Urteil Lebenslang für Doppelmord von Nordhausen

Nach dem Mord an einem Ehepaar an Heiligabend 2018 in Nordhausen ist das Urteil gefallen: Der Angeklagte muss eine lebenslange Haftstrafe verbüßen. Das Landgericht Mühlhausen stellte außerdem eine besonders schwere Schuld fest.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Urteil zum Doppelmord in Nordhausen am Landgericht Mühlhausen
Der Angeklagte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Den Ermittlern bot sich ein blutiger Anblick. Die Opfer, ein Ehepaar, 82 und 80 Jahre alt, waren Heiligabend 2018 erstochen worden. Sie hatten noch ihre Schlafsachen an. Zeugen wurden gefragt, Überwachungskameras ausgewertet. Vier Tage später war der Täter gefunden, ein 57-Jähriger, der für den getöteten Mann immer mal wieder Hilfsarbeiten ausführte.

Ein gutes Jahr später nun wurde er von der Schwurgerichtskammer des Mühlhäuser Landgerichts verurteilt: zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen zweifachen Mordes. Der Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt, sich aber immer wieder auf Erinnerungslücken berufen. Das Gericht habe dennoch gut rekonstruieren können, was sich damals ereignete, sagte der Vorsitzende Richter Gerd Funke.

So soll es sich zugetragen haben

Aus Sicht des Gerichtes hat es sich so zugetragen: Es ging um die Arbeiten und das Geld dafür gegangen. Deshalb ist der Angeklagte am Morgen des 24. Dezember 2018 zu den späteren Opfer gegangen. Die Frau hat ihm die Tür geöffnet, im Haus ist es dann zu einer Auseinandersetzung mit dem Mann gekommen. Das spätere Opfer hatte ein Messer dabei gehabt, das ihm der Angeklagte in einem Gerangel abnahm. Dabei verletzte er den 82-Jährigen, der sich ihm ihn den Weg stellte und die Polizei holen wollte. Daraufhin hat der Angeklagte den Mann mit mehreren Stichen schwer verletzt. Aus Angst vor Entdeckung hat er die Frau getötet.

Ein Mann sitzt neben seinem Anwalt im Gerichtssaal in Mühlhausen. Er hält sich ein Blatt Papier vors Gesicht.
Angeklagter neben seinem Anwalt beim Prozess. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Dann wurde dem Angeklagten klar, dass er Schreckliches getan hat. In den Sachen der Opfer hat er nach einem Handy gesucht, um Hilfe zu holen. Mit seinem eigenen wollte er nicht anrufen. Der 57-Jährige fand kein Handy, aber einige hundert Euro, die er einsteckte. Der schwerstverletzte 82-Jährige konnte sich noch draußen schleppen. Deshalb hat ihm der Angeklagte weitere zwei - sofort tödliche - Stiche versetzt. Den Toten zog er dann wieder nach hinten, damit die Leiche nicht von der Straße aus gesehen werden konnte.

Auf Mord steht lebenslang

In beiden Fällen erkannten die Richter auf Mord zur Verdeckung einer Straftat. Auf Mord steht lebenslang. Da gebe es keinen Ermessensspielraum, sagte Richter Funke. Das Gericht stellte aber zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest. Dieses strafverschärfende Merkmal bedeutet, dass der Angeklagte nicht nach 15 Jahren Haft einen Antrag auf Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung stellen kann. Der 57-Jährige habe zwar früh ein Geständnis abgelegt und sich im Gerichtssaal bei den Angehörigen entschuldigt - doch starben durch seine Hand zwei Menschen, und der Angeklagte haben auch noch Geld gestohlen.

Für die Familie war die Zeit von der Entdeckung der Tat bis zum Urteil sehr belastend. Der Sohn des getöteten Paares sagte, erst jetzt könne man anfangen, das richtig zu verarbeiten. Er hoffe, dass das auch gelinge. Der Verteidiger überlegt, ob er den Ausspruch der besonderen Schwere der Schuld vom Bundesgerichtshof überprüfen lässt

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2020, 20:03 Uhr

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