Bahnverkehr "Geisterzug" Nordhausen-Göttingen bleibt Thüringer Fahrgästen versperrt

Der "Geisterzug" von Nordhausen nach Göttingen werktags um 4:30 Uhr früh bleibt Reisenden in Thüringen versperrt: Auch nach dem Fahrplanwechsel können Reisende in Nordhausen nicht in diesen Zug einsteigen. Zudem hält die Regionalbahn an keinem der vier Unterwegsbahnhöfen in Thüringen - das sind Salza, Niedersachswerfen, Woffleben und Ellrich. Erst in Walkenried in Niedersachsen können Fahrgäste in diesen Zug ein- und aussteigen.

Dieseltriebwagen des Typs Coradia Lint des Herstellers Alstom im Dienst von DB Regio passiert den Bahnhof Woffleben in Nordthüringen ohne Halt.
Der "Geisterzug" Nordhausen-Göttingen fährt hier in Woffleben ohne Halt durch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Thüringer Infrastrukturministerium hält den Bedarf für Reisende für diesen Frühzug in Thüringen für zu gering. Es handele sich um zwei Dieseltriebwagen von DB Regio, die in Nordhausen stationiert seien. Der Zug komme am Vorabend regulär in Nordhausen an und fahre am Morgen ohne Passagiere und Stopps bis Ellrich. Dort werde der Zug geteilt: Ein Triebwagen setze die Fahrt - immer noch ohne Fahrgäste - nach Göttingen fort. Der andere Triebwagen fahre um 4:58 Uhr nach Nordhausen zurück - diese Verbindung könne von Reisenden ab Ellrich genutzt werden und stoppe dann auch auf den vier Unterwegsbahnhöfen.

Das Ministerium argumentiert, bis 2014 habe der Frühzug Nordhausen-Göttingen von Thüringer Fahrgästen genutzt werden können. Zwischen Nordhausen und Ellrich seien die Züge aber mit durchschnittlich nur bis vier Fahrgästen besetzt werden. In Ellrich seien ein bis zwei Fahrgäste zugestiegen. Der geringen Kundenzahl stünden jedoch Stationsgebühren gegenüber, die Land als Besteller des Bahn-Nahverkehrs an die Deutsche-Bahn-Tochter DB Station & Service zahlen müsste. Auf eine Bitte um einen entgeltfreien Testbetrieb mit den Thüringer Unterwegshalten hat die Bahn nach Angaben des Ministeriums bisher nicht reagiert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Beitrags hieß es, das Land Thüringen müsste Stationsgebühren von 66 Euro pro Zug oder 16.000 Euro pro Jahr zahlen, wenn die Regionalbahn künftig als Passagierfahrt in Thüringen unterwegs sein solle. Dies Kalkulation können wir im Moment nicht plausibel nachvollziehen. Wir haben das Infrastrukturministerium um Details gebeten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Dezember 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2019, 14:34 Uhr

14 Kommentare

fwp vor 5 Wochen

Vielleicht sollte man sich auch an der Schweiz ein Vorbild nehmen, die an Bahnhöfen, die nicht so stark frequentiert waren, sogenannte "Bedarfshaltepunkte" eingerichtet hat.

Wollte man in den Zug einsteigen und mitfahren, hat man am Bahnsteig diesen Wunsch mit einem Knopfdruck signalisiert. So konnte jeder mitfahren, und der Zug musste trotzdem nicht unnötig anhalten.

Für den Ausstiegswunsch gab es im Zug den gleichen Knopf wie in Bus und Straßenbahn.

Aber wahrscheinlich ist die ganze Strecke von Nordhausen nach Göttingen nicht mehr gewinnbringend und soll auf diese Weise, wie so viele andere Bahnstrecken möglichst unauffällig stillgelegt werden. Zuerst ändert man die Fahrplanzeiten auf möglichst unattraktive, dann streicht man Haltepunkte und zuletzt die ganze Strecke wegen Unwirtschaftlichkeit. Das macht die Bahn schon seit über 30 Jahren so.

Petra Stein vor 5 Wochen

Ich kann mich Martin nur anschließen. Beim ÖPNV gilt: erst muss das Angebot stimmen, dann steigt die Nachfrage. Z.B. wurde der Regionalverkehr um Freiburg (südlicher Schwarzwald) durch Regio-Tickets und regelmäßige Takte systematisch aufgebaut. Aus zwei Bussen, die nachts noch fuhren, wurden regelmäßige und stark frequentierte Züge bis Mitternacht. Daran könnte sich Thüringen ein Beispiel nehmen!

Unnötig leer fahrende Züge sollten mit einer Umweltgebühr von 66€ pro Zug belegt werden!

harztor_zugnutzer vor 5 Wochen

Ungenau!
Ich muss dazu mal etwas loswerden. Und zwar, bin ich am ersten Adventswochenende mit dem Zug von Niedersachswerfen nach Göttingen gefahren. Im Zug macht ein Älterer Herr, augenscheinlich im Auftrag der Deutschen Bahn, eine Befragung. Nur merkwürdigerweise, begannen seine Befragungen erst ab Bahnhof Walkenried. Mich befragte er nicht. Und auch nicht die Personen die in Woffleben und Ellrich zu stiegen.

So kann man sich seine Statistiken auch Schönen!

Ich saß genau neben den Befragten und bekam mit das er nach den Tickettyp, von wo nach wo sie fahren und so weiter befragt wurden.

Warum wurden die Personen vor Walkenried nicht befragt???

Es heißt ja immer, es würden nicht genügend Personen ab Nordhausen einsteigen. Ich denke, es wird gar nicht gewollt, dass diese mit einsteigen.

Danke für's "zuhören"!

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