Eine entschärfte Fliegerbombe ist auf einer Ladefläche festgeschnallt
Die entschärfte Fliegerbombe wiegt 227 Kilogramm und wurde mitten in Nordhausen gefunden. Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel

Störer am Fundort der Fliegerbombe Entschärfung der Bombe: Minister kritisiert Verhalten einiger Nordhäuser

Beim Entschärfen eines Blindgängers in Nordhausen hat es erhebliche Verzögerungen gegeben. Ein Grund dafür: Einige Anwohner weigerten sich, ihre Wohnungen zu verlassen und folgten nicht den Anweisungen der Polizei. Diese musste zudem einen Einbrecher stellen.

Eine entschärfte Fliegerbombe ist auf einer Ladefläche festgeschnallt
Die entschärfte Fliegerbombe wiegt 227 Kilogramm und wurde mitten in Nordhausen gefunden. Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel

Nachdem eine Weltkriegsbombe in Nordhausen erfolgreich entschärft worden ist, hat Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) das Verhalten einiger Anwohner scharf kritisierte. Es sei "unsäglich", dass Menschen aus Bequemlichkeit den Anweisungen von Polizei und Feuerwehr nicht folgten und den Einsatz behinderten. Gleichzeitig dankte Maier allen freiwilligen Helferinnen und Helfern. Derart gefährliche Situationen verlangten allen das Äußerste ab und erforderten höchste Konzentration, sagte der Minister.

Trotz erheblicher Verzögerungen sei am Ende aber alles problemlos verlaufen, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Mögliche Ordnungswidrigkeitsverfahren werden jedoch geprüft. Die Kosten des Einsatzes trägt die Stadt Nordhausen. Dem Sprecher zufolge behält sie sich vor, eventuelle Störer daran zu beteiligen.

Rund 15.000 Menschen konnten in der Nacht zum Donnerstag gegen 2:30 Uhr wieder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg war am Mittwoch bei Bauarbeiten am Theater mitten in der Stadt entdeckt worden. Um den Fundort herum mussten Menschen in einem Radius von etwa einem Kilometer vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Der Sperrbezirk wurde in der Nacht aufgehoben.

Feuerwehr musste Wohnungen öffnen

Wie ein Stadtsprecher sagte, wollten einige Anwohner im Evakuierungsbereich trotz Aufforderung ihre Wohnungen nicht verlassen. Die Vermieter wurden informiert, die Feuerwehr musste Wohnungen öffnen. Andere Betroffene konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht selbständig ihr Zuhause verlassen. Es mussten Krankentransporter angefordert werden, zum Teil für Liegendtransporte. Vor dem Lagezentrum in Nordhausen hatten rund 500 Helfer im Nieselregen ausgeharrt.

Mann wollte Evakuierung zum Einbruch nutzen

Zudem hatte die Polizei mit einem Einbrecher zu tun; ein 34-jähriger Mann wollte die Evakuierung ausnutzen. Ein Anwohner informierte gegen 18 Uhr die Polizei darüber, dass in ein Einfamilienhaus eingebrochen werde. Der mutmaßliche Täter flüchtete zunächst, konnte aber schnell gefasst werden. Er ist laut Polizeiangaben bereits wegen ähnlicher Fälle bekannt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

Störer betrat den abgesperrten Fundort der Bombe

Erst kurz nach Mitternacht konnte mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden. Diese musste jedoch gegen 1:30 Uhr unterbrochen werden, weil sich ein Mann Zutritt zum dem abgesperrten Bereich verschafft hatte und direkt am Fundort der Bombe auftauchte. Die Polizei kam zum Einsatz, der Mann wurde abgeführt. Wegen dieser Pause wurde dann das Wasser für ein Spezialgerät der Munitionsexperten knapp. Dabei handelt es sich um ein Schneidgerät, das mit einem Wasser-Sand-Gemisch arbeitet. Die Feuerwehr musste ausrücken und neues Wasser bereitstellen. Wie der Stadtsprecher sagte, soll der gesamte Einsatz in den kommenden Tagen ausgewertet werden.

