Verbot Rechtsextreme Gruppe "Nordadler" besitzt Haus in Thüringen

Die vor allem online aktive Neonazi-Gruppierung "Nordadler" ist in Deutschland verboten worden. Am Dienstag rückten insgesamt rund 300 Polizisten zu Razzien bei sieben führenden Vertretern der Gruppe an. Nach MDR-Informationen besitzen Mitglieder der Organisation auch in Thüringen eine Immobilie, die als Treffpunkt diente.

Bewaffneter Polizist
Nach dem Verbot der Neonazi-Gruppe "Nordadler" gab es unter anderem in Sachsen Durchsuchungen. (Symbolfoto) Bildrechte: Harry Härtel

Die vom Bundesinnenministerium verbotene Neonazi-Gruppe "Nordadler" hat auch eine Immobilie in Thüringen. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN haben Mitglieder der Organisation in Mackenrode (Kreis Nordhausen) vor zwei Jahren ein Haus gekauft. Seit dieser Zeit wird das Objekt immer wieder für Veranstaltungen genutzt. Allerdings gibt es bisher keine erkennbaren Überschneidungen mit anderen rechtsextremistischen Gruppen in Thüringen.

"Nordadler"-Mitglieder zogen nach Thüringen

Das Thüringer Innenministerium teilte im vergangenen Jahr auf eine Anfrage der Linksfraktion mit, dass sich das Personenpotenzial in Mackenrode im niedrigen zweistelligen Bereich bewegt. Mutmaßliche "Nordadler"-Mitglieder sollen in den vergangenen beiden Jahren nach Mackenrode oder in das niedersächsisch-thüringische Grenzgebiet gezogen sein.

Die Bundeswanwaltschaft hatte im Juni und November 2018 das Haus in Mackenrode durchsuchen lassen. Bei den Razzien im Zuge des Verbotsverfahrens am Dienstag gab es nach bisherigen Erkenntnissen keine Durchsuchungen in Thüringen.

"Nordadler" folgt Nazi-Ideologie

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) war mit einem Vereinsverbot und Razzien in vier Bundesländern gegen die rechtsextremistische Vereinigung "Nordadler" vorgegangen. Am Dienstag gab es nach Angaben des Ministeriums Durchsuchungen bei wichtigen Vereinsmitgliedern in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen. Die vor allem online agierende Gruppierung verfolgt nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums eine nationalsozialistische Ideologie.

Linke-Abgeordnete: "Nordadler"-Verbot zu spät

Das Verbot der Neonazi-Gruppe "Nordadler" kommt nach Ansicht der Thüringer Linke-Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss zu spät. Die offene NS-Verherrlichung der Gruppe sei bereits seit zwei Jahren bekannt, kritisierte die Sprecherin für Antifaschismus der Linke-Fraktion im Landtag am Dienstag in Erfurt. Verwundert zeigte sich König-Preuss außerdem, dass es im Zuge des aktuellen Verbots keine Durchsuchungen im thüringischen Mackenrode gab.

Das zweigeschossige Wohnhaus hier sollte auch für ein völkisches Siedlungsprojekt genutzt werden, erklärte König-Preuss. Eine in diesem März von der Landesregierung beantwortete Anfrage der Linke-Abgeordneten habe eine "fortlaufende Nutzung" des Objekts konstatiert. Daher sei es erstaunlich, dass das Objekt bei der Umsetzung des Verbots nicht mit durchsucht worden sei.

Verfassungsschutz: "Nordadler"-Haus verwahrlost

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes sind die Aktivitäten von "Nordadler" in Thüringen allerdings fast zum Erliegen gekommen. Der Chef der Behörde, Stefan Kramer, sagte auf MDR THÜRINGEN-Anfrage, die Immobilie in Mackenrode verwahrlose zunehmend. "Das 2018 gestartete Siedlungsprojekt der mutmaßlichen Mitglieder ist allem Anschein nach inzwischen eingeschlafen“, so Kramer. Offenbar habe die Gruppe in Mackenrode nicht genügend Manpower, um die Aktivitäten voll weiterzufahren.

Hinweis der Redaktion: Ursprünglich war im Beitrag die Rede davon, dass es sich um Mackenrode im Eichsfeld handele. Gemeint ist aber Mackenrode im Kreis Nordhausen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen, und haben ihn korrigiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Juni 2020 | 12:00 Uhr

19 Kommentare

Rotti vor 1 Wochen

Wer den Staat abschaffen will, den kann der Staat nicht dulden. Ist doch ganz logisch.
Nun bin ich gespannt, wann die Antifa verboten wird.
Die wollen auch das System beseitigen.
Oder ist das dann was anderes?

Ines W. vor 1 Wochen

Wo tobt denn bitte in Stuttgart der Bär? Nur weil sich da eine Situation mit gewaltbereiten und angetrunkenen Menschen auf geschaukelt hat geht dort ja noch lange nicht die Welt unter und werden Rechtsextremisten nicht ungefährlicher. Also mal nicht ablenken von den rechten Freunden die zu recht verboten wurden.

Ines W. vor 1 Wochen

Gut, dass Seehofer diese rechtsextremistische Vereinigung hat verbieten lassen. Damit ist zu mindestens für diese Truppe klar festgestellt worden, was sie sind. Bei gewissen alternativen Politikern in unserem Land behauptet man ja nach wie vor, bürgerlich und konservativ zu sein, obwohl es in der Partei und deren Führungsspitzen von Rechtsradikalen und Extremisten nur so wimmelt.

Mal sehen, was der Verfassungsschutz über diese Truppe noch ans Tageslicht befördert. Von Rechtsextremisten an der Spitze trennt man sich dort ja nur sehr ungern, mit kleinen Mehrheiten bei der Beschlussfassung und wohlüberlegten Formfehlern bei der Durchführung.

Mehr aus der Region Nordhausen - Sangerhausen - Wernigerode

Mehr aus Thüringen