Nach Renovierung der Turmglocken von Kleinwerther läutet die Uhrenglocke zu laut.
Amtlich gemessen zu laut: Die Glockenuhr der Kirche von Kleinwerther ist derzeit deaktiviert. Dabei hatte man den freiliegenden Glockenstuhl damals extra so gebaut, dass die Uhr weithin zu hören ist. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Kleinwerther | Kreis Nordhausen Glocke zu laut: Den Nachbarn klingen jede Stunde die Ohren

Nach der Kirchturmsanierung kam für die Nachbarn das sprichwörtlich böse Erwachen: Die Glockenuhr nebenan schlug nach 40 Jahren Ruhe wieder jede Stunde pünktlich an. Und zwar amtlich zu laut, was jetzt wohl zu einem kostspieligen Umbau führen wird.

von Thomas Kalusa

Nach Renovierung der Turmglocken von Kleinwerther läutet die Uhrenglocke zu laut.
Amtlich gemessen zu laut: Die Glockenuhr der Kirche von Kleinwerther ist derzeit deaktiviert. Dabei hatte man den freiliegenden Glockenstuhl damals extra so gebaut, dass die Uhr weithin zu hören ist. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

15 Jahre lang hatten die Bürger von Kleinwerther für die Renovierung ihrer Kirche gesammelt. Die große gusseiserne Glocke musste saniert, der Glockenturm hergerichtet und die Turmuhr wieder eingebaut werden. Dafür kamen letztlich 40.000 Euro zusammen, unter anderem mit einer Gulaschkanone, die als mobile Suppenküche durch den Ort fuhr. Nach der Reparatur wurde der Glockenturm am 31. Oktober feierlich-freudig eingeweiht. Doch dann gab es richtig Ärger.

Denn kaum waren die Kirchturmglocken installiert und auch die seit rund 40 Jahren schweigende Uhrenglocke wieder in Betrieb, beschwerten sich zwei Bürger über den zu lauten Klang. In der Tat überschritten die Dezibel-Werte die in der Nacht erwünschte und erlaubte Lautstärke von 45 Dezibel. Nun ist die Glocke erstmal den ganzen Tag abgestellt.

Mit 2.000 Euro soll die Glocke nachts zum Schweigen gebracht werden

Mit einer zusätzlichen Apparatur soll sie nun nur noch nachts schweigen. Der Umbau kostet aber noch einmal 2.000 Euro. Geld, das nun erstmal erneut gesammelt werden muss. Denn für diesen Betrag sollte eigentlich im Inneren der Kirche weitergebaut werden, z.B. neue Fenster gekauft. Dass die Uhrenglocke nach der Turmsanierung schweigt, finden viele Einwohner ärgerlich, mussten sie doch 40 Jahre auf die Zeitansage vom Turm herab verzichten. Doch gegen das Argument, die Kinder der Beschwerdeführer bekämen von dem nächtlichen Uhrenläuten Alpträume, ist erstmal wenig zu machen.

Nach Renovierung der Turmglocken von Kleinwerther läutet die Uhrenglocke zu laut.
Jede Stunde, Tag und Nacht, ein Glockenläuten mit mehr als 45 Dezibel: Das war Nachbarn der Kirche in Kleinwerther zu viel. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa


Vorübergehende Schlafstörungen sind ein bekanntes Problem

Glockenbauer Steffen Willing kennt das Problem. Etwa einmal im Jahr gibt es bei den 1.500 Kirchen, die er betreut, wegen des Uhrenläutens Ärger. Dabei sei das Gewohnheitssache, nach einiger Zeit blendet man das Läuten in der Nacht instinktiv aus seinen Träumen aus, so Willings Erfahrung. Da die Uhrenglocke in Kleinwerther aber solange stillstand, wundert er sich nicht über die Beschwerden. Denn zu Zeiten des Einbaus der Glockenuhren sollten sie laut sein, damit die Leute auch draußen auf dem Feld wussten, was die Stunde geschlagen hatte.

Dass es auch andere Wünsche an den Glockenbauer gibt, zeigt ein Beispiel aus Singen bei Stadtilm. Hier, so erzählt Willing, baut er am Donnerstag ein ganz besonderes Uhrwerk ein. Die Uhrenglocke solle dort sogar fünf Minuten nach der vollen Stunde noch einmal läuten. Für diejenigen, die den Stundenschlag beim ersten Mal nicht genau mitgezählt haben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 19:49 Uhr

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12 Kommentare

30.11.2018 11:25 vigilando ascendimus 12

Hab den Filmbericht erst später gesehen: Anders als der hier abgdruckte Textbericht suggeriert sind es nicht d i e Nachbarn der Kirche, die sich beschweren, im Gegenteil! Es ist wieder einmal
d e r übliche Querulant, den es allerorten gibt.

Schlimm ist nur, dass der Staat diesen Querulanten mit dem überbordenden Vorschriften immer wieder ensprechende Werkzeuge in die Hand gibt, und unsere thüringischen Staatsbehörden, sich hinter Vorschriften versteckend, sich zum Werkzeug dieser Querulanten machen lassen.

Insoweit lohnt es sich eben doch für dieses Dorf etwas zu tun. Ich nehme deshalb auch von dem Begriff "Kaff" (Nr. 9) Abstand.

30.11.2018 11:16 martin 11

@part: Wie kommen Sie darauf, dass (nur) die nicht an der "Geldschöpfung" beteiligten "dem Gebimmel hinterher trauern"? Laut dem Beitrag wurde in dem Ort ja ein nicht ganz kleiner Beitrag gesammelt, um Uhr- und Läutwerk wieder in Betrieb nehmen zu können.

Was die grundsätzliche Lärmbelastungen angeht, stimme ich Ihnen völlig zu. Aber bei "Lärmverbreitung rund um die Uhr" fallen mir viele Dinge ein - aber keine Stundenglocke.

Mich erinnert das eher an Geschichten, wo Menschen in ein Dorf ziehen und sich anschließend über den nächtlichen "Krawall" von Hunden, Hähnen und Kühe sowie die landwirtschaftliche Geruchsbelästigung beschweren.

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