Anwohner protestieren auf einem Feld (am Kuhberg) gegen den geplanten Gipsabbau. Sie halten Transparente und hören der Rednerin zu. Umweltministerin Anja Siegesmund.
Bereits im vergangenen Sommer hatten die Menschen am Kuhberg gegen einen Gipsabbau protestiert. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Umweltministerium Anja Siegesmund kritisiert Ramelow-Idee zum Gipsabbau

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) kritisiert die Idee von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), die Naturgipsvorräte in Thüringen verstärkt wirtschaftlich zu nutzen. Sie bezeichnete die Gipskarstlanschaften in Nordthüringen als "Höhepunkt der biologischen Vielfalt". Mit ihr werde es keinen Naturgipsabbau geben.

Anwohner protestieren auf einem Feld (am Kuhberg) gegen den geplanten Gipsabbau. Sie halten Transparente und hören der Rednerin zu. Umweltministerin Anja Siegesmund.
Bereits im vergangenen Sommer hatten die Menschen am Kuhberg gegen einen Gipsabbau protestiert. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) hat die Idee von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisiert, die Naturgipsvorräte in Thüringen verstärkt wirtschaftlich zu nutzen. Laut Ramelow könnten die Naturgipsvorkommen die Lücke schließen, wenn durch den Kohleausstieg kein REA-Gips mehr produziert würde. REA-Gips ist ein Nebenprodukt beim Abbau von Braun- und Steinkohle.

Siegesmund sagte MDR THÜRINGEN, mit ihr werde es den Naturgipsabbau nicht geben. Die Gipskarstlanschaften in Nordthüringen seien ein Höhepunkt der biologischen Vielfalt. Stattdessen sollten Alternativen gefördert werden, wie zum Beispiel das Recyclen von Gips. Daran forscht zum Beispiel die Hochschule Nordhausen. Außerdem könne, gerade in Thüringen, Holz zum Bauen verwendet werden, so Siegesmund. Zur Zeit gebe es ohnehin eine Überproduktion.

Weltweit einzigartige Gipskarstlandschaft

Die Menschen in Nordthüringen haben als ein Beispiel für den Gipsabbau den Kohnstein bei Nordhausen vor Augen. Die dortige Bergfront ist noch heute durch den terrassenförmigen Abbau von Gips im Tagebau zu DDR-Zeiten gezeichnet.

Naturschützer protestieren seit Jahren gegen weitere Abbaupläne. Sie verweisen auf die weltweit einzigartige Gipskarstlandschaft, die sich bis Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zieht. Der BUND spricht von 400 Arten, die auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen und im Südharz leben.

REA-Gips Gips, der aus den Abgasen von Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) gewonnen wird. Dabei reagiert das in den Abgasen enthaltene Schwefeldioxid mit zusätzlich beigemengtem Kalkstein zu Gips.
Der so gewonnene Gips ist chemisch identisch mit dem in der Natur vorkommenden Gips. Hierdurch reduziert sich die Notwendigkeit, den Naturgips in Steinbrüchen abzubauen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 19:12 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

22.05.2019 17:08 Dr. Jörg Demmich 6

Die Auffassung von Frau Siegesmund zeugt von einem unzureichenden Sachverstand. Zudem negiert sie das „100.000 Dächer und Häuser Programm“ der BT-Fraktion Ihrer eigenen Partei komplett, in welchem der Dachausbau bestehender Gebäude ohne zusätzliche Flächenversiegelung gefordert wird. Und das geht nun mal nur mit Leichtbau, um die statischen Rahmenbedingungen einzuhalten. Gipsbaustoffe sind hierfür bekanntermaßen prädestiniert, da sie eine Vielzahl baubiologischer und bautechnischer Vorteile seit Jahrtausenden aufweisen. Die in den letzten Jahren enorm steigende Nachfrage zeugt davon. Und im Übrigen: Holz und Gips konkurrieren nicht miteinander, sie stellen beim immer mehr nachgefragten Fertig-Holzständer-Haus eine hervorragende Symbiose dar. Daher: Die Rohstoffversorgung der deutschen Gipsindustrie mit heimischen Naturgips muss angesichts dramatisch sinkender REA-Gipsmengen auch künftig sicher sein!

22.05.2019 12:29 Rudimeter 5

In oben geschriebenen Beitrag steht : Zitat:Gipskarstlandschaft, die sich bis Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zieht. Der BUND spricht von 400 Arten, die auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen und im Südharz leben. Zitat Ende Ich kann mir vorstellen, dass hier Tiere und Pflanzen gemeint sind, von denen 400 Arten auf der roten Liste stehen und nicht 400 Arten Gibslandschaften , , wie im Beitrag zu lesen wäre

Mehr aus der Region Nordhausen - Sangehausen - Wernigerode

Mehr aus Thüringen

Historische "Rosinenbomber" vom Typ DC-3 auf dem Flughafen Erfurt-Weimar. 1 min
Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Sieben "Rosinenbomber" haben in Erfurt einen Zwischenstopp eingelegt. Einige der Douglas DC-3-Maschinen kamen extra aus den USA angeflogen.

Mo 17.06.2019 15:00Uhr 00:55 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/video-rosinenbomber-flugzeug-douglas-dc-luftbruecke100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video