Hinweis aus den USA Kinderporno-Ermittlungen gegen Polizist aus Thüringen

Ein Polizeibeamter aus Nordthüringen soll kinderpornografisches Material besessen haben. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen hat deswegen ein Verfahren eingeleitet.

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Die Fotografin Leane Loeffner vom Landeskriminalamt (LKA) im brandenburgischen Eberswalde (Barnim) bearbeitet Einzelbilder von einer Videokamera von einem Fall, in dem es um Kinderpornographie geht, aufgenommen am 12.10.2009.
Ermittlerin sichtet mutmaßliche kinderpornografische Fotos - hier im Landeskriminalamt Brandenburg. Bildrechte: dpa

Wie so oft in solchen Fällen führt die Spur ins Internet. Denn die Hinweise auf den verdächtigen Mann aus Thüringen sind von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Gießen gekommen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Mühlhausen MDR THÜRINGEN auf Nachfrage mit.

Grundlage für die Ermittlungen sind Hinweise aus Internetchats, die zu dem verdächtigen Polizeibeamten geführt haben. Anfang Oktober sind seine Wohnung und die Diensträume durchsucht worden. Dabei haben die Fahnder Computer, Handy und andere Datenträger mitgenommen. Alles werde derzeit im Thüringer Landeskriminalamt ausgewertet, so die Staatsanwaltschaft.

Informationen aus den USA

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollen die ursprünglichen Hinweise auf die verdächtigen Aktivitäten aus den USA gekommen sein. Dort müssen IT-Konzerne wie Google oder Facebook regelmäßig ihre Seiten auf kinderpornografische Inhalte hin überprüfen. Zudem wird durch die US-Bundespolizei FBI in Kooperationen mit anderen Polizeibehörden wie dem Bundeskriminalamt im Internet nach solchen verdächtigen Seiten gesucht. Dazu gehören auch sogenannte Chaträume im Netz. Das sind in der Regel geschlossene Foren, wo Nutzer kinderpornografische Bilder oder Filme untereinander austauschen.

Thüringer Fall Teil eines Großverfahrens

Die Informationen aus den USA sollen dann an die ZIT in Gießen gegangen sein. Sie ist eine Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, die für den internationalen Datenaustausch im Bereich Cybercrime zuständig ist. Die ZIT ist erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamtes für Internetstraftaten, bei denen noch nicht klar ist, welche örtliche Staatsanwaltschaft in Deutschland zuständig ist.

Im Fall des Thüringer Beamten wurden die Informationen von Gießen an die Ermittler in Mühlhausen übergeben, weil der Mann im Bereich der Landespolizeiinspektion Nordhausen arbeitet und auch in Nordthüringen wohnt. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen soll sein Fall aber zu einem weitaus größeren Verfahren gehören, dass seinen Schwerpunkt offenbar in Nordrhein-Westfalen hat. Das geht wohl aus den Chatverläufen hervor, über welche die Fahnder auf den Thüringer Polizisten gestoßen sind. Der Mann selber soll derzeit krank geschrieben und nicht im Dienst sein, heißt es aus Polizeikreisen.

13 Kinderpornographie-Verfahren gegen Thüringer Polizisten in zehn Jahren

Im Thüringer Landeskriminalamt (LKA) ist das Dezernat Cybercrime für die Auswertung und Ermittlung im Bereich Kinderpornografie zuständig. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasste das LKA in den vergangenen zehn Jahre insgesamt 13 Ermittlungsverfahren mit Thüringer Polizisten als Tatverdächtige, in denen es um Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie ging. In 14 weiteren Verfahren ging es um sexuelle Handlungen an Kindern und deren Missbrauch.

Zum Vergleich: Allein in der Polizeilichen Kriminalstatistik Thüringens für 2018 sind insgesamt 446 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und 232 Fälle von Besitz, Erwerb, Verbreitung oder Herstellung kinderpornografischer Schriften gelistet - unabhängig von der Identität der Tatverdächtigen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 19:00 Uhr

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