Bauarbeiten Hunderte Gemälde aus Schloss Sondershausen ziehen um

Die Mitarbeiter im Schlossmuseum Sondershausen haben wieder einmal viel zu tun. Weil gebaut wird, müssen mehrere Hundert Gemälde verpackt und in ein Außenlager gebracht werden. Eine echte Mammutaufgabe.

von Katharina Melzer

Einige alte Gemälde mit Männer und Frauenköpfen hängen an einem Holzgestellt, davor Packfolie
Gemälde und Schmuckrahmen aus dem Schloss in Sondershausen kommen in ein anderes Depot. Bildrechte: Katharina Melzer

Eigentlich haben die Mitarbeiter des Schlossmuseums in Sondershausen schon Erfahrung. Sie kennen aufwendige Umzüge. Wegen der Bauarbeiten am Schloss wanderten vor zwei Jahren bereits viele Ausstellungsstücke, darunter viele Möbel, in Außendepots. Nun ist die alte Gemäldesammlung dran. Ein Mammutprojekt, das mit einem normalen Wohnungsumzug nur noch wenig zu tun hat.

"Es ist schon etwas aufwendiger", sagt Sammlungsleiterin Bettina Bärnighausen und schmunzelt. "Wir ziehen mit fast 700 Gemälden und Schmuckrahmen um. Manche sind nur wenige Zentimeter groß. Manche haben Maße von etwa zwei mal drei Metern."

Bilder werden vor Umzug in Sondershausen präpariert

Die Gemälde mussten dafür alle im Vorfeld sorgfältig untersucht und gesichert werden. Zwei Restauratorinnen sind an der Arbeit. Eine von ihnen ist Romy König-Weska. Mit weißem Schutzanzug, Handschuhen und Mundschutz steht sie vor einem der wertvollen Fürstenportraits in der Schlosskapelle und klebt mit flüssigem und leicht erhitzten Spezialleim Schutzfolien auf die Stellen, an denen beim Transport möglicherweise Farbe abblättern könnte. "Das Besondere an dieser Aufgabe ist, dass so viele Gemälde innerhalb kürzester Zeit transportiert werden müssen. Alle müssen vorher konservatorisch betrachtet werden. Ich schaue mir zum Beispiel an, ob die Fassung stabil ist, ob die Bilder ordentlich eingerahmt sind und ob die Leinwände gut gespannt sind", erklärt die Diplom-Restauratorin.

In einem Regal stehen verpackte Bilder mit Aufklebern "Vorsicht viel Stuck"
Hunderte Gemälde werden gut verpackt deponiert - solange die Bauarbeiten im Schloss andauern. Bildrechte: Katharina Melzer

Gemälde in Spezialpapier gewickelt

Die bereits begutachteten und teils provisorisch reparierten Gemälde und Rahmen werden alle einzeln und sorgfältig verpackt. Einfach in Zeitungspapier packen geht bei diesen Stücken nicht, so Sammlungsleiterin Bärnighausen: "Jedes Gemälde wird in säurefreies Seidenpapier oder spezielles textiles Material gepackt und zusätzlich abgepolstert. Sehr kleine Objekte werden in Boxen gelagert." Die kommen dann in klimatisierte und gefederte Kunsttransporter.

Nach dem Umzug auswickeln

Im Depot müssten die Folien sofort wieder entfernt werden, damit darunter keine Schäden entstehen. Das neue Außendepot besteht aus zwei Räumen. In extra angefertigten Holzkonstruktionen findet jedes Gemälde seinen vorübergehenden Platz. Mit den Kunsttransporten beauftragt ist die Leipziger Kunsttransportfirma, die auch schon vor zwei Jahren beim Umzug geholfen hat.

Für deren Chef Christoph Dietze ist es ein besonderer Auftrag, der viel Fingerspitzengefühl erfordert. Gemälde und Rahmen in diesen Größenordnungen haben ihren besonderen Reiz. "Wir haben zwar kurze Wege, aber auch auf kurzem Weg kann viel passieren. Wir haben hier Werte, die teils unwiederbringlich sind." Aus Sicherheitsgründen fährt das Unternehmen manche Tour auch nur mit einem einzigen Teil.

Ein historisches Gemälde mit Frau steht auf einer Staffelage und ist mit weißen Klebern beklebt
Um Schäden zu verhindern, werden die Gemälde mit speziellen Schutzaufklebern versehen. Bildrechte: Katharina Melzer

Kosten tragen Sondershausen und Thüringen

Die Kosten für den Umzug beziffert Sammlungsleiterin Bettina Bärnighausen auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Bezahlt wird er von Stadt und Land. Die Gemäldesammlung stammt zum größten Teil aus dem Nachlass der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen und umfasst Gemälde des 16. bis 21. Jahrhunderts. Der Umzug der Gemälde wird noch mehrere Wochen bis März dauern. In ihrem neuen Übergangszuhause angekommen, werden alle Gemälde nochmals überprüft und dann Stück für Stück restauriert. Angemietet ist das Depot zunächst für fünf Jahre. Das Schlossmuseum hofft, dass die Bauarbeiten am Schloss bis dahin abgeschlossen sind und die Gemälde zurück an ihren alten Platz kehren können.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Februar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2020, 20:40 Uhr

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