fließendes Wasser läuft in eine Hand
Schern bei Nordhausen hat keinen Anschluss ans Trinkwassernetz. Aus dem Hahn kommt Brunnenwasser, das nitratbelastet ist und nicht getrunken werden darf. Bildrechte: Colourbox.de

Förderantrag für Wasserleitung abgelehnt Schern bleibt sauberes Wasser aus dem Hahn verwehrt

Schern bei Nordhausen hat keinen Anschluss ans Trinkwassernetz. Die 15 Einwohner nutzen daher Brunnenwasser, das nitratbelastet ist und nicht getrunken werden darf. Ein regulärer Wasseranschluss ist angeblich zu teuer.

von Thomas Kalusa

fließendes Wasser läuft in eine Hand
Schern bei Nordhausen hat keinen Anschluss ans Trinkwassernetz. Aus dem Hahn kommt Brunnenwasser, das nitratbelastet ist und nicht getrunken werden darf. Bildrechte: Colourbox.de

Das Thüringer Umweltministerium hat es abgelehnt, eine 430.000 Euro teure Trinkwasserleitung vom Hauptort Werther zum Ortsteil Schern im Landkreis Nordhausen zu fördern. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) teilte mit, das nur bis 2011 eine Förderung möglich gewesen sei. Zudem könne der Wasserverband Nordhausen die Summe aufgrund von hohen Gewinnen selber aufbringen. Siegesmund schreibt wörtlich: Der "Wasserverband Nordhausen könnte eine moralische Pflicht" darin sehen, die Einwohner von Schern mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Schuld ist die intensive Landwirtschaft

Kathrin Theiler, Bewohnerin von Schern in der Gemeinde Werther im Landkreis Nordhausen, steht vor einer Kellerwand.
Kathrin Theiler zog 1991 nach Schern - damals war die Wasserversorgung kein Problem. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Ursache für das mit Nitrat hoch belastete Grund- und damit Brunnenwasser ist nach einhelliger Meinung die intensive Landwirtschaft rund um den kleinen Weiler Schern. Schon zu DDR-Zeiten hatte der Staatsbetrieb "Tierproduktion Nordhausen" mit über 100.000 Schweinen in seinen Ställen dort seine Gülle ausgefahren. Der nitrathaltige Schlamm stand auf den Feldern manchmal kniehoch, erinnert sich Werthers heutiger Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt.

Den Ortsteil Schern gibt es seit Jahrhunderten. Immer wurden die Häuser über Hausbrunnenanlagen versorgt. Als Kathrin Theiler und ihr Mann Mario 1991 ihr Haus dort kauften, war dies zuerst kein Problem. 1993, als sie ihre Zwillinge bekam, hat Theiler das Wasser untersuchen lassen. Befund: nicht geeignet für Babys, aber für Erwachsene kein Problem.

Petition zunächst erfolgreich

Elektrische Grundwasserpumpe in einem Keller in Schern im Landkreis Nordhausen.
Elektrische Grundwasserpumpe in einem Keller in Schern. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

2015 jedoch wurde amtlich untersucht und der hohe Nitratgehalt festgestellt. Das Wasser darf seitdem nur noch als Brauchwasser und für das Tränken von Tieren genutzt werden. Kathrin Theiler verlangte nun eine Trinkwasserleitung von der Gemeinde, bekam aber überall einen ablehnenden Bescheid.

Schließlich startete sie eine Petition beim Landtag und hatte zunächst Erfolg. Das Umweltministerium wurde um Förderung in diesem Ausnahmefall gebeten. Am 8. Februar 2018 kam nun die endgültige Absage: Förderung sei nicht mehr möglich, die sei landesweit bereits in den 90er Jahren und sogar bis 2011 ausgiebig erfolgt.