Thüringen

Groß angelegte Evakuierung in Nordhausen

Zwei Polizisten und eine Frau vor Eingang eines Mehrfamilienhauses
Evakuierung nach Bombenfund: In Nordhausen mussten am Mittwoch zwischen 12.000 und 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann
Zwei Polizisten und eine Frau vor Eingang eines Mehrfamilienhauses
Evakuierung nach Bombenfund: In Nordhausen mussten am Mittwoch zwischen 12.000 und 15.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann
Bagger an Baustelle
Die Fliegerbombe war zuvor bei Bauarbeiten am Nordhäuser Theater gefunden worden. Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel
Luftbild von Baugelände mit Bagger neben Wand aus Containern
Die Bombe liegt nur knapp rechts von der Fahrerkabine des Bagger. Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel
Der Fundort der Bombe in Nordhausen wird mit Stroh umgeben, um im Fall einer Detonation den Druck abzuleiten.
Es soll im Fall einer Detonation den Druck ableiten, wie es aus der Stadtverwaltung hieß. Bildrechte: Stadtverwaltung Nordhausen
LKW mit gestapelten Strohballen in Wohngebiet
Rund um den Fundort des Blindgängers wurde Stroh abgelegt. Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel
Umrisse einer im Boden liegenden Fliegerbombe
Die 227 Kilogramm schwere Bombe mit einem Langzeitzünder Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel
Polizeiauto sperrt Kreuzung ab
Die Bombe soll einen Langzeitzünder haben, der mit Säure funktioniert. Bei einer Bewegung des Sprengkörpers könnte er noch detonieren, lautete eine erste Einschätzung. Deshalb wurde die Evakuierung umgehend angeordnet. Bildrechte: MDR/Sebastian Jakob
Flatterband-Absperrung in Wohngebiet
Die Bombe sollte mit einem Hochdruckstrahl aus Wasser und Sand entschärft werden. Die Experten steuern das Wasserschneidsystem aus der Deckung heraus. Bildrechte: MDR/Silvio Dietzel
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Entschärfung mit Wasserschneid-Technik geplant

Die Bombe von 227 Kilogramm sollte mit einem speziellen Wasserschneidsystem entschärft werden. So müssten die Sprengmeister nicht mehr den Zünder mit Hammer, Meißel und großer Rohrzange aus der Bombe herausdrehen, hieß es im Vorfeld. Das System sollte aus der Deckung heraus gesteuert, der Schneidvorgang über Kameras beobachtet werden.

Der Fundort der Bombe in Nordhausen wird mit Stroh umgeben, um im Fall einer Detonation den Druck abzuleiten.
Der Fundort am Theater wurde für die Entschärfung mit einem Wasserschneidgerät vorbereitet. Bildrechte: Stadtverwaltung Nordhausen

Die Bombe hatte einen Langzeitzünder, der mit Säure funktioniert. "Deshalb ist Gefahr in Verzug, und wir mussten sofort mit der Evakuierung beginnen", sagte der Sprecher nach dem Fund. Die Säure hätte bei Bewegung des Blindgängers noch reagieren und so die Bombe zünden können.

Immer wieder Bombenfunde in Nordhausen

Im Zweiten Weltkrieg war Nordhausen Ziel alliierter Bombenangriffe. Die Bombe wurde bei Sanierungsarbeiten am Theater gefunden. Weil in der Stadt oft Blindgänger entdeckt werden, ist es laut Stadtsprecher Vorschrift, dass bei Schachtarbeiten eine Entschärfungsfirma mit vor Ort ist – so auch in diesem Fall.

Bereits im August war eine Fliegerbombe in Nordhausen entdeckt worden. Damals wurden 2.500 Anwohner in Sicherheit gebracht.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2019, 21:03 Uhr

4 Kommentare

part vor 1 Wochen

Na endlich werden moderne Wasserschneidgeräte zur Entschärfung eingesetzt, diese scheinen aber nicht allen privaten Kampfmittelräumer in anderen Bundesländern zu haben?

kennemich vor 1 Wochen

Dann am besten unterschreiben lassen und wenn möglich mit einem Notar.

So dass sie auf Schäden usw. im Fall des Falles verzichten.

GerdMueller vor 1 Wochen

Danke das es solche Menschen gibt, ich hätte mich ein💩💩.

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