beziffern die Sanierungsexperten für 2019 mit zehn Millionen Euro. Ihr Sanierungsplan zielt darauf ab, dass die neu geordnete DRK-Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg im Jahr 2023 insgesamt wieder einen operativen Gewinn macht. Angestrebt werden acht bis neun Prozent.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 07. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 15:24 Uhr

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14 Kommentare

09.02.2019 18:45 Sandra W. 14

Ich frage mich nur warum man einen Krankenhaus schließen sollte? Das wichtigste was man im Leben braucht ist das Krankenhaus. Vor allen Dingen weil es am nächsten ist wenn ein Notfall ist. Sowas sollte nie geschlossen werden.!!!.

08.02.2019 20:33 martin 13

@12 freund: Ist Ihr Beitrag ein Plädoyer für eine "Einheitskasse"? Falls nicht: Wie wollen Sie eine Grenze ziehen? Also wenn nur 10 erlaubt sein sollen - mit welcher Begründung würden Sie eine 11. nicht zulassen wollen?

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