Hohe Überschüsse des Wasserverbandes

Anja Siegesmund
Umweltministerin Anja Siegesmund sieht den Wasserverband Nordhausen in der Verantwortung. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Den Schwarzen Peter haben also weiterhin die Bewohner. Weder die Gemeinde noch der Wasserverband Nordhausen sehen sich in der Verantwortung. Dabei weist selbst Umweltministerin Siegesmund auf die hohen Gewinne  von rund zwei Millionen Euro hin, die der Wasserverband in den vergangenen Jahren erzielt hat. Der Überschuss wurde allerdings an die Gesellschafter verteilt, also die Stadt Nordhausen und rund 20 weitere Kommunen. Dabei hätte der Wasserverband mit dem Geld den Bau der 430.000 Euro teuren Leitung  problemlos stemmen können.

Eine Summe, die übrigens Kathrin Theiler für zu hoch hält. Immerhin liegt Schern nur drei Kilometer vom Hauptort Werther entfernt. Zwischen Feldern und der Straße wäre eine Wasserleitung ohne großen Aufwand zu verlegen, meint sie.

Doch der Wasserverband hat auch juristische Bedenken. Eine solche Summe für nur 15 Einwohner könnte juristisch als Veruntreuung ausgelegt werden, sagt Werthers Bürgermeister Weidt, dessen Gemeinde dem Wasserverband angehört. In der Konsequenz sollen die Einwohner ihr Trinkwasser weiterhin im Supermarkt kaufen.

Das Umweltministerium hat den Wasserverband inzwischen aufgefordert, den Bau der Trinkwasserleitung rechtlich prüfen zu lassen. Möglicherweise hätten die Bewohner trotz der hohen Kosten ein Recht auf sauberes Trinkwasser, so das Ministerium. Eine Versorgungspflicht bestehe aber nicht, da es sich um Grundstücke im Außenbereich handele. Umweltministerin Anja Siegesmund (B90/Grüne) bot dem Verband Hilfe an, die juristischen Fragen mit der zuständigen Kommunalaufsicht und dem Rechnungshof zu klären.

Zusammenhang mit Klärschlammanlage?

Juristisch seltsam ist auch die Genehmigung für eine Klärschlammanlage in der Nähe von Schern vor ein paar Jahren. Weidt berichtet, der Gemeinderat Werther sei zuerst dagegen gewesen war und habe im Gemeinderat die Klärschlammanlage abgelehnt. Diese negative Stellungnahme mussten wir zurückziehen, erinnert sich Bürgermeister Weidt.  Wir "mussten eine positive Stellungnahme abgeben, aus welchen Gründen auch immer, verstehen wir heute noch nicht".

Nun soll diese Klärschlammanlage derzeit doch stillgelegt sein, sagte Weidt. Ob ein Zusammenhang mit der Nitratverseuchung des Grundwassers besteht, ist nicht bekannt.

Beitrag aus dem MDR THÜRINGEN Journal vom 15.01.2018

Anmerkung der Redaktion: Das Thüringer Umweltministerium hat uns nach Veröffentlichung dieses Beitrags darüber informiert, dass es sich mit einem Schreiben an den Wasserverband wenden wird, den Fall nochmals zu prüfen. Der Verband werde gebeten, sich an den Thüringer Rechnungshof zu wenden. Konkret geht es um die Bedenken, wonach eine solche Investition für 15 Einwohner juristisch als Veruntreuung ausgelegt werden könnte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Februar 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 07:58 Uhr

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7 Kommentare

13.02.2018 09:17 Bingo 7

Probleme wie in Kalkutta,...Geld wird sicher anderswo gebraucht,z.b.Brunnenbohren in Afrika oder Indien.

12.02.2018 21:10 Thüringer Original 6

Fraglich ist, ob es zur Leitung eine Alternative gibt. Zum Beispiel das es einen Hochbehälter gibt, welcher mit Trinkwasser befüllt wird und alle Anschlüsse der Häuser bedient. Evtl. ist die Satzung des Trinkwasserverbandes rechtswidrig, oder ob es Bewohnern im Außengebiet zuzumuten ist, Trinkwasser zu kaufen.

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