Oldisleben Zoff um Zwergenpfad im Kyffhäuserkreis: Forstamt fordert Beräumung

Im Kyffhäuserkreis gibt es Ärger um Dutzende Gartenzwerge. Ursprünglich sollte der sogenannte Zwergenpfad hundert Meter lang sein. Mittlerweile erstreckt er sich auf drei Kilometer.

Ein Wegweiser mit der Aufschrift "Zwergen-Weg"
Ein Wegweiser zeigt, wo es lang geht. Bildrechte: MDR / Heidje Beutel

Der Wicht mit der roten Zipfelmütze weiß nicht, dass die Baumkronen über ihm schwer geschädigt sind. Über dem Zwergenpfad in Oldisleben brauen sich dunkle Wolken zusammen. Die Zwerge müssen weg. Das hat Forstamtsleiter Uli Klüßendorf jetzt unmissverständlich klar gemacht und dabei auf die Verkehrssicherungspflicht verwiesen. Damit stößt er allerdings auf Widerstand in Oldisleben. "Das lassen wir uns nicht gefallen", sagt Uwe Landes. Seit über einem Jahr baut der Waldpädagoge zusammen mit den Kindern vom Kindergarten "Hinze Kidz" an dem Pfad. Damit will er den Kindern und ihren Eltern den Wald und die Natur nahe bringen.

Zwergenpfad viel länger als ursprünglich geplant

Gemeinsam haben sie am Schützenhaus Gartenzwerge zwischen die Wurzeln von Baumstümpfen gesetzt, die Stumpen mit bemalten Türen, Fenstern und Zäunen verziert und so entlang der Waldwege ein kleines Zwergenland geschaffen. Das hat sich - via Internet - bis weit über die Grenzen Oldislebens herumgesprochen. Körbeweise spendieren Leute Gartenzwerge.

"Unser Zwergenpfad ist inzwischen so populär, dass man sogar in der Landeshauptstadt schon davon spricht", erzählt Uwe Landes. Dass er das alles nun entfernen soll, sieht der Oldislebener nicht ein. Schließlich sei das mit dem Forst abgesprochen, beruft er sich auf den Revierförster und bat inzwischen Politprominenz um Hilfe.

Der Forstamtsleiter widerspricht: "Die Zwerge haben wir geduldet", sagt Uli Klüßendorf bei einem Ortstermin. In den Absprachen mit Revierförster Matthias Schenke sei es um einzelne Stumpen gegangen. Doch inzwischen sei das Ganze aus dem Ruder gelaufen. Aus dem einst hundert Meter langen Pfad seien inzwischen drei Kilometer geworden. "Das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt", räumt Revierförster Schenke ein.

Forstamtsleiter befürchtet Gefahr für Besucher

Der Grund dafür, dass die Forstleute jetzt so rigoros durchgreifen, liegt über den Köpfen der Waldbesucher. Dürre Äste, wohin das Auge schaut, und mitten auf dem Weg ein abgebrochener, armdicker Ast mit noch grünem Eichenlaub. "Nicht nur der Umfang des Zwergenpfades, auch der Zustand des Waldes hat sich stark verändert", räumt Klüßendorf ein. "Wir haben als Thüringenforst darauf zu achten, dass keine Gefahr von unseren Flächen ausgeht".

Dass zum Sondershäuser Forstamtsbereich die bundesweit trockensten Gebiete gehören und der Wald um Oldisleben einer der am Schlimmsten betroffenen ist, ist kein Geheimnis. "Wir befinden uns aufgrund der letzten drei Trockenjahre in außergewöhnlichen Zeiten. Viele Bäume sind dürr, vor allem die Kronen sind zum Teil stark geschädigt", sagt Klüßendorf. Grundsätzlich geschehe das Betreten des Waldes auf eigene Gefahr. Werden allerdings Einrichtungen im Wald geschaffen, an denen sich Besucher länger als gewohnt aufhalten, erwachse die Pflicht, Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.

Frist zur Beräumung bereits festgelegt

Die Pflicht obliege dem Waldbesitzer, in diesem Fall der Landesforstanstalt. Wo Wald thematisch genutzt werde, beispielsweise der "Musikalische Wanderweg" bei Sondershausen oder der "Urwaldpfad" zum Possen, gebe es Vereinbarungen mit den entsprechenden Partnern. "Das sind in der Regel Kommunen oder Vereine. Keine Privatpersonen. Die bekommen dann auch per Vertrag die Verkehrssicherungspflicht übertragen. Das Gebiet müssen sie jedes halbe Jahr kontrollieren lassen und uns das Protokoll vorlegen", schildert der Forstamtsleiter den Unterschied zum Oldislebener Zwergenpfad.

