Prozess vor Arbeitsgericht Erfurt Geschasster Gedenkstättenleiter erstreitet Abfindung

Der gekündigte Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Stefan Hördler, hat 20.500 Euro Abfindung erstritten. Das Arbeitsgericht Erfurt urteilte, die von der Gedenkstättenstiftung angeführten Kündigungsgründe seien nicht stichhaltig.

"Kein vertragswidriges Verhalten"

Stefan Hördler, neuer Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Stefan Hördler vor der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Bildrechte: dpa

In der Urteilsbegründung heißt es, weder die im Mai 2019 ausgesprochene außerordentliche noch die im Juli erfolgte ordentliche Kündigung Hördlers hätten das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Das Arbeitsgericht habe kein vertragswidriges Verhalten Hördlers festgestellt, wie es die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora zur Begründung der Kündigung vorgebracht hatte.

Die Stiftung hatte die Entlassung mit einem Vertrauensverlust begründet: Hördler habe bei einem Vertrag einer freien Mitarbeiterin nicht richtig zugearbeitet. Aus Sicht des Gerichts war Hördler aber nicht direkt verantwortlich und hatte die Zuarbeit bei den Zuständigen veranlasst. Das Arbeitsverhältnis wurde inzwischen zu Ende September - wie von beiden Seiten gewünscht - aufgelöst.

Die Stiftung wollte das Urteil am Freitag nicht kommentieren. Ein Sprecher erklärte lediglich, das Urteil ändere nichts an der Einschätzung der Stiftung, wonach es keine Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Stefan Hördler mehr gegeben habe.

Mobbing-Vorwürfe gegen Gedenkstättenleiter

Hördler war 2015 an die Spitze der Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen berufen worden. Als ihm die Gedenkstättenleitung im Frühsommer gekündigt hatte, wurde zunächst kein Grund dafür bekannt. Im Oktober berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über schwere Vorwürfe gegen Stiftungsleiter Volkhard Knigge. Knigge wies die Mobbing-Anschuldigungen zurück. Die Stiftung hat den gesetzlichen Auftrag, die früheren Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora als Orte der Trauer und der Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen zu bewahren. Der Bund und das Land Thüringen finanzieren die Stiftung je zur Hälfte.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. November 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 13:57 Uhr

4 Kommentare

martin vor 1 Wochen

@udo: Ich finde Ihre Argumentation nicht schlüssig. Die Stiftung hat ihre Gründe vorgetragen. Das Gericht hat festgestellt, dass diese Begründung für eine rechtlich korrekte Kündigung nicht ausreicht. Daraus kann man aber meiner Meinung nach nicht folgern, dass die Begründung nur vorgeschoben ist. Arbeitgeber und Gericht können unterschiedliche Maßstäbe an die Differenzen anlegen, die für eine Kündigung notwendig sind - was bei den vielen Kündigungsschutzklagen wohl auch der Fall ist.

Allerdings: Es kann durchaus sein, dass die Begründung tatsächlich nur vorgeschoben ist. Jedoch sollte "jackblack" entweder den Mumm haben, seine Vermutung zu äußern oder er muss damit leben, dass Leser den Eindruck haben können, dass er nur gegen die Stiftung stänkern will.

Udo vor 1 Wochen

Mit Weltbild hat das nichts zu tun, die vorhandenen Fakten reichen da aus.
Das Gericht hat eindeutig kein vertragswidriges Verhalten Hördlers festgestellt, also wollte man Herrn Hördler aus anderen Gründen loswerden und schob fadenscheinige Begründungen vor, der Versuch war es wert, aber es glückte nicht.

martin vor 1 Wochen

Und woher meinen Sie zu wissen, dass es sich bei den vorgetragenen Gründen NICHT um die wirklichen handeln soll? Weil die vermuteten besser in Ihr Weltbild passen?

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