Teilauto in Werther
Vor der Gemeindeverwaltung steht das gemeinsame Dorfauto Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Mobilität Das Gemeindeauto von Werther

Wie können Menschen im ländlichen Raum mobil bleiben, wenn sie kein Auto haben und der Bus nicht fährt? In Nordthüringen gibt es jetzt das Gemeindeauto. Begleitet wird das Projekt von Wissenschaftlern.

Teilauto in Werther
Vor der Gemeindeverwaltung steht das gemeinsame Dorfauto Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Elektrisch betriebene Dorfautos können der Abwanderung aus dem ländlichen Raum entgegenwirken. Zu diesem kurz zusammengefassten Ergebnis kommt eine Ende November abgeschlossene vierjährige Studie der Fachhochschule Erfurt. Sie hat die Wirkungen von zwei E-Autos in der Gemeinde Werther bei Nordhausen untersucht.

Besonders ältere Einwohner konnten durch die ehrenamtlichen Fahrer wieder an Mobilität gewinnen. 2014 war mit Förderung durch das Thüringer Umweltministerium zunächst ein Renault Kangoo angeschafft und eine Ladestation mit Solarunterstützung direkt vor der Gemeindeverwaltung errichtet worden. Einwohnern ohne Auto, die sonst auf die nur selten verkehrenden Busse angewiesen sind, kann damit der Weg zum Supermarkt, in die Stadt, zum Arzt oder ins Theater erleichtert werden.

Mietpreis: 150 Euro pro Woche

Teilauto in Werther
Das E-Auto dient auch als Sammeltaxi Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

In Werther gibt es einerseits einen Renault Kangoo, der als Sammeltaxi mit ehrenamtlichen Fahrern genutzt wird, und seit 2016 einen ebenfalls elektrisch betriebenen Renault Zoe der für Verwaltungsfahrten genutzt wird, aber auch ausgeliehen werden kann. Das sogenannte Dorfauto kann jeder leihen. Nutzer sind sowohl Jugendliche, die sich noch kein eigenes Auto leisten können, aber sogar auch Geschäftsleute und Privatpersonen, die sich kein Zweitauto anschaffen wollen. Die beiden E-Mobile stehen nach Nutzung immer an der Zapfsäule vor der Gemeindeverwaltung. Die Preise: vier Euro die Stunde, 30 Euro am Tag und 150 Euro die Woche. Sogar Monatlich kann das Auto gemietet werden. 25 Prozent der Kosten für die E-Autos und die Ladestation musste die Gemeinde selbst tragen, konnte aber auch Personalkosten mit anrechnen lassen.

Mittlerweile gibt es für dieses in Thüringen einzigartige Projekt viele Interessenten. Wie Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt (FW) MDR THÜRINGEN sagte, gibt es Anfragen aus dem Ilmkreis, aus Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Ein gerade gestartetes Projekt in Niedersachsen basiert auf den Modell Werther. Gerade die Versorgung älterer Bürger sei aber nur durch den Einsatz ehrenamtlicher Fahrer möglich, da man sonst Konflikte mit dem Personenbeförderungsgesetz bekomme, sagt Bürgermeister Weidt. Eine Klage von Taxiunternehmern gegen das Projekt war im Sommer 2017 gescheitert.

Bürgermeister hofft auf größeres Netz

Bürgermeister Weidt hofft, bis 2019 das Projekt in andere Ortsteile von Werther ausdehnen zu können. Angedacht ist eine zweite Ladestation im Ortsteil Haferungen, weil sonst Nutzer ihre geliehenen Autos immer im Ortsteil Werther selbst abholen müssen. Zwischen Januar 2016 und September 2017 wurden die Fahrzeuge für 482 Fahrten genutzt (255 Mal ausgeliehen) und haben dabei rund 15.000 Kilometer zurückgelegt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 17. Dezember 2017 | 14:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2017, 15:54 Uhr

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1 Kommentar

19.12.2017 17:07 Karsten Hönsch 1

Super Idee. Wenn das Auto auch noch Rollstuhlgerecht umgebaut wird wäre es ein echter Mobilitätsgewinn.

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