Für diesen müsse im Schadensfall Thüringenforst haften. Nun hat der Forstamtsleiter eine Frist zur Beräumung gesetzt. Andernfalls werde das Forstamt die Beräumung vornehmen. "Zu dieser Entscheidung gibt es keine Alternative", stellt Klüßendorf klar und hofft auf Einsicht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

22 Kommentare

Lothar Thomas vor 5 Wochen

ANDERE LÄNDER, ANDERE SITTEN ! !

Oh wie liebe ich es, in Schweden Urlaub zu machen.
Dort gibt es keine Zwerge, dort gibt es bekanntlich Trolle, die überall ihr Unwesen treiben.
In Schweden steht man dieser Problematik viel gelassener gegenüber.
Dort findet man es originell, wenn jede Gemeinde ihren "Trollstig" hat.
Dort kümmert man sich auch intensiv darum.
Es gibt sogenannte "Helfer", die sich um die Trolle kümmern.
Die Kinder achten sehr darauf, dass der Wald sauber gehalten wird und freuen sich auch, wenn sich irgendwo ein neuer Troll angesiedelt hat.
Auf diese Weise sind die Kinder auch viel an der frischen Luft.
Es macht sogar als Erwachsener Spaß auf Entdeckertour zu gehen und die jährlichen Fortschritte zu begutachten.

Nun ja, so wird es in Schweden gehandhabt und bei uns hier in Deutschland gibt es halt nur Zwerge.

Vielleicht hatte in dieser Gemeinde auch nur jemand die Idee etwas für Kinder zu schaffen, damit sie sich mehr in der Natur, an der frischen Luft bewegen

martin vor 5 Wochen

@mich: Vielen Dank für den Hinweis auf die BGH-Entscheidung.

Inwieweit das Urteil hier angewandt werden kann, erscheint mir an mehreren Punkten diskussionswürdig, bspw.
1.) Handelt es sich bei dem "Zwergenweg" noch um einen normalen Waldweg (im Sinne der BGH Entscheidung) oder um eine bisher geduldete "Umwidmung"?
2.) Der BGH weist in seiner Entscheidung darauf hin, dass Nutzungsart und -intensität durchaus zu berücksichtigende Aspekte sind.
3.) Der BGH differenziert sehr klar zwischen "waldtypischen" und "atypischen" Gefahren. Sofern hier nach Einschätzung des Forstamts eine besondere Gefährdung (="atypische" Gefahr) vorliegt, besteht ein Haftungsrisiko. Allerdings müsste dann meiner Meinung nach die Forst den Weg komplett sperren.

Ob man sich der Rechtsauffassung des Forstamts bzgl. der Haftung anschliessen mag oder nicht - die Vorgehensweise (soweit sie im vorliegenden Bericht korrekt widergegeben ist) erscheint mir doch "grob". Die Suche nach einer Lösung dürfte besser gehen.

Thbratwurst vor 5 Wochen

Das Amt ist zu verstehen und auch zu respektieren, wenn gesagt wird es sollten Mal 100 Meter evt sein und es sind 3 Kilometer draus geworden ist schon etwas schief gelaufen.Die Sicherheit in den Trockenen Wäldern ist in keiner Weise mehr gegeben und kann auch nicht durch einmalige Maßnahmen hergestellt und erhalten werden, dazu müsste eine Dauer Überwachung und eine jährliche oder halbjährliche Maßnahme das abklären, was aber nie heißt das es sicher ist Natur lebt und findet selber immer wieder Wege. Schon solche Ideen , aber könnte der Ortsvorstand von Oldiesleben zusammen mit dem Forstamt nicht eine Stelle finden die geeignet ist das Projekt zu tragen? Dort konnte das ganze hinziehen und erhalten werden, es einfach wegwerfen ist wohl zu kompromisslos, setzt euch hin überlegt wohin damit wo Sicherheit besteht und gründet einen Verein der diese Sache geht und pflegt, die Gemeinde mit ins Boot und es wird erhalten nur eben dort wo man Sicherheit gewährleisten kann.

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